Schöne Leich' in Wien.
GrafiTäter und GrafiTote

von Angela Eßer

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: grafit
Erscheinungsdatum: 01.01.2008

Rezension aus FALTER 16/2008

Ein Himmel voller Doppler

Wien gibt eine dankbare Kulisse für Kriminalliteratur ab, es muss nicht einmal in die Kanalisation hinuntergehen. "Schöne Leich' in Wien" heißt ein Band mit Krimikurzgeschichten, in denen neben den Tätern und Opfern auch die Schauplätze der Stadt und das goldene Wiener Herz eine Hauptrolle spielen. Die "schöne Leich'" im Titel, die in authentischem Lokalkolorit eher als "schene" verbucht würde, lässt zu Recht vermuten: Das Buch ist keine austriakische Unternehmung. Der Grafit Verlag, in dem es erschienen ist, hat seinen Sitz im Ruhrgebiet, die Herausgeberin Angela Eßer lebt in Bayern. Die vertretenen Autoren teilen sich gleichmäßig auf Ösis und Piefkes auf, und mit Ernst Solèr hat sich immerhin ein Schweizer in den Band verirrt. Die Mischung aus Innen- und Außenansichten macht auch den Reiz der Unternehmung aus.
Die Storys führen durch alle 23 Wiener Gemeindebezirke, in der Leopoldstadt spielen gleich zwei. Der eine stammt von Ernst Hinterberger, der andere von Jürgen Kehrer, dem Autor der "Wilsberg"-Krimis im ZDF. An ihren Texten lässt sich beobachten, wie verschieden Hiesige und Gäste die Wahl der Mordkulisse anlegen. Hinterberger lässt einen Handtaschenmörder am Leopoldstädter Strich in kleinen Gassen herumstreichen; Kehrer siedelt den Showdown am Riesenrad an – ein Klischeebild, mit dem der Autor freilich zu spielen versteht.
"Schöne Leich' in Wien" ist Lektüre für zwischendurch. Wie so oft bei Anthologien ist die Qualität schwankend, himmelschreiende Blödheiten wie Nina Georges Sexkrimi "Ich mach's dir mexikanisch" (nein, die Autorin weiß auch nicht, wie das geht) sind zum Glück die Ausnahme.
Gut böse: Bei Andreas P. Pittler nimmt eine Margaretner Befreiungsbewegung den Bezirksvorsteher als Geisel; bei Sabina Naber mordet ein Immobiliennarr für die letzte freie Dachterrassenwohnung in Neubau, und bei Stefan Slupetzky wird ein Säufer von einer Dopplerflasche erschlagen: "Der Moser hat den Wein ins offene Fenster gstellt. Aber dann hat er Lust auf ein Bier gekriegt und sich in den Schanigarten gsetzt." Auch so kann man sterben in Wien.

Sebastian Fasthuber in FALTER 16/2008 vom 18.04.2008 (S. 58)


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