Johann Kresnik und sein Choreographisches Theater

von Uta Ackermann

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Verlag: Henschel
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 13/1999

Nach wochenlangem Vorspiel in den Medien hat am 1. April im Burgtheater "Wiener Blut" von Johann Kresnik Premiere. Der Choreograph und Regisseur ist seit drei Jahrzehnten ein Unikum des deutschen Theaters: ein Porträt des Künstlers als Kärntner, Kämpfer und Kommunist.

Wer in den vergangenen Wochen das Cafe Hummel in der Josefstädter Straße aufsuchte, konnte aus nächster Nähe beobachten, wie ein Staatsstreich ausgeheckt wurde. An einem großen Ecktisch des gutfrequentierten Lokals versammelte sich allabendlich eine lebhafte Runde, die meist bis spät in die Nacht aß und trank, lachte und diskutierte. Die Leute sahen eigentlich ganz harmlos aus. Daß sie bis in alle Einzelheiten ein heimtückisches Attentat (Codename: "Wiener Blut") vorbereiteten, konnte man ja nicht wissen.

Anführer der Bande ist ein einschlägig und mehrfach vorbestrafter Mann, der 59jährige Johann (unter Freunden: "Hans") Kresnik. Und weil Kresnik natürlich kein richtiger Untergrundkämpfer, sondern nur Theaterterrorist ist, steht seit langem fest, wann und wo das Ding steigen wird: Am 1. April hat Kresniks "Wiener Blut" im Burgtheater Premiere, und es gab wahrscheinlich noch nie eine Inszenierung, über die schon vor der ersten Vorstellung so viel bekannt war: Indiskrete Vorberichte, unzählige Kresnik-Interviews und zahlreiche groteske Presseaussendungen, in denen nach Gebißträgern, Nackttänzerinnen oder gar Kunstfurzern gefahndet wurde, haben "Wiener Blut" zum offenen Geheimnis gemacht. Die Spannung beschränkt sich vor der Uraufführung auf die Frage, ob es vielleicht doch etwas zu sehen geben wird, von dem man nichts weiß.

Zu erwarten ist unter anderem folgendes: Neun Schweine (von einem burgenländischen Biobauern) verkörpern die neun Bundesländer, Kaiserin Sisi reitet auf einem Lipizzaner ein, Herbert von Karajan singt mit greisen Sängerknaben einen Rainhard-Fendrich-Schlager ("Macho Macho"), und Richard Lugner ("Die letzte Probe war sehr gut") spielt Richard Lugner. Die Szene ist der Wiener Opernball, auf dem die Spitzen der österreichischen "Subkultur" - von Arnold Schwarzenegger bis Hans Hermann Groer, von Kurt Waldheim bis Udo Proksch, von Jack Unterweger bis Franz Fuchs - tanzen. Die von der Dramaturgin Uschi Otten zusammengestellte Collage besteht ausschließlich aus Originalzitaten der betreffenden Persönlichkeiten.

Das alles klingt ziemlich witzig, aber auch einigermaßen spekulativ. Kresnik hat einen schlechten Ruf zu verteidigen, und es sieht ganz danach aus, als wollte er die in ihn gesetzten Erwartungen (Skandal!) nach Kräften erfüllen; sogar die Empörung der üblichen Verdächtigen (Staberl, Thomas Chorherr) wirkt eher routiniert als engagiert. Aber erstens kommt es vielleicht ja doch anders, als man denkt, und zweitens ist im Vorfeld wenigstens ein Umstand bemerkenswert: Ehemalige Bundespräsidenten oder gefallene Kardinäle dürfen im Burgtheater ungestraft verhöhnt werden; bei Paula Wessely aber hört sich der Spaß auf.

Daß Kresnik die NS-Vergangenheit der heute 92jährigen Burg-Doyenne aufwärmt (Wessely spielte 1941 in dem NS-Propagandafilm "Heimkehr" mit), wird ihm übelgenommen. Die ursprünglich dafür vorgesehene Schauspielerin Barbara Petritsch legte die Rolle zurück, weil sie auch in der nächsten Spielzeit am Burgtheater engagiert ist und sich am Haus nicht unbeliebt machen wollte; die Ensemblevertretung protestierte Ende vergangener Woche in einem offenen Brief "gegen die jüngsten medialen Äußerungen Herrn Kresniks" - dieser habe Wessely mit einem "Abszeß" verglichen (gemeint ist ein Kresnik-Interview in der Presse, in dem tatsächlich das Wort "Abszeß" fällt - allerdings nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit Frau Wessely).

Der Beschuldigte selbst kann die Aufregung nicht nachvollziehen. "Warum soll man eine Frau verteidigen, die so einen Film gedreht hat? Das interessiert mich nicht", sagt Kresnik unbarmherzig. "Wer weiß, was aus Paula Wessely geworden wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?"

Künstler

Gerne erzählt Kresnik, wie in den späten sechziger Jahren viele seiner Kommilitonen aus der APO-Bewegung bei der RAF gelandet sind. "Andere hatten das Glück, da gerade nicht reinzukommen. Natürlich ist es sehr verführerisch für einen Jugendlichen, eine Waffe anzunehmen - und wenn man nur in die Luft ballert. Aber ich habe mir gedacht: Meine Waffe ist das Theater." Für ihn selbst kam bewaffneter Kampf auch deshalb nicht in Frage, weil er seit seiner Kindheit eine radikale Abneigung gegen alles Militärische hat

Es war die Flucht vor dem Einberufungbefehl, die Kresnik 1960 aus Graz, wo er gerade zu tanzen begonnen hatte, nach Deutschland geführt hat. In Köln arbeitete Kresnik als Solotänzer mit großen Choreographen wie George Balanchine oder John Cranko; dennoch wurde ihm das klassische Ballett bald zu langweilig. Im weißen Trikot über die Bühne zu hopsen und eine Partnerin "von einer Diagonale in die andere zu schleppen" machte für ihn zunehmend weniger Sinn. Draußen tobten die späten sechziger Jahre, und Kresnik wollte das wirkliche Leben auf die Bühne bringen. Für sein erstes eigenes Stück, "O sela pei" (1967), ließ er sich von Gedichten schizophrener Künstler inspirieren, die er sich von Leo Navratil aus Gugging hatte schicken lassen; das zweite Stück hieß "Paradies?" (1968) und handelte von der Studentenrevolte und dem Attentat auf Rudi Dutschke. Schon damals galt, was Kresnik noch heute behauptet: "Ich glaube, daß man mit Tanz die gleichen Geschichten erzählen kann wie mit dem Schauspiel."

1970 wurde er von Kurt Hübner an das damals legendäre Bremer Theater geholt, wo auch Regisseure wie Peter Zadek oder Peter Stein engagiert waren. Hier entwickelte Kresnik seine eigene Form von zeitgenössischem Tanztheater, die er "Choreographisches Theater" taufte. "Das entscheidend Neue oder wenigstens Auffällige und Überwältigende des Theaters von Kresnik war die geballte Ladung enthemmter Erotik, explosiver Gefühlsstaus, körperlicher Attacken: Tanz gewordene Kraftakte und Gewalttaten, die die Brutalitäten und Obszönitäten der gesellschaftlichen Wirklichkeit spiegelten", faßt der Berliner Theaterwissenschaftler Klaus Völker die Sensation Kresnik zusammen.1

Als Kresnik 1990 mit dem Berliner Theaterpreis ausgezeichnet wurde, bezeichnete der Kritiker Michael Merschmeier den Choreographen in seiner Laudatio als "Fotografen der Bundesrepublik". In "Macbeth" (Heidelberg 1988) hat Kresnik das Stern-Foto des unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommenen CDU-Politikers Uwe Barschel in der Badewanne nachgestellt; in "Ulrike Meinhof" (Bremen 1990) schloß Kresnik den RAF-Terror der siebziger Jahre mit der gerade erfolgten Wiedervereinigung kurz; in "Rosa Luxemburg" (Berlin 1993) war deutlich zu sehen, wie der RAF-Terrorist Wolfgang Grams von einem GSG-9-Beamten erschossen wird. Neben zeitgeschichtlich-politischen Themen sind es vor allem Künstlerbiografien, an denen sich Kresniks Phantasie entzündet. Die Stücke über die Schmerzensfrauen Sylvia Plath und Frida Kahlo zählen zu seinen schönsten Arbeiten; die einschlägig belasteten Künstler Ernst Jünger und Gustaf Gründgens hat er ebenso auf die Bühne gebracht wie - mehrmals - Pier Paolo Pasolini oder Antonin Artaud.

"Kresnik denkt ausschließlich in Bildern, Bewegungen und szenischen Abläufen", schreibt der FAZ-Tanzkritiker Jochen Schmidt.2 Die Nähe seines Theaters zur bildenden Kunst wird auch daran deutlich, daß er immer wieder die visuellen Welten bildender Künstler szenisch umsetzte (zuletzt hatte in Berlin "Goya" Premiere) und sich von Künstlern wie Joseph Beuys, Hans Haacke und Gottfried Helnwein Bühnenbilder gestalten ließ. Als er von der Hauptschule flog, wollte Kresnik mit seinem Klassenkollegen Franz Ringel nach Wien gehen, um Malerei zu studieren - die Mutter war dagegen, Kresnik absolvierte eine Lehre als Werkzeugschlosser. Daß er Talent hat, zeigen nicht zuletzt die Zeichnungen, die er für seine Inszenierungen anfertigt; einige sind derzeit in der Kärntner Landesgalerie ausgestellt.

Ob der Maler Kresnik eine vergleichbare Karriere gemacht hätte wie der Regisseur und Choreograph, ist allerdings fraglich. Nach festen Engagements in Bremen, Heidelberg und wieder Bremen ist Kresnik mit seiner Tanztruppe seit 1994 an der Berliner Volksbühne beheimatet, wo er neben Intendant Frank Castorf das zweite Standbein des Hauses darstellt. Darüber hinaus ist Kresnik regelmäßig in den großen Schauspielhäusern Deutschlands engagiert, hin und wieder inszeniert er eine Oper, und alle paar Jahre verläßt er Europa, um in Brasilien oder - wie im vergangenen Herbst - in Mexiko zu arbeiten.

Es ist also nicht übertrieben, wenn man Johann Kresnik als einen der bedeutendsten österreichischen Theatermacher der Nachkriegszeit bezeichnet. Umso seltsamer, daß dieser Mann fast sein ganzes Künstlerleben im benachbarten Ausland verbracht hat. In den siebziger Jahren waren im Theater an der Wien regelmäßig Kresnik-Choreographien zu sehen - Direktor Rolf Kutschera hatte für sein im Musicalbetrieb unterfordertes Ballett an den Montagen Tanzabende veranstaltet -, danach blieb es bei sporadischen Festival-Gastspielen. Bereits vor fünf Jahren, als Kresnik mit "Francis Bacon" bei "Im Puls" im Volkstheater gastierte, sprach er mit dem Falter über Kontakte zum Burgtheater: "Es gab viele Gespräche mit Peymann, aber wir verstehen uns nicht so ganz. Ich bin ein bißchen radikaler, was politisches Denken betrifft." Erst als eine Vertragsverlängerung Peymanns nicht mehr zur Debatte stand, hat's geklappt. "Er hat Schleef, Castorf und mich nicht zufällig erst im letzten Jahr hierhergeholt", vermutet Kresnik.

Kärntner

Seine Sommerurlaube verbringt Hans Kresnik daheim, in den Bergen um Bleiburg. "Kärnten ist ein wunderschönes Land, ich bin gerne da. Es wäre nur schön, wenn die Kärntner alle die Papp'n halten würden." Hier ist er Mensch, hier kann er's sein. "Er ist ein irrsinnig natürlicher Bursche", sagt der mit Kresnik befreundete Klagenfurter Autor Alexander Widner. Wenn die beiden gemeinsam Schwammerl suchen gehen oder bei einem Bauern einkehren, reden sie über alles mögliche, nur nicht über die Kunst. Widner: "Er ist ein uriger Kerl, dessen Kopf halt über das Land hinausgewachsen ist."

Im Grunde seines Herzens ist Kresnik der g'rade Hansl aus den Bergen geblieben; seine Intelligenz hat etwas von Bauernschläue, sein Denken ist manchmal vielleicht etwas naiv und eindimensional, aber immer so geradlinig und absolut, daß ihn auch berühmte Geistesgrößen ernst nehmen mußten. Mit Ernst Bloch hat Kresnik philosophiert, mit Arrabal und Beckett hat er Schach gespielt, mit Thomas Bernhard hat er geblödelt. Gegen einigen Widerstand der Einheimischen hat er in der Nähe von Bleiburg einen Grund gekauft, auf dem er ein Haus bauen will. "Er hat schon Skizzen gezeichnet", berichtet Widner. "Eine Art Arche Noah, die aus dem Berg herauswächst. Ganz unten hat er die Kirche von St. Margarethen hingezeichnet und gesagt: ,Da kann i jeden Tag in der Früh obebrunzen.'"

Kämpfer

Es gibt eine traumatische Episode im Leben des Johann Kresnik, die ihn tief geprägt haben muß (und die er nächstes Jahr zu einem Stück verarbeiten wird). Im Alter von drei Jahren mußte er mitansehen, wie sein Vater, ein Wehrmachtssoldat, von Partisanen erschossen wurde. Viel Schlimmeres kann einem Menschen nicht passieren. Entweder er zerbricht daran, oder er wird unverwundbar.

Kresnik ist ein Kämpfer, im Leben und in der Arbeit, auf der Bühne und am Biertisch. Die Szenarios für seine Stücke entstehen nicht zu Hause am Schreibtisch, sondern vor und nach der Probe in der Kantine (oder eben im Cafe Hummel). Kresnik ist ein Gesellschaftsmensch und Teamworker, der seine Leute um sich schart und sich von ihnen mit Material versorgen läßt, das er dann in Theater verwandelt. Seine Einfälle bringt er in Form von Skizzen zu Papier; am nächsten Tag wird dann auf der Bühne ausprobiert, ob und wie sie funktionieren.

Kresnik ist eine Kreativitätsmaschine, die ununterbrochen Ideen produziert, die auf den ersten Blick oft ziemlich banal erscheinen. Der Dramaturg Matthias Lilienthal, der mit Kresnik 1993 "Rosa Luxemburg" erarbeitete, erzählt in diesem Zusammenhang gern folgende Anekdote: "Wenn du Hans fragst: ,Was ist für dich ein Westdeutscher?', dann sagt er: ,Der hat in der rechten Hand einen Hamburger und in der linken Hand eine Coca-Cola-Dose.' Die Qualität von solchen zunächst denkbar dämlichen Einfällen ist, daß sie zu hochphilosophischen Bildern führen können."

Der Grazer Dramatiker Wolfgang Bauer, dessen surrealistisches Stück "Magnetküsse" Kresnik 1978 in Bremen unter dem Titel "Magnet" vertanzt hat, erinnert sich an die "ausgezeichnete Zusammenarbeit" und einen "Riesenerfolg" - fügt aber hinzu, die Inszenierung nicht verstanden zu haben. "Die Figur meines Vaters wurde von einem Japaner getanzt, der ein Hakenkreuz umgeschnallt hatte - das hat mich schon irritiert. Die Väter sind doch nicht automatisch alle Nazis!" In der Tat ist Kresniks Fähigkeit, komplexe Themen in zwingende szenische Bilder zu verwandeln, nicht nur die große Stärke seines Theaters, sondern auch dessen wunder Punkt: Wenn's schiefgeht, sind auf der Bühne nur plakative Klischeebilder zu erkennen.

Kresnik ist kein Intellektueller, sein immenser Theaterinstinkt aber verblüfft selbst engste Mitarbeiter immer wieder. Mindestens ebenso beeindruckend ist seine körperliche Fitneß. "Der Hans hat eine Kondition wie ein Wildschwein", bestätigt Alexander Widner, der mit ihm schon so manches Faß aufgemacht hat. "Ich habe ihn aber noch nie besoffen gesehen."

Die "Arbeitsgespräche" dauern nicht selten bis in die frühen Morgenstunden, und wenn sich das Team am nächsten Morgen dann verschlafen auf der Probebühne einfindet und um Kaffee bettelt, ist der Chef immer schon da und putzmunter. "Das nervt meine Mitarbeiter, daß sie um neun in der Früh schon denken müssen." Seine Konstitution führt Kresnik auf die Kindheit in den Bergen, auf seine Vergangenheit als Tänzer ("Ich war 20 Jahre Hochleistungssportler") und auf die Arbeit zurück: "Ich habe das Glück, daß ich immer mit sehr guten, intellektuellen Leuten zusammen bin, die mich lebendig halten. Der Körper gehört zum Kopf dazu."

"Er ist ein Faszinosum", sagt Lilienthal. "Eines, das einen am Arm packt - und fünf blaue Flecken von den Fingern hinterläßt. So ist Hans für mich. Und wenn seine Theaterabende gut sind, dann sind sie so ähnlich." Die Mutter des jungen deutschen Autors Moritz Rinke hat das physische Phänomen Kresnik in den siebziger Jahren in einem Satz zusammengefaßt. Sie ging auf ihn zu und sagte: "Du bist ja ein Berg!" Sohn Moritz war damals drei Jahre alt, und der Satz leuchtete ihm ein. "Gut, Hans ist ja von der Länge her nicht gerade der Größte, aber ich habe schon als Kind sofort diese riesengroße Kraft in ihm geliebt; diese unbeugsame Energie, dieses Felsenhafte, diesen Berg eben. Ich meine das auch ganz praktisch, denn ich durfte ihm als Kind immer in den Bauch boxen, ich boxte wie ein Wilder, aber Hans lachte, warf mich in die Luft, sprang mit einem Flicflac über unsere Wiese und konnte barfuß einen hart aufgepumpten Fußball siebzig Meter weit schießen."1)

Kommunist

George Tabori, der bei einer Kresnik-Aufführung vor 25 Jahren in Bremen seine Frau Ursula Höpfner kennengelernt hat, nennt ihn den "letzten Mohikaner". Für Frank Baumbauer, den Intendanten des Hamburger Schauspielhauses, ist er "einer der wenigen wirklich politischen Regisseure - da gibt's nicht mehr so viele". Und Matthias Lilienthal bewundert an ihm, "daß er eine einsame Position einnimmt, die sonst niemand mehr vertritt. Wenn man dem sagt, man will ein großes Fest für Tanztheater veranstalten, dann schlägt er vor, in Berlin eine Konferenz der KPÖ zu machen."

Noch vor kurzem wollte Kresnik, dessen Stiefvater die KP-Sektion Steiermark geleitet hatte, aus der Partei austreten. Das wurde aber einfach nicht zur Kenntnis genommen. "Und wenn man zwei- oder dreimal austreten will und niemand reagiert, gibt man auf." Überhaupt läßt es Kresnik an der ihm eigenen Konsequenz missen, wenn es um die KP geht. Einerseits hat er in seinem Stück "Hotel Lux" voriges Jahr den stalinistischen Terror gegen Emigranten in Moskau auf die Bühne gebracht. Andererseits glaubt er, "daß man diese ganzen Sachen ein bißchen vergessen soll. Man muß einen neuen Anfang machen."

Das findet auch der KPÖ-Vorsitzende Walter Baier, der stolz und glücklich ist, den verlorenen Sohn zurück in den Schoß der Partei geholt zu haben. Kresnik zahlt mittlerweile nicht nur wieder seinen Mitgliedsbeitrag, er wird auch bei den Europawahlen kandidieren. Auf die Frage, wie er sich den idealen Besucher von "Wiener Blut" vorstelle, antwortete Johann Kresnik im Presse-Interview: "Er geht aus dem Burgtheater und tritt der KPÖ bei." Walter Baier wird dafür sorgen, daß nach der Premiere Beitrittsformulare aufliegen.

Wolfgang Kralicek in FALTER 13/1999 vom 02.04.1999 (S. 22)


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