Dein ist mein ganzes Herz
Die Geschichte von Fritz Löhner-Beda, der die schönsten Lieder der Welt schrieb, und warum Hitler ihn ermorden liess

von Günther Schwarberg

€ 15,40
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Verlag: Steidl
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien
Umfang: 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.02.2000

Rezension aus FALTER 12/2000

Was hast du im Krieg gemacht, Vater? Eine Frage, die in den Sechzigerjahren als Drohung zu verstehen war, ist für den Standard-Kulturredakteur Thomas Trenkler Ausgangspunkt für die mitfühlende Rekonstruktion eines dramatischen Kapitels aus der Familiengeschichte. "Wiedersehen im Niemandsland" erzählt, was Trenklers Vater Gerhard und dessen beide Brüder im Krieg gemacht haben. Der eine kämpft in der Wehrmacht, wird gefangen genommen und verwundet; der andere wird knapp vor Kriegsende eingezogen; Gerhard, der Jüngste, verlebt die Kriegsjahre als Kapellknabe in Dresden - und überlebt die Bombenangriffe der Alliierten. Nach dem Krieg wird die deutschböhmische Familie aus ihrer Heimatstadt Reichenberg vertrieben. Trenkler hat die Geschichte akribisch recherchiert und ist um einen lakonischen Ton bemüht; der mit den Protagonisten nicht verwandte Leser hat mitunter dennoch den Eindruck, etwas zu lesen, was ihn eigentlich nichts angeht.Operette und Holocaust: Dieses gruselige Thema versucht Günther Schwarberg am Beispiel von Fritz Löhner-Beda aufzuarbeiten, einem der erfolgreichsten Kabarett- und Operettentexter im Wien der Zwanziger- und Dreißigerjahre. Die Operettenbegeisterung Hitlers und anderer Nazi-Größen bewahrte den Librettisten von Hits wie "Die Blume von Hawaii" nicht vor dem Terror: Mit dem "Prominenten-Transport Nr. 1" wird der Jude Löhner-Beda 1938 nach Dachau deportiert; im Dezember 1942 wird er in einem Auschwitz-Nebenlager erschlagen. Die nach Löhners bekanntestem Lied benannte Biografie "Dein ist mein ganzes Herz" ist leider nicht nur stilistisch wenig überzeugend ausgefallen: Bei jeder Gelegenheit schweift der Autor vom spannenden Thema ab - ohne es je gefunden zu haben.

Wolfgang Kralicek in FALTER 12/2000 vom 24.03.2000 (S. 70)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Wiedersehen im Niemandsland (Thomas Trenkler)

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