Kein Platz mehr

von Margit Schreiner

€ 20,60
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Verlag: Schöffling
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 176 Seiten
Erscheinungsdatum: 06.02.2018

Rezension aus FALTER 14/2018

Das Leben besteht aus Ansammeln und Entsorgen

In Zeiten des Spätkapitalismus zeigt sich die Armut im Paradoxon: Arme Leute sind dicker und müllen sich die Wohnungen zu. Mit körperlichem und innenarchitektonischem Minimalismus prunkt heute der Vertreter des Premium-Segments, zu dem Schriftstellerinnen nur in Ausnahmefällen gehören. Auch in der Wohnung der Ich-Erzählerin aus Margit Schreiners Roman „Kein Platz mehr“ ist der Bedarf an Zeug gesättigt: „Direkt nach den Schriftstellern kommen eigentlich nur noch die Messies“, konstatiert sie. Zwar führt die Ich-Erzählerin, die wohl die Autorin selbst ist, kein prekäres Leben, richtig gemütlich hat sie es aber nicht. Der Verlust von Angehörigen stellt sie vor neue Probleme – wohin nur mit all dem Graffel, das sich ganz von alleine anhäuft? Das Erbe der Eltern hat sie noch recht unsentimental entsorgt, nun wächst ihr die eigene Lebensausstattung über den Kopf und stürzt sie in eine milde Depression.
Der Inhalt des schlanken Romans ist seine Entstehung selbst und deren Bedingungen darf man sich als herausfordernd vorstellen. Konzentriert arbeiten kann die Autorin gar nicht. Platznot, Lärmbelästigung, die Unmöglichkeit der Müllentsorgung in Süditalien, das stressige Leben befreundeter Schlossbewohner, tote Pferde und einsame Esel – Schreiner hantelt sich von Problem zu Problem durch. Es gelingt ihr, aus den eigenen Neurosen und den Zipperlein des Freundeskreises feinen Witz zu gewinnen. Etwa beim Gender-Gap nach dem Pensionsschock: „Wir Frauen sind ja sowohl die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit als auch das Zu-Hause-Hocken gewohnt, nicht aber der Ehemann.“ Der Tod wiederum ist eine grundsätzliche Zumutung, aber vielleicht auch zu etwas gut („Wahrscheinlich ist der Sinn des Todes, endlich Platz zu machen“).
Bei Schreiner ist immer mit gewaltigen Abgründen unter der Oberfläche zu rechnen. Stilistisch bleibt sie sich in ihrer klaren Lakonik treu, die aufgeräumte Sprache steht in schönem Kontrast zur häuslichen Entropie. „Kein Platz mehr“ sollten sich auch Minimalisten ins Bücherregal stellen.

Dominika Meindl in FALTER 14/2018 vom 06.04.2018 (S. 34)


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