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Verlag: Sonderzahl
Format: Taschenbuch
Genre: Ratgeber/Essen, Trinken/Themenkochbücher
Umfang: 240 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.10.2004

Rezension aus FALTER 52/2004

Vor dem Essen, nach dem Essen ...

Anthony Bourdain ist die amerikanische Antwort auf Jamie Oliver. Rotzfrech, und dazu noch ein Vorposten des Antibushismus im Auge des Sturms. In Manhattan kocht er nämlich französische Bistro-Kost, und ziemlich deftig auch noch!Das Wiener Integrationshaus hat die Idee vermittelt. 33 Flüchtlinge kochten für 33 Autorinnen und Autoren, die dann die Rezepte aufzeichneten und auch, was sich sonst beim Essen begab. Klug, lehrreich und durchaus nahrhaft.Dieses Kochbuch trägt, zugegeben, einen blöden Titel. Es hat auch einen medizinischen Berater. Und es ist schon ein Jahr alt. Trotzdem steht es hier. Erstens, weil aus ihm die Erbsensuppe im Menü stammt und zweitens, weil Joachim Gradwohl (derzeit Meinl am Graben) ein famoser Koch ist, der hier ein paar schöne, leichte Rezeptanregungen zusammengetragen hat.Wolfram Siebeck ist ein Multi, und hier multipliziert er sich gleich noch einmal. Mit seiner Frau gemeinsam kocht er "vierhändig". Der Schmäh lahmt ein wenig, aber das eine oder andere Rezept, die eine oder andere Anregung lassen sich finden.Wini Brugger kennen viele als den Chef des Wiener Lokals "Indochine". Wer nicht dorthin findet, kann in diesem Buch des weitgereisten Kochs entdecken, dass Fusion-Küche mehr ist als eine Hand voll Zitronengras.Peter Tichatschek, der Autor, ist Präsentator der ORF-Kochsendung "Frisch gekocht!". Er versammelt Rezepte von Promiköchen und Gästen seiner Sendung. Nebenbei erhält man einen Querschnitt durch die Kochszene des Landes.

Armin Thurnher in FALTER 52/2004 vom 24.12.2004 (S. 98)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Wini Brugger's Asia-Küche (Wini Brugger)
Essen Sie sich jung! (Joachim Gradwohl)
Frisch gekocht! (Peter Tichatschek)
Vierhändig Kochen (Wolfram Siebeck)
So koche ich im Les Halles, New York (Anthony Bourdain, Peter Müller)

Rezension aus FALTER 47/2004

Essen verbindet. Ein neuer gastronomischer Atlas präsentiert Rezepte aus diversen Ländern, die dann beim Wiener Wirt nachgekocht werden.

Tabuleh, also Petersiliensalat, geht zum Beispiel so, mit Zutaten für vier Personen: eine Tasse feiner Bulgur, zwei Tassen fein geschnittene Petersilie, gemischt mit einem Viertel Minze, eine Tasse fein geschnittene Zwiebeln, eine Dreiviertel Tasse fein geschnittene Tomaten, eine Dreiviertel Tasse Olivenöl, eine Tasse Zitronensaft, ein Kopfsalat, Salz und Pfeffer. Den Bulgur eine Stunde lang in Wasser einweichen, dann Wasser abgießen und das restliche Wasser ausdrücken. Alle Zutaten gut mischen und auf den Blättern des Kopfsalats servieren.

Ein Rezept aus einem neuen Kochbuch, das mit der gängigen beliebten Ess- und Trinkliteratur recht wenig gemeinsam hat. Flüchtlinge aus verschiedensten Herkunftsländern, die im Wiener Integrationshaus leben, haben für "Der Geschmack der Fremde" 33 österreichische Autoren bekocht - mit den Gerichten ihrer alten Heimat, von Pondu (Maniokgemüse mit Fisch) bis zu Kokospita (Kokostaschen). Die kulinarischen Begegnungen waren Grundlage für die Texte, die Margret Kreidl und Lucas Cejpek herausgegeben haben. Quasi als ein politisches Kochbuch, das die Flucht- und Lebensgeschichten von Asylwerbern aus Nigeria, Afghanistan, dem Irak oder Tschetschenien erzählt und die nationalen Gerichte wie ein gastronomischer Atlas sammelt.

Egal, wie groß die Furcht vor dem Fremden auch sein mag, Essen verbindet doch irgendwie. Darauf setzen zumindest die Initiatoren des Buchprojekts. Bei der Präsentation mit Schaukochen wurde jetzt deshalb auch gleich der nächste Schritt zur kulinarischen Weltverbesserung vorgestellt. Im kommenden Februar startet bei ausgewählten Wiener Wirtshäusern die Aktion "How To Grill a Zebra". Die Wirte kochen dann etwa eine Woche lang ein paar Alltagsgerichte aus dem Buch nach, der Erlös soll ans Integrationshaus gehen.

Die Beislidee stammt von TU-Studierenden, die sich einmal auf etwas praktischere Art mit dem Thema Migration beschäftigen wollten, erzählt Student Alexander Sieghartsleitner: "Es geht bei der Aktion um so was wie 1:1-Urbanismus, eine kurzfristige kulinarische Intervention, bei der wirklich was Sichtbares passiert." Wenn es der Kebab mittlerweile schon geschafft hat, die Leberkässemmel zu verdrängen - warum sollten dann beim Wirten ums Eck geröstete Bananen nicht auch eine Chance gegen geröstete Knödel haben? "Ein Ziel wäre, dass beim einen oder anderen Gastwirt ein Rezept in seiner normalen Karte hängen bleibt", erklärt Sieghartsleitner.

Das Geld, das mit der kulinarischen Aktion hereinkommen soll, benötigt man im Integrationshaus dringend. 110 Menschen leben hier derzeit im Wohnheim, zwanzig Jugendliche in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Alle Asylwerber in dieser Einrichtung, die meisten Gewaltopfer und extrem traumatisierte Menschen, brauchen besondere psychosoziale Unterstützung. Die Grundversorgung wird zwar vom Fonds Soziales Wien finanziert, das Haus muss aber zumindest ein Drittel seines Budgets mit Spenden und Veranstaltungen selbst aufbringen.

In Sachen kulinarischer Überzeugungsarbeit klappern die TU-Studenten derzeit noch diverse Gasthäuser ab. Termin und Adressen der Lokale, die dann beim großen Zebragrillen im Februar mitmachen, werden auf der Falter-Homepage veröffentlicht.

Julia Ortner in FALTER 47/2004 vom 19.11.2004 (S. 79)


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