In New York

von Alban Nikolai Herbst

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Verlag: Schöffling & Co.
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 20/2000

"Ich wurde verwechselt, ich werde verwechselt, ich werde verwechselt werden." Die Figur, die dieses verzweifelt in die Welt hinausschreit, ist leer, ist Lehr. Oder Leer. Oder Ler, eine Lehrerin, ein Lehrer: Lerr, Lr. Persönlichkeit als Konstrukt, ein Schutzmechanismus, der verhindern soll, dass sich die Figur der Realität stellt. Gebrochene Figur, gebrochene Realitäten. Die Fakten lassen sich in dem fulminanten Erstling "Getötet wird keiner" des Schweizers Daniel Sebastian Saladin nicht von den Fiktionen trennen. Was macht Sinn, was ist Wahnsinn? Gewiss ist nichts. Möglich ist alles. Und das macht auch die Spannung des Romans aus. Möglich ist beispielsweise, dass man hier ein Psychogramm eines Knabenmörders vor sich hat. Möglich ist auch, dass der unter Verfolgungswahn leidende Pädophile Lehr sich bloß in die Haut des Mörders imaginiert. Möglich auch, dass Leer sich mit einer erfundenen Geschichte füllt, weil er selber keine hat.Auch der Deutsche Alban Nikolai Herbst ist dafür bekannt, dass er in seinen Büchern der Realität eine andere Welt gegenüberstellt - so auch in "In New York", einer Art fantastischem N.Y.-Führer, der sicher begeisterte Fans finden wird. Ein visionärer Architekt errichtet unter der Stadt ein "Under Manhattan". Ein erster Meilenstein soll das Konzert in der New Carnegie unter Maestro Olsen darstellen. Dieses Konzert will aber eine ominös bleibende Realistenfraktion unter allen Umständen verhindern. Zu diesem Zweck bedienen sie sich Taliskers, der pikanterweise vom Icherzähler erfunden worden ist und sich nun in dessen Gegenspieler wandelt. Im Gegensatz zu Herbst gleiten seinem Erzähler die Fäden der Geschichte aus der Hand: Talisker erschießt Olsen, sein Schlägertrupp prügelt das Ich aus dem Icherzähler, die Geschichte läuft beinahe aus dem Ruder, doch auf mirakulöse Weise findet das Konzert trotzdem statt.

Gregor Patorski in FALTER 20/2000 vom 19.05.2000 (S. 74)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Getötet wird keiner (Daniel Sebastian Saladin)

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