Europa

von Tim Parks

Derzeit nicht lieferbar

Übersetzung: Ulrike Becker
Übersetzung: Claus Varrelmann
Verlag: Kunstmann, A
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.1998

Ein Bus fährt von Mailand nach Straßburg. Drinnen sitzt eine lustige europäische Gesellschaft, darunter auch Jerry Marlow, der Held dieses Romans, der zusammen mit seinen Kollegen eine Petition nach Straßburg bringen will. Eigentlich aber ist er nur mitgekommen, weil der Organisator der Tour ihm freie Fahrt in einer "Bumskutsche" in Aussicht gestellt hat, zusammen mit einem Dutzend italienischer Studentinnen. Durch Tunnels und über Autobahnen durch Europa braust dieses Narrenschiff in den Zeiten des Maastricht-Vertrages, während die liebestollen Insassen sich auf Tage der Solidarität und Nächte in fremden Betten einstimmen. Ein Roman über Leidenschaft und Treulosigkeit, der die ewig neue Frage aufrollt, warum vieles zueinander passt, aber ganz gewiss nicht Frau und Mann. Tim Parks, geboren 1954 in Manchester, lebt heute mit seiner Familie in Verona und lehrt an der Universität Mailand. Er schreibt regelmäßig für den New Yorker und die New York Times, ist ein profunder Kenner Italiens, hat bisher 14 Bücher veröffentlicht und zuletzt mit dem Roman "Stille" (Kunstmann 2006) einen großen Publikumserfolg erzielt.

Rezension aus FALTER 10/1999

Auch die schöne Literatur hat das Ihre zum teilvereinigten Europa zu sagen. Der Engländer Tim Parks hat seinen Roman gleich programmatisch "Europa" genannt und einen Bus voll mit Fremdsprachenlektoren nach Straßburg geschickt. Bevor dort eine Petition eingereicht wird, hat der 45jährige Jeremy Marlowe aber noch ausführlich Gelegenheit, dem desillusionierenden Ende seiner amour fou zu einer mitreisenden Kollegin nachzusinnen. Wenn ihn seine Kumpane nicht gerade in testosterongesättigte Betrachtungen verstricken, produziert er jene mehr oder weniger banalen Syllogismen der Bitterkeit, mit denen liebesweidwunde Männer halt so um sich werfen, wenn ihnen andere Menschen die üble Laune verderben. Das ist eine Zeitlang amüsant, hält auch die ein oder andere bedenkenswerte Reflexion über das Wesen der Erinnerung bereit, geht einem in seinem permanenten Sarkasmus und Entlarvungswahn gegenüber dem "Klebstoff, der Paare und Nationen und Reisegruppen zusammenhält" aber bald auf die Nerven.

Aus ganz anderer Perspektive erzählt der im Pariser Exil lebende Rumäne Dumitru Tsepeneag seinen turbulenten Schelmenroman "Hotel Europa". Der Roman im Roman, den das Alter ego des Autors zu schreiben vorhat, gerät außer Tritt, viertrangige Nebenfiguren verfassen ganze Passagen, existieren in einem Reich zwischen Faktizität und Fiktion. Die Briefe und Wege der Protagonisten kreuzen sich, und zwischen unsystematisch eingestreuten Zeitungsmeldungen und in sinnentleerten Variationen wiederkehrenden Symbolen (Sichel, Hammer, Adler) verliert der Leser schon mal den roten Faden. Es ist freilich nur konsequent, daß der Leser/Autor als Souverän des Buches entthront wird. Schließlich ist auch die Zwangsmobilisierung, die die unüberblickbare Menge der Figuren erfaßt hat, der Souveränität des Individuums eher abträglich.

Klaus Nüchtern in FALTER 10/1999 vom 12.03.1999 (S. 70)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Hotel Europa (Dumitru Tsepeneag, Karl Riha)

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