Jahrzehnt der schönen Frauen

von Rainald Goetz

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Verlag: Merve
Format: Taschenbuch
Genre: Philosophie
Umfang: ca. 216 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.03.2001

In den Interviews „Kaputt“ spricht Rainald Goetz über seine fünfbändige Gegenwartsgeschichte Heute Morgen. Die gemeinsame Arbeit an dem Westbam-Buch Mix, Cuts & Scratches, das 1997 bei Merve erschien, hat das Heute-Morgen-Projekt vorbereitet. Mit dem Jahrzehnt der schönen Frauen erscheint dazu auf der anderen Seite des Ganzen jetzt ein Abschlussband.

Rezension aus FALTER 3/2001

"Krank". So steht es im "Jahrzehnt der schönen Frauen" von Reinald Goetz, einer Nachschrift zum monumentalen Gegenwartsprojekt "Heute morgen", immer wieder geschrieben. Damit meint der ewig junge 47-Jährige jedoch weder körperliche noch geistige Krankheiten, sondern die mit seinem Schreiben verbundenen Qualen. Das Buch führt Goetz' Tagebuchidee, die eher ein Aufzeichnen der eigenen Arbeits- und medialen Rezeptionsprozesse als des "wirklichen" Lebens meint, noch einmal für die Zeit um das Millennium fort. Der Leser leidet an vielen Stellen mit - wenn er sich durch wirre, oft völlig sinnfrei wirkende Aufzeichnungen kämpfen muss. Und findet in dem ganzen Chaos doch immer wieder Stellen von großer Klarheit, auf die die fast schon programmatische Wendung "Ich verstehe es nicht / das wird als schön empfunden" zutrifft. Der zweite Teil des Buches versammelt eine Reihe von Interviews mit dem Autor, in denen sich Goetz lockerer und sehr zugänglich präsentiert.

So richtig krank ist "Der Effekt" geraten, der Debütroman von Ingo Niermann. Die Geschichte folgt einer jungen Frau bei den Nachforschungen über den Tod ihres Freundes. Der lag eines Tages nach einer Party leblos auf der Toilette, woran, wie sich herausstellt, eine Todesdroge Schuld hat. Viel passiert bei den Recherchen und Rückblenden aber nicht: Stattdessen quält Niermann den Leser mit unglaublich bedeutungsschwangeren Dialogen und einer steifen, gekünstelt düsteren Sprache. Was laut Klappentext "irritiert", macht auf Dauer krank.Vergleichsweise erholsam wirkt hingegen "Ein Brief an Hanny Porter" (nicht Harry Potter!), der zweite Roman des in Amsterdam lebenden Deutschen Thor Kunkel. Dort findet die titelgebende Protagonistin, eine ehemalige Dorfschöne mit reichem Mann und Häuschen auf Hawaii, bei der Rückkehr in ihr Ferienheim dieses verwüstet und den bitterbösen Brief einer sterbenskranken Frau vor. Worauf sich die kurzweilige, psychologisch glaubwürdig gearbeitete Geschichte einer Geiselnahme im eigenen Haus entspinnt. Schön lustig krank.

Sebastian Fasthuber in FALTER 3/2001 vom 19.01.2001 (S. 55)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Ein Brief an Hanny Porter (Thor Kunkel)

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