Arthur Gordon Pym

von Edgar Allen Poe, Hans Schmid

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Verlag: marebuchverlag
Erscheinungsdatum: 01.11.2008

Rezension aus FALTER 1-3/2009

Bestehend aus den Einzelheiten einer Meuterei und eines fürchterlichen Gemetzels an Bord der amerikanischen Brigg Grampus, auf ihrem Weg in die Süd-Meere, im Monat Juni des Jahres 1827." So hebt der Untertitel von Edgar Allan Poes (1809–1849) einzigem Roman "Arthur Gordon Pym" an, der in seiner Gesamtheit beinahe den Raum dieser Spalte füllen würde. Der düstere Symbolist, dessen Geburtstag sich am 19. Jänner zum 200. Mal jährt und dessen fantastisch-grausame Bilder von lebendig Begrabenen Generationen von Autoren und Filmern beeinflusst haben, verfolgte mit diesem – aus Geschichten für Zeitschriften entwickelten – Text eine Doppelstrategie: Einerseits unterwarf er, der ständig unter drückender Armut leidende Poet, sich hier den Konventionen des zeitgemäßen Abenteuer-, See- bzw. Entdeckerromans und fabulierte von Meutereien, Kannibalismus auf Südseeinseln und mysteriösen Schriftzeichen; andererseits wäre es jedoch nicht Poe, würde er mit den marktkonformen Bausteinen nicht sein lustvoll-perverses Spiel treiben.
Mit mutwilligen Übertreibungen karikiert Poe nicht nur seine Vorlagen (von denen er dreist abgeschrieben hat, wie die Fußnoten der liebevoll gestalteten Neuübersetzung offenlegen), sondern stellt auch die Gutgläubigkeit einer zunehmend nach sensationellen Enthüllungen gierenden Leserschaft auf die Probe. Gleiches gilt wohl für die rassistische Auffassung des Erzählers von der Minderwertigkeit dunkelhäutiger Inselvölker, die sich zudem auch als Kommentar zum Konflikt zwischen den Nord- und Südstaaten um die Sklavenproblematik lesen lassen.
Lange Zeit wurde dieser "Pym" selbst von der US-Literaturwissenschaft kleingeschrieben und als bizarres Nebenwerk Poes abgetan. Bizarr ist er in der Tat. Aber auch ein literarisches Meisterwerk, dessen gewagte Struktur auch heute noch Bewunderung abnötigt. Wie schreiben die Her­ausgeber im Vorwort: "Manch postmoderner Autor wäre sehr zufrieden mit einer solchen Konstruktion." Und über das offene Ende der Reise brüten die Forscher heute noch.

Sebastian Fasthuber in FALTER 1-3/2009 vom 16.01.2009 (S. 19)


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