Viskovitz, du bist ein Tier

von Alessandro Boffa

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Verlag: Malik
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 12/1999

Einfach animalisch

Was Sie immer schon über tierischen Sex wissen wollten, aber Ihre Biologieprofessorin nie zu fragen wagten, kann nun in "Das bizarre Sexualleben der Tiere" nachgelesen werden: Beutelmäuse treiben es bis zu 24 Stunden lang (hihi), Wanderratten besorgen es ihren Partnerinnen bis zu 500mal in sechs Stunden (boah) und so weiter. Die Historchen sind alphabetisch geordnet und mit Stichworten angereichert - so kann man beispielsweise beim Eintrag "Prostitution" nachlesen, daß diese nach Ansicht des Autors auch bei bestimmten Pinguinen vorkommt. Die Weibchen würden sich die mühselige Suche nach Steinen, die sie zum Nestbau benotigen, dadurch ersparen, daß sie sich mit "Junggesellen" paarten und dafür als Gegenleistung einige Steinchen erhielten. Eine "Pinguin-Prostituierte" habe es durch solche Sexgeschäfte auf 62 Steinchen (huch) gebracht.
Michael Miersch hat schon als Koautor des reaktionären "Lexikons der Öko-Irrtümer" ein hochst verzichtbares Buch auf den Markt gebracht. Diese neue Publikation setzt mit ihrem anbiedernden Stil einen neuen Standard in der Kategorie "Unnötige Bücher des Jahres". Auf unvergleichlich elegantere Weise geht Alessandro Boffa mit dem Thema Sex im Tierreich um. Er schlüpft in die verschiedensten animalischen Identitäten und spielt gekonnt mit der Absurdität, die sich aus dem menschlichen Blickwinkel auf die Tierwelt ergibt. Als männliche Gottesanbeterin weiß er seine wertvollste Begabung, den vorzeitigen Samenerguß als notwendige Bedingung jeder wahren Liebesbeziehung mit seiner Partnerin, zu schätzen. Als Fink und Besitzer eines untergeschobenen Kuckuckseis lebt er seine väterlichen ängste aus, und als pubertierende Schnecke muß er mit der Tatsache fertig werden, daß er aus einer Familie unvollständiger Zwitter stammt. Auch wenn es der Untertitel nahelegt, sind die Texte Parabeln, die eine durch Analogieschluß zu enträtselnde allgemeine Wahrheit des menschlichen Lebens enthalten. Ein oder zwei Semester Biologie helfen zwar, die vielen feinen Witze und Anspielungen in "Viskovitz, du bist ein Tier" besser zu verstehen. Doch auch tierischen Laien ist jede Menge Lesespaß garantiert.

Peter Iwaniewicz in FALTER 12/1999 vom 26.03.1999 (S. 32)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Das bizarre Sexualleben der Tiere (Michael Miersch)

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