Gefährten zur linken Hand
Roman

von George Tabori

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Verlag: Steidl
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 21/1999

Tabori-Roman: Camus auf der Flucht

Als George Tabori im November 1943 seinen zweiten Roman "Gefährten zur linken Hand" fertigstellte, war er gerade 29 Jahre alt und befand sich auf einem Flüchtlingsschiff, das rund 5000 Menschen von Nordafrika nach Liverpool brachte. Bereits ein Jahr zuvor waren britische und amerikanische Truppen in Marokko und Algerien gelandet und hatten erfolgreich die deutschen Belagerer bekämpft. Tabori, der 1935 nach London emigriert war, befand sich zu jener Zeit in Kairo, wo er als Captain Turner für die Rundfunkstation BBC mit Abhöraufgaben und Propagandasendungen betraut war.

"Companions of the Left Hand" (Originaltitel) spielt auf ein Zitat aus dem Koran an und reflektiert die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs anhand verschiedener Lebensentwürfe. Im Zentrum des Geschehens steht der 55jährige Stefan Farkas, ein Autor gefeierter Boulevard-Stücke. Farkas ist müde und ausgelaugt und flieht im Sommer 1943 aus den Wirren des Krieges in den altmodisch-beschaulichen italienischen Bade- und Kurort San Fernando, um dort Kraft zu tanken und in Erinnerungen an vergangene, glückliche Tage zu tauchen. Bald aber bleibt auch dieser entlegene Ort nicht von den politischen Kämpfen verschont, und Farkas, der stets mit gepflegt ironischer Distanz die Haltung des unbeteiligten Zuschauers einnimmt, wird sowohl in die kommunistischen Aktivitäten des Dorfes als auch in die Übergriffe der Deutschen verwickelt. Taboris Roman ist reich an literarischen Anspielungen und Vorbildern; unverkennbar sind die existentialistischen Züge, die Nähe zu Camus' "Der Fremde". Ähnlich wie bei Camus - oder auch beim frühen Hofmannsthal - bricht ins scheinbar geordnete Leben eines Menschen, der sich aus allem raushalten möchte, die soziale und politische Realität ein.

Mit "Gefährten zur linken Hand" liegen nun, rund 50 Jahre nach ihrer Entstehung, die vier wichtigsten Romane des ungarischen Schriftstellers in deutscher Übersetzung vor: Eine gute Gelegenheit, den Theaterautor Tabori auch als großen Erzähler und wichtigen Zeitzeugen kennenzulernen. Vorbild für seinen Romanhelden Stefan Farkas war übrigens der Dramatiker und Feuilletonist Franz Molnar.

Karin Cerny in FALTER 21/1999 vom 28.05.1999 (S. 60)


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