Terrence Malick

von Dominik Kamalzadeh, Michael Pekler

€ 20,50
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Verlag: Schüren Verlag GmbH
Genre: Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien
Umfang: 208 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.05.2013

Rezension aus FALTER 22/2013

Those were the days of miracle and wonder

Mit "To the Wonder" erreicht der große Einzelgänger des US-Kinos, Terrence Malick, einen Höhepunkt in seinem Schaffen

Wie in jedem Film von Terrence Malick gehören auch in "To the Wonder" die ersten Worte einer inneren Stimme. Diesmal der einer jungen Frau, die wir zu Beginn mit einem Mann zusammen sehen: "J'ouvre mes yeux." ("Ich öffne meine Augen.")
Die beiden sitzen in einem Zugabteil, filmen sich mit ihren Smartphones. Die leicht unscharfen Bilder erzeugen ein Gefühl von Vertrautheit und Intimität. Kurze Zeit später stehen die Liebenden am Strand vor dem berühmten Kloster Mont St. Michel. Immer wieder umkreist die Kamera die beiden. Dann geht es die steinernen Treppen hinauf und dem sogenannten Wunder entgegen: "À la merveille", hört man in diesem Augenblick die innere Stimme flüstern.

Nicht erst seit seinem preisgekrönten Lebenswerk "The Tree of Life" ist bei Malick immer wieder von der schier erdrückenden Gewalt der Bilder die Rede. Doch ist es zunehmend der Sound, der dessen Filmen ihre komplexe Struktur verleihen. Man erinnere sich an die Polyfonie der Soldatenstimmen in "The Thin Red Line", die Musik von Wagners "Rheingold" zu den Bildern amerikanischer Wildnis in "The New World" oder an Zbigniew Preisners Requiem "Lacrimosa" am Beginn der fulminanten Evolutionssequenz in "The Tree of Life".
Seit Malicks Rückkehr als Regisseur Ende der 90er-Jahre lässt sich beobachten, wie die längst zum Markenzeichen gewordenen inneren Stimmen seiner Figuren in den Vordergrund treten gegenüber jeglicher kohärenter Erzählung.
Mit "To the Wonder" ist diesbezüglich ein vorläufiger Höhepunkt erreicht: Der Film "handelt" zwar von euphorischer Verliebtheit, Entfremdung und Entzweiung, doch die Suche nach der Liebe, nach dem "unsichtbaren Etwas" offenbart sich in erster Linie in den Stimmen, Sprachen und den zahlreichen klassischen Musikstücken von Berlioz bis Tschaikowski.
Die Suche hält die Figuren in ständiger Bewegung und wird von der ebenfalls höchst mobilen Handkamera Emmanuel Lubezkis begleitet. Die Französin (Olga Kurylenko) und der Amerikaner (Ben Affleck) – wieder einmal erfährt man ihre Namen erst im Abspann – ziehen in die namenlose Heimatstadt des Mannes. Die zehnjährige Tochter der Frau leidet wie diese im Niemandsland von Oklahoma. Die Häuser sind neu und leblos, der Rasen ist kurz gemäht. Das Herumtollen ist einem Herumirren gewichen. Der stämmig wirkende Mann kann die Liebe der Frau nicht annehmen, hin und wieder sieht man ihn als Geologen bei Bodenproben durch die Gegend stapfen, die durch eine nahegelegene Industrieanlage verseucht wurde.

Der körperlichen Präsenz des Mannes – oft sieht man nur den breiten Rücken Afflecks, überraschend selten sein Gesicht – stehen die buchstäblich leichtfüßigen Bewegungen der Frau, einer ehemaligen Tänzerin, gegenüber. Doch in der Neuen Welt verwandeln sich die Schnürbänder der Ballettschuhe zu Fesseln der Vergangenheit.
Was über diesen brillanten Film noch zu schreiben wäre: Javier Bardem als an seiner Liebe zu Gott zweifelnder Priester, der sich dem Elend seiner Gemeinde zunehmend verschließt; Rachel McAdams in einer verstörend-bedeutungsvollen Episode als Jugendliebe des Mannes; und das schönste Bild einer roten Rose im Schnee, das man im Kino je gesehen hat.

Ab 31.5. in den Kinos (OF im Haydn)

Michael Pekler in FALTER 22/2013 vom 31.05.2013 (S. 26)


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