Die Frau des Kanzlers
Eine Rede

von Gustav Ernst

€ 14,30
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Verlag: Sonderzahl
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Dramatik
Umfang: 88 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 35/2002

Urlaubsbücher sollen dick sein und in der Lage, unsere Fantasie in ferne Länder zu entführen. Gustav Ernst macht mit seinem neuen Buch kurz und prägnant klar, dass es auch während der Sommermonate keinen vernünftigen Grund gibt, auf das Land seiner Herkunft zu vergessen. Dort hat die "Frau des Kanzlers" den Kanzler endgültig satt. Schon damals, als die neue Koalition ausverhandelt wurde, wollte sie sich scheiden lassen. Gab dann aber doch der Bitte nach, sich nicht gleich jetzt, sondern erst später von ihm zu trennen. Alle Welt hätte die Scheidung mit der neuen Koalition in Verbindung gebracht. Aus purer Abscheu über die neue Koalition, so hätte es geheißen, habe sich die Frau des Kanzlers vom Kanzler scheiden lassen. Ein gefundenes Fressen für die Medien wäre das gewesen, hat der Kanzler damals zu seiner Frau gesagt. Und die Frau des Kanzlers hat sich umstimmen lassen; so wurde aus dem Ganzen eben zwei Jahre später ein gefundenes Fressen für die Literatur.

Gustav Ernsts Text ist eine furiose Anklage. Der Frau des Kanzlers ist - Vorsicht, Fiktion! - doch noch der Kragen geplatzt. So wird der Kanzler als einer vorgeführt, der - ob bei der Hausmusik oder in Mariazell - eigentlich immer nur abwesend ist und der es in der Erfindung neuer Abwesenheitsstrategien zu wahrer Meisterschaft bringt. Der Koalitionspartner hingegen erscheint in seiner Kaputtheit als einer, der diese Kaputtheit am liebsten gleich der ganzen Welt umstülpen würde. Auch eine neue Musik entdeckt die Frau des Kanzlers im Kanzleramt. Der Kanzler spielt wie ein Engel die Harfe, während der Koalitionspartner die Realpolitik macht: Sparen bis zum Umfallen, sinnigerweise in ein gesamteuropäisches Konzept eines entfesselten Greißlertums eingepasst. Insgesamt nicht eben schlechte Bilder, um sich seiner Ferien möglichst lange zu erfreuen.

Klaus Kastberger in FALTER 35/2002 vom 30.08.2002 (S. 52)


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