€ 19,00
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: Droschl, M
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 127 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.07.2003

Rezension aus FALTER 34/2003

Den Entwicklungsstand einer Zivilisation erkennt man daran, wie viel Zeit jeder Einzelne mit der Beschaffung und Zubereitung seiner Nahrung verbraucht. Gerade einmal zwei Stunden täglich, so Klaus E. Müller in "Nektar und Ambrosia", einer unterhaltsamen "Ethnologie des Essens und Trinkens", mussten die Jäger und Sammler der Steinzeit veranschlagen. Bereits mit der Erfindung des Ackerbaus wurden Rationalisierungsverfahren wie Arbeitsteilung notwendig, um den gewachsenen Arbeitsaufwand zu bewerkstelligen. Je höher der Zivilisationsgrad, desto aufwendiger die Küche. Nahrung, Verpflegung, Hausmannskost", lautet eine der Bedeutungen des englischen Wortes "fare", "Fahrpreis" eine andere, die ebenso auf dem Cover des neuen Romans von Wilhelm Hengstler erwähnt ist - und in die Irre führt. Es besteht kein Zweifel, dass Hengstlers kleiner Grieche Iannis ein hässliches Kind ist, dieses Handicap einer steilen Karriere als Spitzenkoch aber nicht im Weg stehen wird. Sein Genie am Herd kostet den eigenwilligen Buben nicht mehr, als dass er die Bösartigkeiten seiner Neider aushalten muss, die ihm vergeblich die Suppe versalzen wollen. Ein paar Jahre lang, dann geschieht, was geschehen muss: Die Welt verneigt sich vor seinen Gerichten, Millionäre sind bereit, ihr letztes Hemd für seine gastronomischen Pläne zu geben. "Fare" lesen heißt, dort Urlaub von den barbarischen Schnellgerichten des Alltags zu machen, wo sich das Aroma Griechenlands, das Farbenspiel des Luxus, die Sprache des Tagtraums und die Trunkenheit des Genusses in einem literarischen Meisterstück vereinen. Was Hengstlers magische Figur des Iannis am Ende des kleinen Romans betreibt, dürfte den Punkt markieren, an dem die Spezies Mensch ihr Entwicklungspotenzial ausgeschöpft und das Maximum des ihr Möglichen erreicht hat. Anders gesagt: Iannis kocht sich bis ins kulinarische Paradies, das Reich der Erlösung.

Martin Droschke in FALTER 34/2003 vom 22.08.2003 (S. 50)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Nektar und Ambrosia (Klaus E. Müller)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb