Der potemkinsche Hund

Roman
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Kurzbeschreibung des Verlags:

In Odessa irrt ein junger Mann ziellos umher. Er ist schmutzig, er stinkt, er läuft einem Hund hinterher. Sein Name ist Anatol Grigorjevič, und er ist letzte Nacht aus seinem Grab gestiegen. Irina, seine Nachbarin, hat ihn wieder zum Leben erweckt. Da sie, die unglücklich in einen Toten Verliebte, nicht weiß, dass ihr Wiederbelebungsversuch erfolgreich war, irrt sie nun genau wie Anatol planlos durch ihr Leben, von Odessa quer durch die Ukraine und wieder zurück, auf der Suche nach Sinn. Den findet auch Anatol in seiner Rastlosigkeit nicht, auch wenn er zwischendurch vermeint, der Hund, den er Čelobaka nennt und der ihn seit seiner Auferstehung auf beinah magische Weise begleitet, wüsste genau, wohin der Weg führe …In ihrem außergewöhnlichen Roman, der an die fantastisch-absurde Tradition eines Bulgakov gemahnt, gelingt es Cordula Simon nicht nur, zwei Menschen in ihrer Einsamkeit geradezu schmerzhaft zu porträtieren, die surreale Geschichte eines wieder zum Leben Erweckten ist üppig gefüllt mit ukrainischen Impressionen, bizarren Charakteren und kafkaesken Situationen. Ein beeindruckendes Debüt!

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FALTER-Rezension

Kakerlaken sind faszinierende Tiere

Die steirische Jungautorin Cordula Simon über ihr wildes Debüt "Der potemkinsche Hund" und ihr Leben in der Ukraine

Die Frage, die Autoren am häufigsten zu hören bekommen, aber selten gerne hören, lautet: "Kann man davon leben?" Ja, man kann, antwortet Cordula Simon selbstbewusst.
Das allein wäre für eine junge Autorin schon bemerkenswert. Die 26-jährige Oststeirerin stellt aber noch einmal einen Sonderfall dar. "Ich habe gute eineinhalb Jahre vom Schreiben gelebt, ohne ein Buch veröffentlicht zu haben", sagt sie. "In Graz haben das alle witzig gefunden. Ich war die Autorin ohne Buch."
Wie das geht? Simon lebt und arbeitet, seitdem sie vor knapp zwei Jahren ihr Studium der Germanistik und Slawistik abgeschlossen hat, im ukrainischen Odessa, das sie schon von einem Gastsemester her kannte: "Ich habe mir gedacht, warum soll ich es nicht probieren. Von den Stipendien und Preisen, die ich bekommen habe, kann ich dort dreimal so lange leben. Ich habe den ganzen Tag zum Schreiben und brauche keine Nebenjobs anzunehmen."

Das hat sich bereits ausgezahlt. Ihren Debütroman "Der potemkinsche Hund" hat Simon ohne Unterbrechung in einem knappen Jahr niedergeschrieben und – weil's gerade so gut lief – mit Picus auch gleich einen Verlag gefunden. Ein Glücksfall, denn normalerweise muss man als Newcomer bis zu zwei Jahre lange warten – inklusive Verlagssuche und Vorlaufzeit –, bevor man sein erstes Werk in gedruckter Form in Händen halten kann.
Beim "Potemkinschen Hund" hätte aber bestimmt bald auch ein anderer Verlag zugegriffen. Cordula Simon schreibt nämlich genau so, wie sie auch im persönlichen Gespräch rüberkommt: gewitzt und gescheit, aber auch vorlaut und ein bisschen böse. Ihr Buch sticht nicht nur durch einige schön grausliche Szenen aus der Masse der Neuerscheinungen hervor, sondern schon durch seinen ungewöhnlichen Plot.
Die Grundidee ist schon einmal gut: Die Autorin lässt einen frisch Verstorbenen nach drei Tagen wiederauferstehen und schwer gebeutelt durch die Ukraine stolpern. Das erweist sich nicht zuletzt als bürokratischer Spießrutenlauf, den der arme Mann nie und nimmer bestehen kann – verfügt er doch weder über Dokumente, die seine Existenz beweisen würden, noch über das nötige Kleingeld zur Bestechung der Beamten.

"Der Plan war, einen Zombie-Roman zu ­schreiben, der möglichst realistisch ist", erzählt Simon. "Daher musste die Geschichte in der Ukraine spielen. Denn dort passiert es bei billigen Bestattungen noch, dass die Körperöffnungen mit Watte zugestopft und vernäht werden."
Genau: Der Verlauf der Handlung erfordert natürlich, dass die Nähte beim Auferstandenen wieder aufgetrennt werden;
in seiner Haut möchte man definitiv nicht stecken. Während Anatol Grigorjevič ­Ivanov, so der Name des Mannes, mit seinem arg geschundenen Körper zu kämpfen hat, ist der zweiten Hauptfigur ihr Kopf im Weg.
Irina Sergejevna Muravenko ist eine junge Naturwissenschaftlerin und mit dem Verlauf ihrer Karriere unzufrieden. Aber auch im amourösen Bereich herrscht Flaute. Als Anatol, den sie heimlich verehrt, stirbt, beschließt sie, ihn in einem liebeskranken wissenschaftlichen Experiment wiederzuerwecken. Allerdings ist sie zu ungeduldig, um mitzubekommen, dass es gelingt. Sie startet eine eigene Odyssee. Anatol bekommt derweil als Gefährten einen Hund zur Seite gestellt, der freilich auch nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint.
"Der potemkinsche Hund" ist sowohl sprachlich ansprechend und von einem spürbaren, aber unaufdringlichen Kunstwillen durchzogen wie auch unterhaltsam. Dass einem so ein Debüt nicht in den Schoß fällt, ist auch klar. Cordula Simon schrieb schon als Volksschülerin wilde Geschichten ("Eine handelte von Socken, die in der Waschmaschine verschwinden"). Im Internet finden sich Texte, die sie im Alter von zwölf bis 15 Jahren im Rahmen der Talentschmiede Jugend-Literatur-Werkstatt in Graz verfasst hat. "Ich habe immer geschrieben", erinnert sie sich, "nur während der Pubertät habe ich es manchmal nicht hergezeigt, weil ich die Texte für einen Topfen gehalten habe."

Das Leben in der Ukraine scheint ganz gut zu laufen für Cordula Simon. Die meiste Zeit sitzt sie im Kaffeehaus und schreibt, manchmal erhält sie dabei von Freunden Besuch. Probleme, Anschluss zu finden, hatte sie nie: "Bei meinem Auslandsemester war ich die Einzige, die nicht gleich ins Hotel gezogen ist. Ich habe mit drei ukrainischen Mädels in einem Vierbettzimmer gewohnt. So lernt man, mit vielen Sachen klarzukommen. Kakerlaken sind sehr faszinierende Tiere, habe ich festgestellt. Und man lernt natürlich auch sprachlich sehr schnell dazu, wenn man muss."
Den Alltag in der Ukraine muss man sich laut Simon vorstellen "wie bei uns vor 30 Jahren. Nur dass man überall WLAN hat. Ich bleibe so lange, bis es mir keinen Spaß mehr macht oder mir das Geld ausgeht. Das kann noch ein bisschen dauern."
Inzwischen sei auch der zweite Roman schon fast fertig, erzählt sie noch. Und wenn sie einen Wunsch äußern dürfte, dann ­würde sie gern beim Bachmann-Preis mitmachen. Man darf sich Cordula
Simon nicht als ängstlichen Menschen
vorstellen: "Ich kenne das halt schon von der Jugend-Literatur-Werkstatt, dass ein Text gründlich auseinandergenommen wird. Das würde mir keinen Stress machen. Wer etwas schreibt, kann auch dafür belangt werden."

Sebastian Fasthuber in Falter 48/2012 vom 30.11.2012 (S. 34)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783854526889
Erscheinungsdatum 01.08.2012
Umfang 208 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Picus Verlag
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