Rechts gewinnt, weil Links versagt
Schlammschlachten, Selbstzerfleischung und rechte Propaganda

von Roberto J. De Lapuente

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Verlag: Westend
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Politik
Umfang: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.03.2018

Rezension aus FALTER 37/2018

Politische Schäumereien eines Bloggers

Roberto J. De Lapuente versucht sich als politischer Großanalyst und scheitert dabei nicht nur an seinen sprachlichen Unzulänglichkeiten

Es gibt politische Bücher, die nicht wegen ihres Inhalts von Belang sind, sondern weil sie für ein Symptom auf dem Buchmarkt stehen. Die Schrift des 1978 geborenen Bloggers Roberto J. De Lapuente – von einem Buch zu reden, wäre pure Übertreibung – trägt ihre Botschaft mit 34 Zeichen im Titel: „Rechts gewinnt, weil links versagt“. Die minimale Erwartung, dass De Lapuente auf immerhin 200 Seiten einige sachhaltige Belege und stichhaltige Gründe und Argumente für seine These vortragen würde, wird enttäuscht. Und das verweist auf das Symptomatische der Publikation. Sie steht für ein Produkt von Autoren, die ihr Ausdrucksvermögen wie ihren Wissenshorizont und ihr intellektuelles Profil beim Bloggen, Twittern, Posten und Liken erworben und – im Falle des Autors – erwirtschaftet haben. Bis in ihre Orthografie, Grammatik, Syntax und Metaphorik hinein tragen seine Texte den Stempel des Gefühlig-Spontanen, des Schnellgeschriebenen, Rotzig-Formulierten und Knappdurchdachten.

Das beginnt bei der Sprache. Lapuente schreibt „systematisch“, wenn er auf einen systemischen Zusammenhang hinweisen will, und verwechselt das „linke Metier“ mit dem linken Milieu, den „Exkurs“ mit dem Diskurs, die „frugale Parole“ mit der Parole Frugalität, die „europäische Fehleranfälligkeit“ mit der Fehleranfälligkeit der EU. „Gerieren“ kann sich eine Person als die oder jene, bei De Lapuente „geriert“ sich aber der Antifaschismus „zu (!) einer Respektlosigkeit gegenüber Opfern des Faschismus“ und „anders, als die Kanzlerin will“, wird bei ihm zu „anders, wie die Kanzlerin will“. Sprachliche Grobianismen in dieser Preislage finden sich im seichten Pamphlet nicht hie und da, sondern auf jeder Seite.

Gelegentlich verirrt sich der Autor in unbeabsichtigte Komik: „Wie der Schlaf der Gerechten legt sich die gesamte Gesellschaft ins Bett und ist zufrieden mit sich selbst.“ Ebenso eilfertig wie prätentiös rührt er Schlag-, Fremd- und Modewörter zu einem unverständlichen und sinnfreien Satzbrei zusammen: „Das algorithmische Langzeitgedächtnis schlägt einem Themen und Artikel vor, die maßgeschneidert scheinen, klammert jedoch Sujets außerhalb des eigenen Impetus aus.“

Die massenhaften sprachlichen Unebenheiten sind nur der Transmissionsriemen für politisch Konfuses und intellektuellen Verhältnisblödsinn. Der Autor möchte den Gründen nachgehen, warum die bundesdeutsche Gesellschaft „im Status neoliberaler Gesellschaftsformation und neuer rechter Umtriebe konserviert“ blieb nach der letzten Bundestagswahl, obwohl doch „das Terrain für einen Linksrutsch“ bestens bestellt gewesen sei. Ein sinnvolles Vorhaben. Aber die These, die Partei Die Linke hätte keinen Regierungswechsel mit herbeiführen können, weil Gruppierungen, die der Autor die „linken Linken“ oder „fundamentalistischen Linken“ nennt, das verhindert hätten, ist eine bodenlose Spekulation. Diese Grüppchen sind politisch und zahlenmäßig völlig marginale Formationen.

De Lapuente stößt sich nicht am grotesken Gefälle in seiner Erklärung für den Vormarsch der AfD und für die Verluste bzw. die Stagnation von SPD und Linkspartei: die Hartz-Reformen der rot-grünen Regierung und die Verlängerung des politischen Kurses unter der großen Koalition waren zusammen mit der Offensive des Neoliberalismus um einige Faktoren wichtiger als der von De Lapuente restlos überbewertete politische Aktionismus eines verlorenen Häufchens Linksradikaler. Der „strukturellen Linken“ rät er zu mehr „Realpolitik“ und einem Mittelweg zwischen „totaler Affirmation und Negation“. Das ist ein ziemlich biederes Ergebnis nach 200 Seiten. Platte Blog-Schäumerei.

Rudolf Walther in FALTER 37/2018 vom 14.09.2018 (S. 19)


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