Auswachsen
Erzählung

von Almut T Schmidt

€ 19,00
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: Droschl, M
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 180 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.08.2002

Eine junge Frau im Übergangsbereich zwischen Schule und der Zeit danach; ob sie studieren wird und wo, ist noch sicher. Sie arbeitet, vorübergehend, als Altenpflegerin und betreut einige Senioren in ihren Wohnungen, sie hat Schwierigkeiten mit ihrer Freundin Bianka, und sie lebt in wachsender Distanz zu ihren Eltern. Es passiert nicht viel.

Außergewöhnlich ist die Form, in der tägliche Gesprächsmüll, die Konversationen, die Redundanzen des allgegenwärtigen Geredes in dieser Erzählung erscheinen, verschärft noch durch die oft schrägen Befindlichkeiten der Klienten in der Altenpflege – in einer unsentimentalen, genauen und vor allem wohltuend unironischen Erzählweise, die Almut Tina Schmidt 1999 auch den renommierten open mike-Preis einbrachte.

Rezension aus FALTER 46/2002

Die deutsche Autorin Almut Tina Schmidt ist Anfang dreißig und trotzdem kein Partygirl. Im Droschl Verlag ist gerade ihr Prosadebüt erschienen, im Schauspielhaus wird jetzt ihr neues Stück präsentiert.
Die Heldin von Almut Tina Schmidts Debüterzählung ist eine junge Frau um die zwanzig. Die Eltern nerven, das Verhältnis zu ihrer besten Freundin war schon mal inniger, manchmal geht sie auf eine Fete. Ansonsten hat sie mit den Mädchen, wie sie von Jungautorinnen derzeit gern beschrieben werden, wenig gemeinsam.
Die Icherzählerin aus "Auswachsen" ist weder überdreht noch sexbesessen, sondern eine eher unscheinbare Person, die sich selbst nicht sonderlich wichtig nimmt, ihre Umwelt dafür umso genauer beobachtet. Eher ungewöhnlich ist auch, dass diese Umwelt hauptsächlich aus ziemlich alten Menschen besteht: Die Protagonistin hat gerade Abitur gemacht, will Medizin studieren und überbrückt die Wartezeit auf einen Studienplatz als Haushaltshilfe für Senioren. Die betagten Leute, die sie stundenweise in ihren mehr oder weniger verwahrlosten Wohnungen besucht, sind "so alt, dass ihre Uhren zwanzig Minuten vorgehen"; einige sind gehbehindert oder inkontinent, einer leidet an Alzheimer. "Ich weiß nicht mehr, wonach es riecht. In der Küche wird es Winter", konstatiert die junge Frau bei einem ihrer Besuche.
Den Job, der sie ein bisschen überfordert, erledigt sie nicht direkt desinteressiert, aber doch mit einer gewissen Distanz, die sie auch im Privatleben an den Tag legt. Das sich im Lauf des Buches entwickelnde Verhältnis zu Gernot, einem Versicherungsangestellten, nimmt sie denkbar leidenschaftlos hin. Als der neue Freund ihr einmal sagt, er verstehe, was sie meine, erwidert sie, dass sie gar nicht verstanden werden wolle. "Ich rede nur zum Spaß. Das ist wie Gummibärchenessen oder Zähneputzen. Die Kiefer sind beschäftigt, irgendwas kreist und dreht sich im Gesicht, im Kopf, und es geht nur mich an, niemand sonst. Ich will nichts Neues sagen, nichts Interessantes, ich will auch nicht Recht haben, ich will reden."
Abgesehen davon, dass Almut Tina Schmidt natürlich auch einmal zwanzig war, ist "Auswachsen" kein autobiografisches Buch. Die 31-jährige Autorin, die in Freiburg gerade an ihrer Doktorarbeit in Germanistik schreibt, hat weder Medizin studiert noch jemals in der Altenbetreuung gearbeitet. Es stimme aber, dass sie definitiv kein Girlie-Buch habe schreiben wollen, bestätigt Schmidt. "Das entspricht überhaupt nicht meinen Erfahrungen, und auch nicht jenen vieler anderer Frauen."
Dass sie sich nicht ständig auf Raves herumgetrieben hat, glaubt man Almut Tina Schmidt aufs Wort. Sie wirkt zwar nicht streberhaft, aber man kann sich gut vorstellen, dass sie lieber noch was gelesen hat, während ihre Kolleginnen feiern gingen. Dass sie mit dem Studium trotzdem noch nicht fertig ist, lässt sich damit entschuldigen, dass Schmidt nebenbei einige Hörspiele, zwei Kinderbücher, zwei Theaterstücke und eben "Auswachsen" geschrieben hat. Für ein Buch mit 180 Seiten wirkt die Gattungsbezeichnung "Erzählung" fast schon übertrieben bescheiden; andere Jungautorinnen und -autoren würden damit zwei Romane füllen. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass das eine Erzählung ist", erklärt Schmidt. "Ich fand, dass ein Roman ein bisschen mehr Handlung haben und geschlossener sein müsste."
Neben der Dissertation (über den früh verstorbenen deutschen Autor Thomas Strittmatter), die sie im Frühjahr endlich fertig haben will, hat Almut Tina Schmidt drei "größere" Stücke und auch einen neuen Prosatext ("Da bin ich mir sicher, dass es ein Roman ist") in Arbeit, über den sie noch nicht viel sagen will. "Aber ich glaube, es könnte einigermaßen witzig werden."
Auch "Auswachsen" ist in seiner ganzen Lakonie eine stellenweise überraschend unterhaltsame Lektüre. Zum Beispiel will die Erzählerin von ihrer Freundin, einer Kindergärtnerin, einmal wissen, wie es ihr mit den Kindern denn so gehe. Die Antwort kommt dann doch einigermaßen überraschend: "Naja, wie überall. Alle reden über Sex, aber in Wirklichkeit denken sie doch nur ans Sterben."

Wolfgang Kralicek in FALTER 46/2002 vom 15.11.2002 (S. 76)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb