Connecting People
Jugendliche Flüchtlinge und ihre PatInnen erzählen

von UNICEF Österreich, Asylkoordination

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Mandelbaum
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 14/2002

Jugendliche Flüchtlinge beschreiben ihre Erfahrungen in Österreich. Ihre Alltagsgeschichten sind gar nicht alltäglich.

"Veronika kommt immer zu spät", findet Reza. "Reza ist immer (zu) pünktlich", meint Veronika. Als die beiden sich vor einem Jahr zum ersten Mal trafen, wollte Reza nicht viel reden. "Ich dachte, sie nimmt nur meine Telefonnummer und kommt dann nicht wieder." Veronika ist aber nicht nur wieder gekommen, sondern seit diesem Zeitpunkt Patin für den jungen Flüchtling aus Afghanistan. Gemeinsam mit anderen Paten und Flüchtlingen schreiben die beiden für das Buch "Connecting people. Jugendliche Flüchtlinge und ihre PatInnen erzählen".

Seit November 2000 läuft das europaweite Projekt "Connecting people". Jugendliche, die ohne Begleitung nach Österreich geflüchtet sind, bekommen einen Erwachsenen zur Seite gestellt, der sie bei der Lösung ihrer Probleme unterstützen soll. "Flüchtlinge sind oft nicht nur durch die Erlebnisse in ihrem Heimatland traumatisiert", meint Heinz Fronek von der Asylkoordination, der das Projekt betreut, "die Traumatisierung geht im Exilland weiter." Jugendliche Flüchtlinge laufen auch leichter als Erwachsene Gefahr, an Depressionen zu erkranken oder in die Kriminalität abzurutschen. Um das zu verhindern, hat Fronek "Connecting people" gestartet.

An die zwanzig Patenschaften wurden bislang übernommen. Die Paten sind genauso unterschiedlich wie die jungen Flüchtlinge. Da gibt es den emeritierten Universitätsprofessor, der sich zweier junger Afghanen angenommen hat, oder die Tagesmutter und den Controller, die sich gemeinsam um einen Burschen aus Äthiopien kümmern. "Die Geschichten dieses Buches erzählen von Menschen wie DU und ICH", schreibt der Schauspieler Otto Tausig, der sich seit Jahren für minderjährige Flüchtlinge engagiert, im Vorwort zu "Connecting people". Viele Geschichten beschreiben Alltägliches: Winterkleidung für Jugendliche besorgen, die erste eigene Wohnung gemeinsam einrichten, gemeinsam Deutsch lernen. Doch die vermeintlichen Alltagsgeschichten sind oft nicht so alltäglich. Denn stets bleibt für die Paten die Angst, dass ihr Schützling abgeschoben wird. Es drohen Kämpfe mit Behörden oder Schulprobleme.

Die Jugendlichen schreiben von der Sehnsucht nach ihrer Heimat, der Ungewissheit darüber, was mit ihrer Familie passiert ist, und über den alltäglichen Rassismus, mit dem sie in Österreich konfrontiert sind. Etwa wenn sich in der U-Bahn die Leute nicht neben Jean Paul aus Ruanda setzen wollen, weil er Afrikaner ist. Die einzelnen Geschichten erzählen aber vor allem von der Freundschaft, die zwischen den Flüchtlingen und den Paten entstanden ist.

"Connecting people" wird auch dieses Jahr weitergeführt. Während die Anmeldelisten für Paten in Wien schon seit längerem voll sind, werden für Salzburg, Linz und Graz noch Interessierte gesucht. "Man soll sich aber keine falschen Vorstellungen machen", warnt Fronek. "So ein Beziehungsaufbau ist nicht immer reibungsfrei. Da kann es auch zu Frustration kommen."

Nina Horaczek in FALTER 14/2002 vom 05.04.2002 (S. 19)


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