Irish Toffee

von Ralf Sotscheck

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Verlag: Edition Nautilus
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 26/1999

Mehr Sex als in Italien

Iren sind menschlich. Das weiß vor allem Ralf Sotscheck, der regelmäßig für die deutsche taz von der Insel berichtet und - wie ihm Kolumnisten-Kollege Harry Rowohlt (Ambassador of Irish Whiskey 1996) neidlos bescheinigt - ein Korrespondent der Extraklasse ist. Das schmale Bändchen "Irish Toffee" versammelt Sotschecks Humoresken aus jüngster Zeit: Lustiges, zuweilen Unglaubliches und trotzdem meistens Wahres. Der kontinentale Hibernophile gewinnt neue Einblicke in den Insel-alltag. Wußten Sie zum Beispiel, daß der durchschnittliche Ire mit seiner Irin circa 114mal pro Jahr verkehrt? Immerhin um ein Mal mehr als die kühlen Briten. Und ganze neun Mal mehr als die überschätzten Italiener. Obwohl die Iren viel später damit anfangen. Nämlich erst mit siebzehneinhalb. Ebenfalls interessant die Tatsache, daß 40 Prozent der einkommensschwächeren Iren noch nie etwas gegen Achselschweiß unternommen haben. Bei den wohlbestallten Paddies ist die Zahl etwas niedriger. Geld stinkt eben auch in Irland nicht.

Sotschecks Bücher eignen sich zudem prima als Reiseführer. Das beweist "Saint Patrick in der Bingohalle". Hier konzentriert sich der im Dubliner Stadtteil Glasnevin ansässige Autor in erster Linie auf Altbekanntes: Folkmusik, Pubs und Guinness. Gut gewürzt mit einer kräftigen Portion Lokalkolorit und fein abgeschmeckt mit trockenem Humor erfährt man in den einzelnen Kapiteln auch etwas über die Feinheiten des traditionellen Bingospiels nach der Sonntagsmesse, den alljährlichen Heiratsmarkt im westirischen Lisdoonvarna und Historisches über "The Great Famine", die große Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts.

Als eine Art Reiseführer könnte auch der neue Roman von Hugo Hamilton durchgehen - ein Reiseführer in die Unterwelt allerdings. Ein Krimi. "Der letzte Held von Dublin" erzählt die Geschichte von Pat Coyne. Einem Polizisten, der sich von anderen vor allem dadurch unterscheidet, daß er seinem Spitznamen, "Mr. Suicide", mit dem ihn seine Kollegen bedacht haben, alle Ehre macht. Schaudernd folgt der Leser dieser irischen Ausgabe von Dirty Harry auf einer Tour de force durch das nächtliche Dublin und lernt die Schattenseiten von Down-Town kennen. Abseits der gelackten Fassaden von Grafton Street, Trinity College und St. Stephens Green liegt viel Blei in der Luft. Da braucht es einen Mann fürs Grobe: Pat Coyne - linkisch, ignorant und engstirnig. Dublin ist in guten Händen.

Erwin Quirchmair in FALTER 26/1999 vom 02.07.1999 (S. 70)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Saint Patrick in der Bingohalle. Irische Einblicke
Der letzte Held von Dublin (Hugo Hamilton, Peter Weiermeier)

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