Das neue Streiflichtbuch

von Axel Hacke

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Antje Kunstmann
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 50/2000

Schon einmal an sich sehr schön: Man geht hin und kauft sich die (wahrscheinlich) beste Tageszeitung des deutschen Sprachraums, und auf Seite 1 (auf Seite 1!), ganz links oben, wird einem Lebensessenzielles wie Folgendes mitgeteilt: "Die Ordnung der Froschlurche lässt sich in zwei Unterordnungen zergliedern, das sind die Zungenlosen und die Zungenfrösche, welche wiederum in die Starrbrustfrösche und die Schiebbrustfrösche zerfallen. Warum heißen die Schiebbrustfrösche Schiebbrustfrösche? Weil ihnen eine seitliche Verschiebung des Brustgürtels im Verhältnis zum restlichen Froschkörper möglich ist, wohingegen die Starrbrustfrösche starre Brüste haben, das heißt, ihnen ist eine seitliche Verschiebung des Brustgürtels aufgrund fest miteinander verknorpelter Brustbeinknochen verwehrt. Tja."

Tja. Einige Zeilen weiter kommt der nicht namentlich genannte Autor dann auf den Anlassfall seiner zoologischen Ausführungen zu sprechen, in diesem Fall eine bemitleidenswerte Hausfrau aus London, der beim Öffnen einer Dose Hundefutter eine Kröte (Schiebbrüstler) entgegengesprungen ist. Der Autor fügt allgemeine Verhaltensmaßregeln an: "Man sollte aber doch in Zukunft am Hundefutterregal lauschend innehalten: ein Brummen des Unwillens? Zartes Klagen? Oder kurzes, glucksendes Schreien? In diesem Fall zum Geschäftsführer." Und ganz zum Schluss das Wichtigste: "Unverheirateten Damen wird empfohlen, Konserven vor Ansetzen des Öffners zu küssen."

Ja, natürlich ist hier von der Süddeutschen Zeitung die Rede; das obige Zitat kann ja nur den Gehirnwindungen eines Streiflichtautors entsprungen sein; und - genau - es gibt jetzt (endlich) Das neue Streiflichtbuch, in welchem man die besten Glossen der Jahre 1994 bis 1999 nachlesen kann. Leise Weisheit mischt sich hier mit Absurdität, Ironie mit Melancholie, Aktualität mit Zeitlosem und "Gravitas mit Tralala", wie es einmal an anderer Stelle der SZ zu lesen war. Wirklich etwas ganz Gutes.

Stefan Ender in FALTER 50/2000 vom 15.12.2000 (S. 74)


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