Davidstern und Lederball
Die Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball

von Dietrich Schulze-Marmeling

€ 27,70
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: Die Werkstatt
Format: Hardcover
Genre: Ratgeber/Sport/Ballsport
Umfang: 350 Seiten
Erscheinungsdatum: 10.04.2003


Rezension aus FALTER 26/2003

Ein neues Buch befasst sich mit der Geschichte des jüdischen Fußballs - auch der Hakoah-Wien.

Sicher, es war bekannt, dass es in der Geschichte des Fußballs jüdische Vereine, Spieler und Funktionäre gab - ebenso geläufig ist es dem Zeitgenossen, dass so manche Fan-"Kultur" ohne Antisemitismus und Rassismus nicht auskommt. Aber die Vielfalt und Bedeutung dieser Themen wird einem erst bewusst bei der Lektüre des soeben erschienenen Buchs "Davidstern und Lederball - die Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball".

Der eigentliche Star des Wälzers ist Hakoah-Wien, die legendäre jüdische Fußballmannschaft, die 1925 österreichischer Meister wurde. Dabei geht es nicht nur um dieses "Wunderteam" selbst, sondern um viele Querverbindungen, Spieler- und Trainer-Biographien, Erinnerungen und Mythen. Michael John charakterisiert das soziale Milieu dieses Vereins, aber auch die Assoziation, die zwischen Juden und anderen Vereinen existierten oder in der Wahrnehmung hergestellt wurden. Mathias Marschik erzählt wie die Medien auf den jüdischen Sport im Wien der Zwischenkriegszeit eingingen. Er entwickelt ein differenziertes Bild, das nicht nur antisemitische Häme, sondern auch Anerkennung und patriotische Vereinnahmung zeigt. Jüdische Sportler waren in österreichischen Nationalmannschaften vertreten; aber auch die Erfolge von Hakoah selbst, besonders das historische 5:0 auswärts gegen Westham United 1923, löste nicht nur "jüdische" Begeisterung aus.

In seinem Beitrag über Friedrich Torberg als Schriftsteller und Fußballfan gelingt Herausgeber Dietrich Schulze-Marmeling ein einfühlsames Porträt jenes Autors, der wahrscheinlich dem jüdischen Fußballsport das bleibendste Denkmal gesetzt hat. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Torberg und Mathias Sindelar, dem viel besungenen Mittelstürmer des österreichischen Wunderteams. Um dessen Selbstmord im Jahr 1938 ranken sich bis heute Kontroversen zur Frage, inwiefern diesem tragischen Ereignis eine politische Bedeutung zukommt. Jedenfalls hatte Sindelar schon über seine Zugehörigkeit zur Wiener Austria enge persönliche Beziehungen zu vielen jüdischen Sportkollegen, deren Welt durch den "Anschluss" zerstört wurde.

Erik Eggers widmet Hugo Meisl, dem Trainer der österreichischen Nationalelf, die als "Wunderteam" in die Geschichte eingegangen ist, ein eigenes Kapitel; er berichtet auch im folgenden Beitrag über dessen jüngeren Bruder, Willi Meisl, der zum "König der Sportjournalisten" avancierte. In beiden Fällen handelte es sich um assimilierte Juden, deren Engagement für den Sport nicht spezifischen "ethnischen" Motiven entsprang, die aber nichtsdestotrotz von ihrer Umwelt als Juden wahrgenommen wurden. Ähnliches gilt für Bela Guttman, jedoch in eingeschränktem Ausmaß. Denn wie W. Ludwig Tegelbeckers nachweist, war dieser "Weltenwanderer ohne Kompromiss" durch und durch sowohl Profi als auch Individualist, dem - auch in seiner Hakoah-Zeit - Erfolg und Karriere vorrangig waren. Seinen Zenit erreichte er erst als Trainer, besonders mit dem Team von Benfica Lissabon, das er in den Sechzigerjahren zweimal zum Gewinn des Titels in der Europameisterschaft führte.

John Bunzl in FALTER 26/2003 vom 27.06.2003 (S. 70)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
Warenkorb anzeigen