Meine... alten und dreckigen Götter
Aus Siegmund Freuds Sammlung. Katalog zur Ausstellung im Freud-Museum Wien

von Lydia Marinelli

€ 50,40
Lieferung in 2-7 Werktagen

Vorwort: Inge Scholz-Strasser
Illustrationen: Alexander Rendi
Verlag: Stroemfeld
Format: Hardcover
Genre: Geschichte/Allgemeines, Lexika
Umfang: 178 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.1998

"Ich arbeite in einem großen, ruhigen Parterreraum mit Bergaussicht an der Vervollständigung meiner Traumarbeit. Meine von Dir so wenig anerkannten alten und dreckigen Götter beteiligen sich als Manuskriptbeschwerer an der Arbeit."
Sigmund Freud an Wilhelm Fließ, 1.8.1889

Die Ausstellung, die das Sigmund Freud-Museum Wien gemeinsam mit dem Freud Museum London zusammengestellt hat, präsentiert einen Querschnitt durch die Antikensammlung Sigmund Freuds. Begonnen in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts umfaßte die Sammlung bei seinem Tod an die 3000 Objekte. An seinen Biographen Stefan Zweig schreibt Freud, daß er "bei aller gerühmten Anspruchslosigkeit viel Opfer" für seine Sammlung gebracht und "eigentlich mehr Archäologie als Psychologie gelesen habe."

Freuds Antikensammlung war weit mehr als eine private Passion, betonte er doch selbst, indem er sie nur in seinen Arbeitsräumen - zunächst in der Berggasse 19, nach 1938 im Londoner Exil Maresfield Gardens 20 - aufstellte, ihre enge Beziehung zur Psychoanalyse. Den Faden durch die Ausstellung bilden die Querbezüge von Archäologie, Psychoanalyse und dem Sammeln. Vorgestellt werden Einflüsse auf Freuds Sammelleidenschaft: seine Begegnungen mit Sammlern wie dem Pariser Neurologen Jean-Martin Charcot; seine Reisen an antike Schauplätze, die ihn nach Italien und Griechenland führten; seine Freundschaft mit dem Archäologen Emanuel Löwy, der ihn beim Aufbau seiner Sammlung beriet; und seine Begeisterung für die Archäologie, die sich in seiner zweiten großen Sammlung, seiner archäologischen Bibliothek, niederschlug. Ausgehend von seiner Antikensammlung führen die archäologischen Spuren mitten in die Freudsche Arbeit. Die "so wenig anerkannten alten und dreckigen Götter" beteiligen sich an der "Traumdeutung", liefern mythologische Parallelen für psychoanalytische Konstellationen, weisen Wege, die Freud immer wieder nach Ägypten führen, wo er schließlich auf die Ursprünge der monotheistischen Religion stößt. Die Archäologie durchzieht als Metapher die Freudschen Texte und erweist sich in ihrem Zusammenspiel von Konstruktion und Rekonstruktion als rhetorisches Hilfsmittel bei der Erstellung einer Topographie der Psyche.

Rezension aus FALTER 3/1999

Für Sigmund Freud war er - nach Kopernikus - der zweite große Kränker der Menschheit. Wie Charles Darwin zu seiner ketzerischen Abstammungslehre kam, läßt sich anhand seiner Notizhefte nachvollziehen, die er zwischen den Jahren 1836 und 1842 führte. Zwei dieser Hefte liegen nun erstmals auf deutsch vor, im diesjährigen - wie immer wunderbaren - Winterbuch der Friedenauer Presse. Wundersam ist sein Inhalt: eine zwischen Wahnsinn und Genie oszillierende Flut von Spekulationen, nicht wenig davon als Frage formuliert: "Kennt der Elefant Scham?" "Sind Affen Rechtshänder?" "Mögen Orang-Utans Pfefferminzgeruch & Musik?" Dazwischen gibt es zahlreiche Erkenntnisse, die noch recht unausgegoren daherkommen: "Wie die Erektion hat die Schüchternheit gewiß sehr viel zu tun mit dem Nachdenken über sich." Aber auch die These von unserer äffischen Abstammung ist längst vorhanden: "Die Menschen haben einige Instinkte wie die Rache & die Wut . Unsere Abstammung ist demnach der Ursprung unserer bösen Leidenschaften!! Der Teufel in Gestalt des Pavian ist unser Großvater!"

Ebenfalls zurück in die Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts führt der von Lydia Marinelli herausgegebene Ausstellungskatalog "Meine alten und dreckigen Götter". Das Zitat stammt von Sigmund Freud, gemeint waren damit seine zahllosen antiken Kleinplastiken, die er in seinem Arbeitszimmer aufgestellt hatte. Entsprechend kreisen die Beiträge des prächtigen Sammelbands vor allem um die Frage, welche Rolle der Archäologie bei der Freilegung des "Unbewußten" durch Freud zukam - der das bekanntlich für die dritte große Kränkung der Menschheit hielt.

Klaus Taschwer in FALTER 3/1999 vom 22.01.1999 (S. 66)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Sind Affen Rechtshänder? (Charles Darwin, Henning Witter, Henning Witter, Henning Witter)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb