Lortzing

von Jürgen Lodemann

€ 20,10
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Verlag: Steidl
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien
Umfang: 672 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.09.2000

Rezension aus FALTER 51-52/2000

Ein Buch für Opernfreunde und trotzdem interessant: Jürgen Lodemann, verdienstvoller Literaturkritiker, Filmemacher, Schöpfer der Südwestfunk-Bestenliste und nun Unruheständler, hat ein dickes Buch einem Komponisten gewidmet, der es fürwahr nicht verdient, in uns nur als Wunschkonzertanamnese wiederzukehren. Albert Lortzing (1801-1851) ist nicht nur ein Fall für die Musikgeschichte, er gehört auch in die Literaturgeschichte, mehr noch: Diese Biografie bereichert das Bild, das man vom Vormärz hat. Es ist die Geschichte der verdrängten Kunst, der ihre Popularität schadete und derer man sich ungern erinnert.
Lodemann versteht es, die biografischen Motive reich zu instrumentieren. Er zitiert ausführlich aus den Quellen das, was auch noch heute unser Interesse weckt, er stellt eindringlich und doch ohne pathetisches Getue die oft bedrückende Situation dar, der einer, der sich aufs Komische verstand, in Deutschland ausgesetzt war. Lortzing wird auch als Textautor in seine Rechte gesetzt, dem es - zum Unterschied von Richard Wagner - gelang, in den Libretti freiwillig komisch zu sein. Geblieben ist der Publikumsliebling "Zar und Zimmermann", eine Oper, die ihre Wirkung auch heute auf der Bühne nicht verfehlt.
Der Berliner Lortzing tingelte durch Deutschlands kleine und große Bühnen, wirre Geister querten seinen Weg, in Detmold, dem Krähwinkel Deutschlands, lief ihm der große und missmutige Dramatiker Christian Dietrich Grabbe über den Weg. In Wien ist er 1848, wird Zeuge der revolutionären Ereignisse und deren sarkastischer Kommentator: "Das Burgtheater bleibt das K.K. Burgtheater. Das heißt, es leuchtet den großen Künstlern ein, dass man Louis Philippe, Metternich usw. davonjagen musste. (...) dass aber die Möglichkeit eintreten könnte, ihre Gagenzu schmälern - ein so verbrecherisches Verfahren ist ihnen nicht denkbar."
Mit gutem Grund verbindet Lodemann Lortzing mit E.T.A. Hoffmann, Heinrich Heine, Johann Nestroy, Georg Büchner, kurzum mit allem, was Rang und Namen hat, und belegt dies auch durch elegant geschriebene Interpretationen der einzelnen Opern, hoffentlich ein Anlass für Operndirektoren, den Spielplan ihrer Häuser zu revidieren.

Wendelin Schmidt-Dengler in FALTER 51-52/2000 vom 22.12.2000 (S. 88)


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