Wo ist Elisabeth?

von Lucas Cejpek

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Verlag: Sonderzahl
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: ca. 228 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.03.2009

Rezension aus FALTER 11/2009

Ist sie eine Sissi oder eine Liesl?

Lucas Cejpek hat ein neues Buch vorgelegt: "Wo ist Elisabeth?". Sein fünfter Roman nach "Ludwig" (1988), "Vera, Vera" (1992), "Ihr Wunsch" (1996) und "Keine Namen" (2001). Cejpeks Romane sind Konzeptbücher. "Keine Namen" zum Beispiel war als Selbstauskunft eines Geheimnisträgers in einem Ministerium angelegt, der aber nie auf den Punkt kommt – quasi die experimentelle Bürokratenversion eines Spionageromans. In "Wo ist Elisabeth?" treibt Cejpek wieder ein Spiel mit einer Leerstelle: Das Verschwinden bildet den Angelpunkt des Buches.

Eine Frau verschwindet. Der Verkäufer in der Sofaabteilung der Leiner-Filiale, die sie zuletzt besucht hatte, findet ihre Handtasche und ruft den Autor an, dessen Namen er im Telefonbuch gefunden hat. Der ist zwar mit der Verschwundenen, einer gewissen Elisabeth Cejpek, weder verwandt noch bekannt, begibt sich aber dennoch auf literarische Spurensuche.

Ausgehend von diesem Setting zerlegt Lucas Cejpek seinen Text in zahlreiche kurze Abschnitte, die in Thema und Variation um Elisabeth kreisen und um alles, was von ihr bekannt ist: ihr Name, die Handtasche, ihre Wohnung samt Klavier darin, ihr Beruf als Sekretärin in einem Amt, ihre Eltern und Familie, das Verschwinden als solches. Dazu kommen Exkurse über Sofas, Dubai und Falken (Achtung, Dingsymbol!), die sich durch das Buch ziehen.

So in Absätze zerlegt, erinnert der Roman an Schaubilder von Autoersatzteilen, wie man sie in Kfz-Werkstätten manchmal sieht. Wir haben: Ein Spannungsmoment (Elisabeths Verschwinden), eine Struktur (kurze Absätze), den spielerischen Umgang mit der Sprache (Listen, alphabetische und lautmalerische Aufzählungen, Fragepassagen, Sprünge und Themenwechsel), wir haben einen Effekt (langsames Pulsieren der Sprache), noch einen Effekt (serielle Literatur) und noch einen Effekt (kubistischer Roman).

Wer in Österreich Elisabeth sagt, denke an Sissi, schreibt Lucas Cejpek und hängt einen Exkurs über Romy Schneider an. Wäre der 1956 in Wien geborene Autor am Land aufgewachsen – und nicht in Graz, wo er auch Germanistik studierte –, dann würde er vermutlich an Liesl denken und eine kleine Abhandlung über klassische österreichische Kuhnamen einfügen.

"Mit der Bezeichnung Avantgarde hat man sich in den 1960ern vorgestellt", meinte Lucas Cejpek einmal in einem Gespräch. Und tatsächlich: Für die Art von Literatur, die er vorlegt, gibt es kaum brauchbare Namen. Wie das Kind also nennen? Experimenteller Roman? (Brr!) Avancierte Literatur? (Wie nasal!) Nouveau Roman? (Schaut alt aus.)

"Elisabeth hat gerne improvisiert. Wenn sie ein Stück wiederholt hat, hat sie sich unterbrochen. Sie hat sich beim Spielen ständig unterbrochen. Um nachzudenken, hat sie gesagt. Ich habe bemerkt, dass die Stücke an den Stellen, an denen ich sie unterbrochen habe, vollkommen waren. Sonst hätte ich sie nicht unterbrochen."

"Je avancierter die Methode eines Textes, desto trivialer scheint sein Inhalt", bemerkte ein mit dem Rezensenten befreundeter Germanist an, der Cejpeks Buch durchblätterte. Womit er Recht hat. So reizvoll die Versuchsanordnung des Romans und so schnörkellos elegant seine Sprache ist, so schal sind auf Dauer die Exkurse über Handtaschen, Sofas, Dubai und Falken, mithin also auch die poetologischen Überlegungen, auf die das Buch verweist. Sicher: Ein paar Motive, die das Buch anspricht, sind es wert, weitergedacht zu werden, zum Beispiel die Konstruktion von Charakteren entlang von Leerstellen und Vorstellungen. Doch ohne den Willen zum abstrakten Amüsement, den man braucht, um sich auf das Romanspiel einzulassen, steht der Text bald nackt da und zerbröselt schließlich zu einem Häufchen Vergessen.

Werner Schandor in FALTER 11/2009 vom 13.03.2009 (S. 24)


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