Hollywood heute
Geschichte, Gender und Nation im postklassischen Kino

von Thomas Elsaesser

€ 20,50
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Verlag: Bertz und Fischer
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Musik, Film, Theater/Film
Umfang: 272 Seiten
Erscheinungsdatum: 11.03.2009

Rezension aus FALTER 42/2009

Von Blockrastern und Blockbustern

Film: Zwei neue Bücher befassen sich mit dem Stadtplan als Matrix des Erzählens und dem Kino made in Hollywood

In seiner papierenen Form hat er vielleicht bald ausgedient, der Stadtplan, den man gefaltet, mit Kugelschreibermarkierungen versehen in der Tasche mit sich trägt. Den man in fremden Städten nur ungern auspackt, weil er einen als Touristen zu erkennen gibt. Der sich bei Wind und Regen pludert, während man auf Planquadrat C7 nach dieser einen verdammten Seitenstraße sucht. Auf leisen Sohlen haben Navigationssysteme, Online-Adresssuchmaschinen und -applikationen wie Google World und Google Street View ihm den Rang abgelaufen. Insofern ist der Band "Metropolen im Maßstab. Der Stadtplan als Matrix des Erzählens in Literatur, Film und Kunst" auch als Hommage zu verstehen: In 15 Aufsätzen versammelt er Untersuchungen zur medialen Reflexion dieses unscheinbaren Gebrauchsmediums und rückt es so letztlich selbst ins Rampenlicht.

"Metropolen im Maßstab" ist der erste Band der geplanten interdisziplinären Reihe "Urbane Welten". In dem von Achim Hölter und Volker Pantenburg herausgegebenen Kompendium geht der interdisziplinäre Ansatz auf: In seinem Aufsatz "Zeit/Stadt/Plan" arbeitet Nils Plath am Beispiel von Uwe Johnsons Prosa heraus, wie sich der Machtanspruch der DDR in der willkürlichen Neugestaltung ihrer Kartografien umsetzte: "Der Ring, eine fast natürliche Bahn im Organismus des Verkehrs: zerbrochen", so Johnson in einem Zeitungstext von 1964, "die Vorortlinien (...): abgewürgt, zerschnitten, tot."
Am Beispiel der geteilten Stadt wird deutlich, wie stark die Darstellung einer Lebenswelt dem Willen der Machthaber unterliegt: Passt das Jenseits der eigenen Zone nicht ins Bild, bleibt es auf dem Papier eben weiß. Die allegorische Verwandtschaft des Mediums Stadtplan zum Medium Film drängt sich auf: die Welt in ausschnitthafter Darstellung, die im besten Fall an den Rändern (ihrer Erzählung) über sich hinausweist. Oder, um der lieben Ordnung willen, gerade das nicht darf.
Laura Frahm untersucht die alternative, filmische Kartografie der Stadt Los Angeles in Thom Andersens Essayfilm "Los Angeles Plays Itself". Volker Pantenburg gibt einen Überblick über den Einsatz von Stadtplänen in der Konzeptkunst. Und Ekkehard Knörer liest Michel de Certeaus "Kunst des Handelns" parallel zu Jacques Rivettes Paris-Spazierfilm "Le Pont du Nord". Nicht fehlen darf natürlich die Rolle des Stadtplans in Kriminalfilmen wie "M – Eine Stadt sucht einen Mörder" von Fritz Lang oder "Le Samuraï" von Jean-­Pierre Melville, denn der überdimensionale Stadtplan gehört zum Inventar jedes Filmkommissariats, "wo er Totalität von Kontrolle des städtischen Raums (suggeriert), die in der erzählten Geschichte bestätigt oder dementiert werden kann".
Lange gewartet hat man auf Thomas Elsaessers Sammelband "Hollywood heute", dessen Aufsätze im Lauf von mehreren Jahrzehnten entstanden und nur teilweise in deutscher Übersetzung erschienen sind. Als Pool moderner Alltagsmythologien nimmt der Grandseigneur der Film Studies das System Blockbuster ernst, denn "viele dieser Schlüsselfilme sind ebenso Bilderrätsel einer neuen Weltordnung wie illusionistische Spektakel des alten make believe-Hollywood".
Das "Heute" des Titels bedeutet für den Autor vor allem die späten 80er- und 90er-Jahre. Acht Beispiele des postmodernen Unterhaltungskinos stehen im Mittelpunkt der Untersuchung: von "Chinatown" (1974) von Polanski und "Die Hard" (1988) von John McTiernan über "The Silence of the Lambs" (1991) von Jonathan Demme und "Pulp Fiction" (1994) von Tarantino bis zu"Memento" (2000) von Christopher Nolan. Letzterer bildet das Zentrum des letzten Kapitels zu Mind­game-Movies, die nicht nur ihre Helden, sondern auch die Wahrnehmung des Zuschauers aufs Glatteis führen. Natürlich ist die Welle solcher Kippeffektfilme im Gefolge von "The Sixth Sense" inzwischen irgendwie vorbei. Macht aber nichts. Denn eine an- und ausbaufähige Anleitung zur intelligenten Lektüre des so oft verachteten Hollywood-Kinos bietet Elsaessers Band allemal.

Maya McKechneay in FALTER 42/2009 vom 16.10.2009 (S. 45)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Metropolen im Maßstab (Achim Hölter, Volker Pantenburg, Susanne Stemmler)

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