Traumschuster
Roman

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Verlag: Edition Nautilus GmbH
Genre: Belletristik
Erscheinungsdatum: 01.02.2001

".reich an Herzenswärme, Witz und Spannung."

Beim Blinzeln in die Sonne entdeckt die kleine Gemma ihre hellseherischen Gaben. "Traumschustern" nennt sie den Blick in das Flimmern, aus dem sie versucht, Erklärungen und Ratschläge für die großen und kleinen Probleme ihres Alltags zu finden.
Barbara Boys Debütroman läßt die Erinnerungen an Krieg und Nachkrieg wieder lebendig werden: die Kriegsgeschichten der Erwachsenen, das dorfgemeinschaftliche Sauerkrautstampfen, der erste schaumweiche West-Petticoat, das erste, verschluckte, West-Kaugummi, der Mauerbau, der auch die Familienbande kappt, die halblegale Beatmusik im Kulturhaus unter Aufsicht der FDJ, die aufregenden Feierlichkeiten zur Jugendweihe, die nicht ganz freiwillige Schülerarbeit in der gärtnerischen Produktionsgenossenschaft, die Ferien am Rande des Sperrgebiets und immer wiederkehrende Fluchtgedanken, die sich von heimlichen Träumereien zu ausgetüftelten Plänen auswachsen. Bis dann einer auf abenteuerliche Weise in die Tat umgesetzt wird. Barbara Boy bleibt frei von Larmoyanz oder Selbstmitleid. Der bunte Reichtum ihrer Geschichten läßt einen heiteren Grundton entstehen. Das dramatische Ende ruft gleich nach dem Lesen die Frage nach der Fortsetzung hervor.

Rezension aus FALTER 36/2001

Der Blankvers ist das klassische Metrum der deutschen Literatur. Traditionell kommt er zur Qual von Oberschülern zum Einsatz und erweckt dann im Erwachsenenalter Erinnerungen an Ungutes aus der Jugend. Ganz sicher ist das im Westteil des einst geteilten Europa so. Sollte der Blankvers im Osten libertäre Assoziationen wecken, sind wir allesamt balla-balla, und der Schriftsteller Andras Koziol muss unser neuer Kulturhauptmann sein. Um die Bewahrung des "kollektiven Gedächtnisses der geschluckten Deutschlandhälfte" geht es Koziol in seinem Epos "Frühjahre", das erhaben über den autobiografischen Strickarbeiten eines Heers neuer Ex-Ost-Autoren steht. Eine "Cut-up-Tirade aus superauthentischen Schnipseln voll mit O-Tönen von betonsicherem Wiedererkennungswert", so der Autor, wäre ein "Sündenfall in die Überzeugungssprachen der Marktgesellschaft". Konsequent und garantiert konsumentenunfreundlich hangelt sich in "Frühjahre" ein Ich in neunzehn aus fünfhebigen Jamben bestehenden Verskapiteln die Sozialisationssprossen einer roten Gesellschaft entlang, wobei es "nach der Armee" andere Menschen "nun mit andern Augen" sieht Wie gut sich Koziols O-Ton-durchwebtes Versepos liest, wird selbst Jambenverächtern auffallen, wenn er sie mit jenen Büchern vergleicht, die (auffallend häufig) von Ärztegattinnen stammen, welche kurz nach der Wende in den Westen gewechselt sind. Barbara Boy etwa, die die Tricks des literarischen Zauberns und die Technik des erzählerischen Verfälschens schlicht nicht beherrscht, erzählt ihre ganz persönliche DDR-Geschichte "Traumschuster" frei von jedem Theorieüberbau, dafür aber auch unpoetisch: Schwer war die Nachkriegskindheit in der allertiefsten Provinz, knapp waren Nahrungsmittel und Väter. Man biss sich durch und reiste, als die Zeiten besser wurden, auch mal nach Österreich. Ging wieder rüber in seine Zone. Überlegte und probierte das mit der Flucht.

Martin Droschke in FALTER 36/2001 vom 07.09.2001 (S. 50)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Frühjahre (Andreas Koziol)

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