Sozialmanierismus

von Thomas Kapielski

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Merve
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 50/2001

... Und siehe da, erst als Autor scheint Kapielski seine wirkliche Bestimmung gefunden zu haben. Er kann launig aus seinem Leben erzählen, auf den Kulturbetrieb hinhauen und philosophische Betrachtungen anstellen. Dabei schert er sich keinen Deut um politische Korrektheit in Gedanken und Sprache, die er als Fessel empfindet: "Querbeet diese merkwürdig selbst kontrollierten, selbst regulierten Äußerungen. Der Effekt, dass öffentlich jeder nur noch bedingt schreibt und redet, was er, sagen wir mal: privat oder gedanklich vorgebracht hätte. Die mit Häme und Angst niedrig gemachte Stammtischquatscherei ist doch eigentlich der Ort öffentlicher Ehrlichkeit, egal mal, was da kommt."

Kapielski aber spricht es aus. Er zieht auch mal über Tierschützer oder in Deutschland lebende Türken her, die gerne Blut und Kultur rein halten und mit ihrer neuen Heimat nichts zu tun haben wollen, aber leise lachend die Sozialhilfe einstecken. In diesem Überschreiten von Grenzen liegt wohl einer der Gründe, warum der Mann immer noch eher unbekannt ist, seine Bücher im Theorie-Verlag Merve erscheinen müssen - und warum er trotz haushoher Überlegenheit das Wettlesen in Klagenfurt 1999 ohne Bachmann-Preis verließ.

Mittlerweile ist Kapielski fünfzig, hat Frau und einen angeheirateten Sohn. Seinem jüngsten Buch, "Sozialmanierismus", verleiht das eine neue Ebene: In vielen Passagen hat es der Leser mit einem sanfteren Menschen zu tun, der mittlerweile viel Zeit in der Wohnung verbringt. Irgendwann aber beginnt es ihn wieder zu jucken: "Man könnte es sein lassen, hat es schon sein lassen, lässt es aber lieber nicht sein, man braucht ein Fortlaufen hinaus in die Welt, man braucht seine slawischen Abende, sein Bolschoi, diese unsystematische Verausgabung, Zermürbung und Verblödung bei Vollmond und Bier, dies Sich-Blamieren, Sich-immun-Machen, sonst hätte man ja längst einen gefräßigen Krebs in Fleisch und Gemüte."

Sebastian Fasthuber in FALTER 50/2001 vom 14.12.2001 (S. 64)


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