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Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe

von Otto Gross

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Verlag/Label: Edition Nautilus
Genre: Psychologie/Psychoanalyse
Erscheinungsdatum: 01.09.2000

"Es bleibt Otto Gross vorbehalten, von der Psychoanalyse ausgehend Schlußfolgerungen auf die >kulturellen Perspektiven der Wissenschaft< explizit zu formulieren. Den Schritt von der individuellen Neurose zum gesellschaftlichen Leid und damit auch zur Kritik an der bestehenden Gesellschaft, hat Otto Gross als erster unternommen." Emanuel Hurwitz Die Schriften des Psychoanalytikers und Anarchisten Otto Gross faszinieren noch heute, zielen seine Fragestellungen doch direkt ins Zentrum des menschlichen Erlebens. Beziehung, Sexualität, Ethik, Geschlechterdifferenz, Emanzipation der Frau sind die zentralen Themen, um die das Denken von Otto Gross kreist. Er ist der erste - lange vor Reich, Marcuse, Fromm oder R.D. Laing - der die von Freud errichteten Grenzen der "Psychoanalytischen Bewegung" überschreitet und die wissenschaftlichen Schlußfolgerungen direkt auf die Gesellschaft anwendet. Der Lebensweg von Otto Gross zeigt eine Linie auf, die weiterhin im Zentrum der gegenwärtigen Diskussion steht: die Frage der sozialen und politischen Ausrichtung der Psychoanalyse und -therapie; die Problematik antiautoritärer Erziehung sowie die Infragestellung patriarchalischer Familien- und Gesellschaftsstrukturen. Von Freud kommt die Warnung: "Wir sind Ärzte, und Ärzte wollen wir auch bleiben!" Der Vater, der "bekannte Kriminalprofessor Hans Gross", versucht, den unbotmäßigen Sohn entmündigen und in der Psychatrie internieren zu lassen. Mit Otto Gross verbindet sich nicht nur das Entstehen der Sozialpsychologie, er wurde selbst zum "Fall", zum Patienten einer kranken Gesellschaft. Otto Gross, 1877 in Österreich geboren, wird Arzt, Psychiater und Analytiker. Bricht mit dem vorgezeichneten Lebensweg, verkehrt in der Boheme und anarchistischen Kreisen. 1913 wird er auf Betreiben des Vaters entmündigt, zeitweilig interniert, schließlich durch eine von Franz Jung initiierte internationale Kampange befreit. Lebt in München, Ascona, Berlin, Wien, Prag und Budapest. Stirbt 1920 unter tragischen Umständen in Berlin.

Rezension aus FALTER 24/2001

Das Leben eines Psychoanalytikers muss ein Quantum Wahnsinn beinhalten, allein schon der Glaubwürdigkeit wegen. Übertreibung wirkt sich allerdings auch fatal aus, wie am Fall Otto Gross deutlich wird. Der 1877 in der Steiermark geborene Freud-Schüler war der Erste, der nach Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Rückkopplung der noch jungen Wissenschaftsdisziplin suchte. Seinen Aufsätzen zufolge führte die abendländische Zivilisation "Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe". Gross arbeitete empirisch. Er spielte gesellschaftliche Krankheiten im Selbstexperiment durch, bevor er sie in hastigen Notaten sezierte. So proklamierte er, dass in einer Revolution nach russischem Vorbild die Alternative läge, und die Seele des Menschen nur in einer kommunistisch-anarchistischen Gesellschaft frei atmen könne. Wie der linke Querschläger Franz Jung im "Almanach für Einzelgänger" 1961 erklärt, sei der spätere 68er-Guru Wilhelm Reich, "eine direkte Copie" seines Freundes Gross aus den Revolutionsjahren. Beide, Reich und Gross, erfahren wir weiter, wurden "im Verlauf einiger Prozesse ins Irrenhaus gesteckt".In den Jahren, die während des von Fritz und Sieglinde Mierau rekonstruierten Briefwechsels zwischen Jung und Karl Otten verstreichen, versucht der Politabenteurer und Schriftsteller vergeblich Fuß im literarischen Nachkriegsdeutschland zu fassen. Otten und Jung blicken in ihrer Korrespondenz auf ihren ebenso spektakulären wie heute vergessenen Kreis gesinnungsaktiver Bohemiens zurück - mit Gross als Vordenker und Oberchaoten. Günter Grass schaut mit seinem Lektor bei Otten vorbei, und beiden war klar: Das ideologisch-literarische Europa gehört anderen. Jung starb 1963 auch deshalb, weil er einen Krankenhausaufenthalt nicht mehr bezahlen konnte.

Martin Droschke in FALTER 24/2001 vom 15.06.2001 (S. 70)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Almanach für Einzelgänger

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