Mein Leben als Schlampe

von Linda Verhaelen

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Verlag: Gerd Haffmans
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 41/2002

Linda Verhaelens "Mein Leben als Schlampe".
Es ist das Süddeutschland der Sechziger- und Siebzigerjahre, in dem die Icherzählerin von einer WG-Matratze über die nächste stolpert, frech, zickig und schlaflos, ob im Schwäbischen oder in Schwabing. Doch es sind nicht allein die großartigen Dialoge, die den Charme des Buches ausmachen, es ist die Kulisse. Verhaelen lässt die Jahre vorbeiziehen wie einen grobkörnigen Schwarz-Weiß-Film, der von lauter Uschi Obermaiers bevölkert wird und zu dem man sich als Hintergrundmusik am besten die berühmteste Liedzeile der Lassie Singers einspielt: "Nur weil wir keine Ausbildung haben, machen wir den ganzen Scheiß."die Figuren in Wolfgang Herrndorfs "In Plüschgewittern" sind aus der Zeit gefallen - spielt der Roman doch im Berlin der Jetztzeit, einem Ort, der immer schon ebenso auf der Höhe der Zeit wie anachronistisch war. Wenn man so will, ist "In Plüschgewittern" der Gegenentwurf zu Christian Krachts "Faserland": Wo Kracht die Weiten (textiler) Oberflächen auslotete, schürft Herrndorf in der Tiefe des ziellos umherirrenden Ichs. Herrndorf entwirft eine Großstadt, deren Bewohner wirken, als seien sie die letzten Menschen auf dieser Erde. Alle rennen durcheinander, und doch kommt niemand wirklich vom Fleck. Das Beste am Roman ist der Ton, dieser affirmative Sarkasmus, mit dem sofort revidiert wird, was kurz zuvor festgelegt wurde. Herrndorf zu lesen ist, als bekäme man Plüsch, den man bewundert, im nächsten Moment in den Mund gestopft. Ebenfalls ziemlich verheddert hat sich Peter Hallam aus Graham Lords Roman "Leider sehen wir uns gezwungen, Ihnen mitzuteilen (Sie sind gefeuert!)". Allerdings ist nicht Hallam selbst daran schuld, sondern sein neuer Chef, der ihn aus dem Büro mobbt. Doch nicht genug, dass er ohne Job dasteht, verliert Hallam auch noch sein Haus, seine Freunde und seine Selbstachtung, und irgendwann verlässt ihn auch die Ehefrau. Ab hier beginnt ein äußerst kurzweiliger Racheroman, der im Gegensatz zum "Grafen von Monte Christo" den Vorteil hat, dass es hier keinen Jacopo gibt, der dem Protagonisten moralische Ratschläge der Sorte "Du musst dich auf dich selbst konzentrieren" erteilt. Bei Graham Lord darf Rache einfach nur süß sein.

Verena Mayer in FALTER 41/2002 vom 11.10.2002 (S. 5)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Leider sehen wir uns gezwungen, Ihnen mitzuteilen ... (Sie sind gefeuert!) (Graham Lord)
In Plüschgewittern (Wolfgang Herrndorf)

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