Erlkönig

von Olga Flor

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Steirische Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 12/2002

Olga Flor hat mit "Erlkönig" ein frostiges Familien- und Firmendrama verfasst.


Es wird nie richtig Sommer in diesem Roman. Schnee, Eis und kaltes Wasser bestimmen die klimatischen Verhältnisse. Selbst dicke Wolljacken und warme Tweed-Anzüge schützen die Figuren nicht: Die Kälte hält die Geschichte des Familienunternehmens Maier-Meienstein zusammen, von dem offen bleibt, was es eigentlich produziert. Wichtig ist, dass jedes Familienmitglied auf seine Weise von undurchsichtigen marktwirtschaftlichen Gesetzen unterjocht wird. Wie nicht anders zu erwarten, steht im Zentrum der Handlung der Generationenkonflikt zwischen dem übermächtigen Großvater und seinen Erben – die Kinder, die nicht wollen, wie sie sollen. Der behäbige Karl-Adolf, das uneheliche Kind des Gründervaters, versucht noch mit aller Kraft, das Unternehmen am Laufen zu halten, wohingegen sein Sohn Titus das ganze Repertoire der Verweigerung durchspielt: Von der politischen Revolte über zügellose Liebschaften bis zur völligen Askese – nirgendwo findet der Depressive Ruhe. Seine Mutter ist das Sinnbild einer verhätschelten Zicke. Seine Tante hat für derartige Allüren nur Spott und Häme über und treibt ihre beiden Töchter mit strenger Hand in die Verzweiflung: Barbara zieht im Alleingang ein Kind groß, sie will nichts von der Familie wissen und die Familie nichts von ihr; und Elisabeth geht den Weg der totalen Anpassung, indem sie sich bis zur Selbstaufgabe für die Belange der Firma engagiert. Als Karl-Adolf einsieht, dass die Rettung des Unternehmens in seiner Nichte Elisabeth liegen könnte, passiert das Unglück: ein Autounfall, bei dem Titus und Elisabeth ums Leben kommen.


Die 34-jährige Olga Flor legt einen über weite Strecken gut gebauten, doch wenig überraschenden Debütroman vor. Man erfährt, was man ohnedies schon weiß: Auch Kindern aus wohlhabenden Familien fällt es schwer, etwas mit ihrem Leben anzufangen. In einer unterkühlten Prosa zeigt die Autorin, dass der Unvernunft verfällt, wer stets bemüht ist, vernünftig zu sein, und dass besonders tief verwundbar ist, wer auf Unverletzbarkeit drängt. Gegen Ende kommt das aus Goethes Gedicht bekannte Motiv des Erlkönigs reichlich ungelenk ins Spiel, und einer angedeuteten inzestuösen Vergewaltigung folgt die tödliche Autofahrt: ein symbolisch überladener Schluss, der mit dem bis dahin klar strukturierten Handlungsablauf bricht. In 64 Bildern nimmt "Erlkönig" seine Figuren mit knappen Szenen und kurzen Dialogen ins Visier, sieht ihnen unsentimental beim Untergang zu. Dabei hätte es der Roman besser belassen.

Petra Rathmanner in FALTER 12/2002 vom 22.03.2002 (S. 6)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb