Alphabet des anarchistischen Amateurs

von Herbert Müller-Guttenbrunn, Beatrix Müller-Kampel

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Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Kunst, Literatur
Umfang: 364 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.04.2007

Rezension aus FALTER 24/2007

Satirischer Ernst

Es ist etwas Eigenes um Konferenzen! Eine Negerkonferenz tritt zusammen, und schon sind die Neger genau so blöd wie die Weißen." Sprach nicht etwa Gerhard Polt, sondern Herbert Müller-Guttenbrunn (1887–1945), ein Zeitgenosse von Karl Kraus und Außenseiter des österreichischen Literatur- und Geisteslebens, dessen Schärfe und Witz sich anhand des von Beatrix Müller-Kampel herausgegebenen "Alphabet des anarchistischen Amateurs" neu entdecken lassen. Und gleich noch einer (aus dem Jahre 1928!): "Was haben wir vom Fernsehen, wenn es uns mit dem Anblick von Arschgesichtern aus Amerika versorgt, wo unser Bedarf an solchen doch vom Inlande reichlich gedeckt wird?"
Der grimmige Satiriker, Sprachkritiker, Individualist, vegetarische Selbstversorger und Herausgeber der Zeitschrift Nebelhorn war freilich auch zu Lebzeiten kaum bekannt, wobei vielleicht auch sein Name einer breiteren Rezeption seines Werkes im Wege stand: Vater Adam Müller-Guttenbrunn war ein antisemitisch-deutschnationaler Erfolgsschriftsteller.
Seine Publikation betrieb und schrieb Müller-Guttenbrunn fast im Alleingang, seine Verehrung für Karl Kraus' Fackel mag ihn in die Nähe des Epigonalen gerückt haben. Zudem war er ein Querulant, der mit so ziemlich jedem über Kreuz war, und dessen Betrachtungen über den Menschen mitunter gar arg misanthropische Züge tragen. Einige Tage vor Kriegsende wurde er, vermutlich irrtümlich, erschossen.
Beatrix Müller-Kampel hat aus Müller-Guttenbrunns Schriften eine großzügig dimensionierte Sammlung aus Aphorismen und längeren Reflexionen zusammengetragen, die vom Geld über die Psychoanalyse bis zu Cunnilingus und der Oper ("Ich bin ein großer Freund der Musik und daher keiner der Oper") so ziemlich alles abdeckt, was einem auch heute noch zustoßen kann.
Zu viele Einträge auf einmal sollte man freilich nicht konsumieren, da sich andernfalls bald ein Gefühl der Übersättigung einstellt. Das "Alphabet" lädt vielmehr zum kursorischen Herumblättern ein. So kann man länger darüber lachen, staunen, nicken und den Kopf schütteln.

Sebastian Fasthuber in FALTER 24/2007 vom 15.06.2007 (S. 64)


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