Das beste aus meinem Leben
Mein Alltag als Mann

von Axel Hacke

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Antje Kunstmann
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 19/2003

Der "SZ"-Kolumnist und "Streiflicht"-Autor Axel Hacke legt den Kolumnenband "Das Beste aus meinem Leben" vor und liest in Wien.

Ein greinender und flennender Peter Handke stand eines Morgens vor der Tür von Axel Hacke, einen Packen Papier unter dem Arm geklemmt. Ein Riesending von Buch, so sprach der Dichter, habe er in mühevoller Kleinarbeit geschrieben, sanft sei der Bleistift über das Papier geglitten, allein: Keinen Titel habe er für den Wälzer. Axel Hacke, ein Freund der schönen Künste und ein wohlmeinender Mensch, hat Handke daraufhin das Wort "Niemandsbucht" gratis vermacht. Gutes Zureden fruchtete beim greinenden Dichter nichts: "Nennen Sie Ihre Schwarte ,Die Angst des Tormanns beim Elfmeter zwei' oder ,Die rechtshändige Frau'"; Handke gab dem Buch dann doch noch einen Titel à la Handke, nannte es "Mein Jahr in der Niemandsbucht" und ging froh von dannen.

Die frei erfundene Episode mit dem berühmten Dichter, der sich die berühmten Haare rauft, ist erstmals 1999 in Axel Hackes Kolumne "Das Beste aus meinem Leben" im "Magazin" der Süddeutschen Zeitung erschienen; Hacke tritt hier als der schwerreiche "Wörterhändler" auf, der Worte zum Verkauf anbietet: "Ich kaufe nur noch schöne Sachen, neulich: ,Kolossalzibömbel'. Es bedeutet nichts, einfach nur ein kleines Originalwort aus Blei, aber das kann sich ändern."

Seit sechs Jahren schreibt der Journalist und Autor Axel Hacke, 44, nunmehr seine wöchentlichen Betrachtungen für das SZ-"Magazin" - 95 dieser Kolumnen versammelt jetzt der Band "Das Beste aus meinem Leben" (nach "Auf mich hört ja keiner" von 1999 Hackes zweite Kolumnensammlung in Buchform). Vor seinem Leben als Autor ("Der kleine Erziehungsberater", 1992; "Der kleine König Dezember", 1993) und Kolumnist war Hacke von 1981 bis 2000 Reporter der Süddeutschen, zweimal wurde er mit dem renommierten Kisch-Preis ausgezeichnet. "Mein Vater war ein fanatischer Zuschauer der TV-Journalistenrunde ,Der internationale Frühschoppen'. Das war für ihn wie Kirchgang. Als Jugendlicher wollte ich auch in dieser Runde sitzen, damit mir mein Vater auch einmal so gebannt zuhört. Vielleicht bin ich deshalb auch Journalist geworden." Über 500 Mal verfasste Hacke auch das "Streiflicht", die ältesten (seit 1946), besten und berühmtesten 73 Zeilen der deutschsprachigen Zeitungslandschaft.

Eines Morgens bin ich in einem Hotel in Rostock aufgewacht", erzählt Hacke im Gespräch mit dem Falter, "ich war im deutschen Wahlkampf unterwegs, am Abend sollte ich eine Versammlung von Rechtsradikalen besuchen. Plötzlich habe ich gemerkt, dass mich diese Deppen nicht mehr so interessieren. Es gab Zeiten, da war ich elektrisiert davon, am Morgen aufzustehen und abends eine Versammlung von Rechtsradikalen zu besuchen. Das war dann einfach irgendwann vorbei. Schluss damit. Heute mache ich etwas, was mich selbst viel mehr involviert."

Aus dem schnöden Alltag, der Hackes Kolumnen zugrunde liegt, zaubert er kleine, wunderbare Geschichten. Dabei ist er keine tolle Pointenschleuder, sondern klärt etwa darüber auf, "warum ich Büffets nicht mag", stellt Betrachtungen zu einem "schimmelblauen Gorgonzola GTI" an oder hält zutrauliche Zwiesprache mit Bosch, seinem alten Kühlschrank. Was gemeinhin am Rand liegt, wird unter kuriosen Verdrehungen in den Kolumnen auch zum Mittelpunkt der Welt: Warum regnet es immer dort, wo ich Urlaub mache? Wieso nummerieren die Chinesen Gerichte?

Wie fantastisch Hackes Kolumnen sind, merkt man erst, wenn sie nicht am Platz sind: So war im Inhaltsverzeichnis vom 20. April 2001 "Das Beste aus meinem Leben" auf Seite 44 angekündigt. Dort fand sich aber, der Leser bekommt es mit der Angst zu tun, nur das Rätsel "Das Kreuz mit den Worten". Hackes Bericht aus seinem bewegten Alltag war dann auf Seite zehn doch noch zu finden. Er aß dort ein chinesisches Gericht. Nummer 153.

Wolfgang Paterno in FALTER 19/2003 vom 09.05.2003 (S. 67)


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