Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen
Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendung. Vorwort von Albert Hofmann

von Christian Rätsch

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: AT Verlag
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 12/2000

Das fast tausend Seiten dicke Lexikon ist weltweit das erste und bislang auch das einzige Werk, das die Welt der bewusstseinsbeeinflussenden Pflanzen umfassend und systematisch erschließt. Schon beim bloßen Durchblättern ist man verwundert, wie ein Einzelner so viel Wissen auf so hoch stehendem Niveau zusammentragen konnte. Neben botanischen Fakten finden sich zu jeder Pflanze ausführliche Angaben über Geschichte, Zubereitung, rituelle wie medizinische Verwendung, Inhaltsstoffe und psychogene Wirkungen. Der Erfolg der Enzyklopädie dürfte sogar den Verlag überrascht haben: Die Startauflage von 5000 Stück war bereits nach einem halben Jahr vergriffen, was bei einem Produkt mit einem Verkaufspreis von fast fünfzehnhundert Schilling nicht so oft passieren dürfte. Durch die Verbindung mit geschichtlichen Hintergründen und Bezugnahme auf Erscheinungsformen der Pflanzen in der jeweiligen Kultur liest sich das Lexikon wie ein Buch - was den einzigen Nachteil mit sich bringt, dass man schnell vergisst, wonach man ursprünglich eigentlich gesucht hat.Ursprünglich ein im Selbstverlag erschienenes Manuskript, hat es mittlerweile die 13. Auflage erreicht. Die Beschreibungen der Pflanzen sind im Wesentlichen auf Dosierungen, Wirkung und Nebenwirkungen beschränkt. Interessant sind die Erfahrungsberichte verschiedener Konsumenten zu einzelnen Pflanzen, die auch Unterschiede in der Wirkung und individuellen Wahrnehmung sichtbar machen. In einigen Fällen, wie bei der Engelstrompete, einem sehr stark halluzinogen wirkenden Nachtschattengewächs, sind die Hinweise über die Gefahren leider etwas zu marginal ausgefallen. Hans Peter Duerr bringt es in seinem Buch "Traumzeit" auf den Punkt: "Die Nachtschattengeister wollen nicht zum Spaß gerufen werden, und die Tickets, die sie austeilen, sind bisweilen einfach. Es fehlt die Rückfahrkarte.Nur Keniagras verschafft dem Rhino

im Kopf das geile Action-Kino.

Beliebt ist unter Wasserbüffeln

seit Jahr und Tag das UHU-Schnüffeln.

Begeistert gluckst das zu'ne Lama

"Törnt echt gut an, das Maiuama".

Volker Kriegel: Tierischer Drogenmissbrauch


Ist es ein Privileg der menschlichen Spezies, sich mit der Hilfe von Pilzen und Pflanzen das Bewusstsein einzutrüben bzw. zu erweitern? Oder gibt es tatsächlich so etwas wie den von Volker Kriegel herbeigedichteten tierischen Drogenmissbrauch? Der US-amerikanische Psychopharmakologe Ronald Siegel hat sich diesen Fragen aus evolutionsbiologischer Sicht angenommen und überrascht mit der Aussage, dass viele Tierarten den Umgang mit Drogen kennen. Elefanten berauschen sich an vergärendem Obst, amerikanische Schafe an einem Weidekraut namens Loco-Gras, Rentiere verfallen nach dem Verzehr von Fliegenpilzen in Ekstase, Paviane rauchen Tabak und Koalas sind von blausäurehaltigen Eukalyptusblättern körperlich abhängig. Aus der Analyse der Tierwelt entwickelt der Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften Schlussfolgerungen für den menschlichen Umgang mit Drogen: Wenn Rausch ein Grundbedürfnis wie Hunger, Durst und Sex darstellt, dann gilt es, Rauschdrogen für einen unbedenklichen Konsum zu entwickeln. Siegels Ausführungen sind gleich kompetent wie eloquent vorgetragen - und oft verblüffend. Doch um an diesen lesenswerten Text zu gelangen, muss man den völlig irreführenden Titel der deutschen Übersetzung "RauschDrogen. Sehnsucht nach dem künstlichen Paradies" (im Original: "Intoxication") ignorieren und ein gleichermaßen unpassendes Buchcover mit Pillen, Medizinfläschchen und anderen undefinierbaren Artefakten überwinden. Die offenbar vom Verlag mit dieser Verpackung anvisierte Zielgruppe besorgter Eltern und engagierter Pädagogen wird mit dem Inhalt und seinen Aussagen wohl eher wenig anzufangen wissen: "Wenn wir den Rausch als eine universelle und vollständig natürliche Erscheinung verstehen können, wenn wir die Lehren der Pflanzen und Tiere auf die bei unserer eigenen Suche gestellten Fragen anwenden können, dann muss die Gesellschaft dem Rausch in ihrem Bewusstsein einen anerkannten Platz verschaffen."

Peter Iwaniewicz in FALTER 12/2000 vom 24.03.2000 (S. 24)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

RauschDrogen (Ronald K. Siegel, Edith Saurer)
Psychoaktive Pflanzen (Bert M Schuldes)

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