Mamma Maria!
Familienrezepte aus Sizilien

von Cettina Vicenzino

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Christian München
Format: Hardcover
Genre: Ratgeber/Essen, Trinken/Länderküchen
Umfang: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 13.09.2013

Rezension aus FALTER 42/2009

Sprünge nach Hirschen aus Helikoptern

Kochen: Falter-Chefredakteur und Freizeitkoch Armin Thurnher stellt 17 neue Kochbücher vor

Monumental
Alexandre Dumas holte ihn Mitte des 19. Jahrhunderts als Koch in den poshen Pariser Jockey-Club. Man nannte Jules Gouffé den "Apostel der dekorativen Küche", und wer die Farbtafeln in seinem Kochbuch betrachtet, die Hummer- und Krabbenberge oder den Kalbskopf, versteht, warum: "Man nimmt einen, der Anzahl der Tischgäste angemessenen großen Kalbskopf, der sehr fett und sehr weiß sein muss (…) – schneidet jede Hälfte des Kopfes in 3 Theile, wobei man Acht gibt, das der Theil, an dem das Ohr sitzt, völlig viereckig ist, was das gefällige Ordnen auf der Auftragschüssel sehr erleichtert." Der Reprint der deutschen Ausgabe von "Die feine Küche" ist dekorativ, mit Lederrücken: imposant für die Bücherwand! Historisches Interesse groß, praktischer Nutzen eher gering.
Aufs Kochbuch angewandt, verdient den Titel Enzyklopäde keiner so sehr wie Alain Ducasse. Der geniale Franzose hat ein weltweites Restaurantimperium aufgebaut; aus seinen Lokalen bringen seine Chefs nun Rezepte für das Buch "Weltweit genießen" ein; es ist das vierte in der Reihe Ducasse'scher Enzyklopädien. Zwar sind manche Rezepte aufgrund schnöseliger Zutaten so nicht machbar. Trotzdem ein Muss für jede Kochbuchsammlung. Mit CD.

Regional
Besonders schön gemacht ist das "Esterházy Kochbuch". Es gibt historische Einblicke in den Fürstenhof der Esterházy (natürlich inklusive Haydn, dessen Frau seine Partituren als Backpapier oder Lockenwickler verwendete), erfreuliche Rezepte samt Weinempfehlungen, es ist wunderschön fotografiert und adäquat gestaltet.
Willi Haider ist ein Koch, den man mögen muss. Im Grazer Straßenmagazin Megaphon kocht der Zweihaubenkoch günstig. Seine Tätigkeit beschränkt sich auf Kurse und Publizistik: Mit Ingrid Pernkopf hat er nun die "Österreichische Vorratskammer" ausgeleuchtet. Dort findet man Erwartbares wie Marmeladen und eingelegte Gurkerln, aber auch sehr Originelles wie Kuchen im Einmachglas. Klingt seltsam, ist aber den Versuch wert: Man kann mehrere auf einmal machen, sie schmecken immer frisch, eignen sich als Mitbringsel und halten bis zu sechs Monate!
Eine eher merkwürdige Mischung bietet das "Erdäpfel-Kochbuch". Es mischt Haubenköche mit Bauern. Das wäre okay, käme es nicht ziemlich hausbacken daher und manchmal auch ungenau: "100 g Erdäpfel" als Mengenangabe zum Strudel reicht einfach nicht. Da muss man schon dazusagen, welche Sorte!

International
Die Neuseeländerin Anabel Langbein sieht gut genug aus, um ihre Bücher selbst als Model zu schmücken, und ihre Aussteigerbiografie hat sie, sagt sie, am Ende zurück in den Garten geführt, aus dem sie für die Familie Frisches kocht. "Ich fing Aale, legte Fangleinen aus und sprang auf der Suche nach wilden Hirschen aus Helikoptern." Eine neuseeländische Artemis also, aber ihr Kochbuch kommt durchaus appetitlich daher.
"Mamma Maria" klingt zu kitschig, um ganz wahr zu sein, wer aber Sizilien kennt, kennt auch den Kitsch und glaubt an ihn. Ein Familienkochbuch im Wortsinn – und dennoch keinen Hauch amateurhaft. Eine inselstämmige Designerin und Autorin besucht ihre Mamma und kocht mit ihr die Kindheit durch. Das hat was.
"La Cucina Italiana" versucht der Gefahr, Wiederholtes erneut zu wiederholen, durch gefällige Aufmachung und einen Slow-Food-Zugang zu entgehen. In der Tat sind die Zeichnungen der Engländerin Val Archer erfreulich anzusehen; aber bei einem einfachen Rezept mit sardischem Fladenbrot und Pecorino wüsste man gern, wo man das Brot herbekommt oder wie man es macht. Eher Reisebeschreibung denn Kochbuch.
Das genaue Gegenteil stellt Christian Voithofers "Mediterrane Küche" dar. Klarer Aufbau, klare Rezepte – aber viel zu grelle, uninspirierte Fotos. Einige Tricks und Anregungen lassen sich trotzdem finden.
Freunde der praktischen Reihe aus dem Christian Verlag werden auch mit diesem ihre Freude haben: "Currys & Currys" mit Huhn oder Ente, Fleisch, Fisch oder Gemüse. Jody Vassallo bietet 90 thailändische und indische Curryrezepte und ein paar wichtige Grundzutaten, sodass man selber weiterexperimentieren kann. Wie immer machen die Fotos Lust aufs Kochen.

Süß
Es musste ja so kommen. Wenn die atlantische Achse abgegrast ist, folgt das australische Bistro. Es heißt E'cco und liegt in Brisbane. Philip Johnson führt es, und er legt, erzählt er, besonderen Wert auf gepflegte Süßspeisen. Mit 100 davon tritt er den Beweis an. Wenig, allzu wenig ist originär australisch oder zumindest exotisch. Immerhin kann man einen Süßkartoffelkuchen mit Honig-Zimt-Sahne probieren.
Auch dieses Buch scheint aus dem angloamerikanischen Raum zu kommen, ist aber tatsächlich zuerst in Paris erschienen: Die Autorinnen legen bereits ihr zweites Werk zum gleichen Thema "Muffins & Cupcakes" vor. Für kleine wie große Süße!

Vegetarisch bis Vegan
Was Hobbyköchen immer Freude macht, sind Step-by-Step-Fotos. Das Buch der Inderin Vidhu Mittal ist durchgehend (!) damit ausgestattet, bietet dazu noch eine Einführung in Nahrungsmittel und Würzen sowie grundlegende Techniken – vom Vorbereiten von Gemüse bis zum Zubereiten von Naturjoghurt. Eine brauchbare, wenn auch nicht besonders inspirierte Sache.
Sandra Forster leitet Deutschlands erstes veganes Restaurant in München. Ihr Kochbuch kommt zwar äußerlich in strengem beigem Leinen daher, ist aber für die Zielgruppe durchaus brauchbar und, ja, auch kulinarisch gestaltet. Die Zielgruppe wächst – wer darüber nachdenkt, was industrialisierte Lebensmittelproduktion den Tieren antut, ist schon ein Kandidat.
Beinahe ganz vegetarisch ist das hübsche Buch "Wohlfühl-Rezepte". Und es ist besser als sein leicht nerviger Titel; allerdings kommen nicht nur Nüsse und Hülsenfrüchte in delikaten Varianten vor, sondern durchaus auch Speck und Fisch in Spurenelementen. Dennoch: eine feine Sache.

Kochschulen
Warum soll mehr vom Guten nicht noch besser sein, fragt sich Ewald Plachutta und schiebt im Jahresrhythmus Bücher auf den Markt. Er ist der Meister der No-Nonsense-Küche auf Österreichisch, ein wenig bieder, aber hausmannsdeppensicher. Der zweite Band seiner Kochschule widmet sich dem Backen, dem Pikanten – das inkludiert auch Fisch und Fleisch im Teig – und dem Süßen, wo man auch seinen Reisauflauf wieder auffrischen kann.
Lebendiger und trendiger kommt das Buch von Martina Willmann daher. Dafür sorgt der Reportagestil von Christian Seiler, der vom dürren und abschreckenden Man-nehme-Stil entlastet. Die Fotos machen Lust mitzumachen. Hier ist tatsächlich ein veritabler, lebendiger Kochkurs gelungen. Patisserierezepte fehlen, ein zweiter Band scheint also im Rohr zu sein.

Armin Thurnher in FALTER 42/2009 vom 16.10.2009 (S. 54)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Mediterrane Küche, jung und kreativ (Christian Voithofer)
Esterházy Kochbuch (Christoph Wagner)
Die feine Küche (Jules Gouffé)
Eat Fresh (Annabel Langbein)
Plachutta Kochschule 2 (Ewald Plachutta)
Die österreichische Vorratskammer (Ingrid Pernkopf, Willi Haider)
Ganz einfach Kochen lernen mit Martina Willmann (Martina Willmann, Christian Seiler)
Grand Livre de Cuisine weltweit genießen (Alain Ducasse)
Süße Lust (Philip Johnson)
Schmeckt gut, tut gut (Michel Langot, Domitille Langot)
Currys & Currys (Jody Vassallo, Deirdre Rooney)
Muffins & Cupcakes (Janet Smith)
Indien - Die neue vegetarische Küche
La Cucina Italiana (Anna DelConte)
Das Vegane Kochbuch (Sandra Forster)
Das Erdäpfel-Kochbuch aus Österreich

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