Länder des Lachens

von Heiner Uber

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Federking & Thaler
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 11/2003

Lach dich krank

Lachen ist gesund. Beim aus Indien kommenden Lach-Yoga wird sogar ohne jeden Grund gelacht.

Es klingt wie eine lustige Runde beim Stammtisch: schallendes Gelächter, hysterische Kiekser, Gackern. Doch hier werden keine Witze erzählt, findet kein Klamauk statt. Die Leute lachen nicht, weil ihr Humorzentrum im Gehirn das so will, sondern aus rein therapeutischen Gründen. Sie machen Lach-Yoga, Lachen ist nämlich gesund. Kinder lachen etwa 400 Mal am Tag, Erwachsene haben hingegen nur noch täglich 15 Mal etwas zu lachen, zumindest statistisch betrachtet. Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen, dass regelmäßiges Lachen gut ist fürs seelische Wohlbefinden, aber auch für die Verdauung, die Lunge, für Hals- und Gesichtsmuskulatur. Lachen stärkt sogar das Immunsystem.

"Tun wir was für unser Immunsystem", sagt Seminarleiter Heiner Uber und klatscht in die Hände. Der Buchautor und ehemalige Zeit- und Geo-Journalist aus München hat bei Recherchen in Bombay den "Lachdoktor" Madan Kataria entdeckt. Der entwickelte auf Yoga basierende Übungen, verordnete seinen Patienten die Lachtherapie und hielt sie an, eigene Lachclubs zu gründen. Seit mehr als zehn Jahren boomt die Lachbewegung in Indien. Über tausend Lachvereine gibt es dort bereits. Gelacht wird in allen größeren Städten, in Parks, Kricketstadien, Fabriken und sogar Gefängnishöfen.

In Wien geht man zum Lachen noch in den Keller. Im Untergeschoß eines Seminarhauses in Gürtelnähe haben sich knapp dreißig Menschen zusammengefunden, um von Heiner Uber die Grundzüge des Lach-Yoga zu erlernen. Ärzte, Therapeuten und Selbsterfahrer mit Vornamensschildchen schleichen in dicken Workshop-Wollsocken durch den Raum, klopfen mit dem Zeigefinger der rechten Hand in die linke Handfläche, die Armbeuge oder an die Brust und schütteln sich dabei vor Lachen. "Fake it until you make it", lautet das Grundkonzept des grundlosen Yoga-Lachens.

Die Gruppe gackert mittlerweile wie die Hühner, macht mit den Armen entsprechende Bewegungen. Uber, ein kleiner Mann Anfang fünfzig mit Bauch und ohne Haar, klatscht rhythmisch in die Hände, ruft "hohoho, hahaha": Zwischen den einzelnen Lachsalven sollen sich die Seminarteilnehmer offenbar wieder einkriegen. Alle klatschen mit: "Hohoho, hahaha." Dann muss die Lachgruppe yogisch-pantomimisch Rasenmäher starten, Schneebälle werfen, mit Presslufthämmern arbeiten oder Mango-Lassi trinken, um jeweils anschließend in röhrendes Gelächter auszubrechen. Lachen ohne Grund, Prusten ohne Witz. Es wird stumm gekichert, tief gelacht und dazwischen auch geschwiegen.

Aber das ist gar nicht so einfach, denn die meisten Seminarteilnehmer sind mittlerweile in einem fast hysterischen Stadium angelangt. Da genügt schon ein kurzer Augenkontakt zum Nachbarn, um vor Lachen zu explodieren. Oder sich sogar in die Hose zu machen. Und in der Kaffeepause gibts "Gute Laune"-Tee. Ausgerechnet.

Anschließend wird an der Endorphinausschüttung in den Hirnen weitergearbeitet: "Jetzt verpassen wir uns noch mal einen richtigen Glückshormonschub", verspricht Lachbearbeiter Uber und erzählt, wie er unlängst seine Steuererklärung gemacht hat - lachend natürlich. Nicht mal fade Geschichten wie diese können die dreißig Menschen auf körpereigenen Drogen jetzt noch vom Losprusten abhalten. "Hohoho, hahaha": die Gruppe befindet sich im Lachkoma. Langsam macht sich allgemeine Erschöpfung breit, Zeit für die Ruhephase. "Manchmal dauert es Stunden, bis so eine Gruppe ausgelacht hat", sagt Uber. Die Wiener brauchen knappe zwanzig Minuten dafür.

Christopher Wurmdobler in FALTER 11/2003 vom 14.03.2003 (S. 71)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb