Die Autobiographie
Illumination and Night Glare

von Carson McCullers, Carlos L Dews

Derzeit nicht lieferbar

Übersetzung: Brigitte Walitzek
Verlag: Schöffling
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Biographien, Autobiographien
Umfang: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.08.2002

Carson McCullers, eine der bedeutendsten amerikanischen Schriftstellerinnen ihrer Generation, erlangte mit ihrem ersten Roman 'Das Herz ist ein einsamer Jäger' Weltruhm. Als das Buch erschien war sie gerade 23 Jahre alt.
An ihrem fünfzigsten Geburtstag erklärte sie in einem Interview, daß sie dabei sei, ihren Autobiographie zu schreiben: 'Ich wurde über Nacht zu einer etablierten literarischen Persönlichkeit, und ich war viel zu jung um zu verstehen, was da mit mir geschah oder welche Verantwortung damit verbunden war. Ich muß unerträglich gewesen sein.'
In ihren Erinnerungen, die sie nicht mehr vollenden konnte, schaut Carson McCullers zurück auf ihr liebevolles Elternhaus in Georgia, ihre ersten Schreibversuche, ihre turbulente Ehe, ihre Freundschaften mit Tennesse Williams, Karen Blixen, Elizabeth Bowen, Edith Sitwell und Marilyn Monroe – und nicht zuletzt auf ihre Krankheiten, die ihr Leben beeinträchtigten und vorzeitig beendeten.
Tennessee Williams schrieb über Carson McCullers: 'Carsons Herz war oft einsam, und es war ein unermüdlicher Jäger auf der Suche nach Menschen, denen sie es anbieten konnte; aber es war ein Herz, das mit einem Licht gesegnet war, das seine Schatten überstrahlte.'

Rezension aus FALTER 50/2002

In ihrer fragmentarischen Autobiografie präsentiert sich die Schriftstellerin Carson McCullers (1917-1967) als braves Südstaatenmädel.

Carson McCullers war erst 23, als 1940 ihr erster Roman erscheint, einen Sensationserfolg landet und die Provinzgöre aus den Südstaaten ins Zentrum der New Yorker Literaturszene katapultiert. Carson McCullers war erst fünfzig, als sie 1967 nach langem Leiden an den Folgen eines Schlaganfalls starb. Mehr als dreißig Jahre nach ihrem Tod ist nun ihre fragmentarische Autobiografie mit dem schlichten Titel "Die Autobiografie" in einer sorgfältig kommentierten Fassung erschienen.

"Ich wurde über Nacht zu einer etablierten literarischen Persönlichkeit, und ich war viel zu jung, um zu verstehen, was da mit mir geschah. Ich muss unerträglich gewesen sein." In diesem Tonfall erzählt Carson McCullers aus ihrem Leben: Erfrischend ehrlich, manchmal ratlos über sich selbst, aber nie selbstgefällig oder gar wehleidig. Auch der qualvolle Entstehungsprozess ihrer Autobiografie wird mit keiner Silbe erwähnt. Die Autorin war während der Arbeit an dem Buch in ihrem letzten Lebensjahr halbseitig gelähmt. Sie konnte nicht gehen, nicht schreiben, kaum lesen und diktierte die Autobiografie Wort für Wort ihrer Sekretärin - auch wenn ihr das Sprechen bereits große Mühe bereitete.

"Mein Leben war, dem Himmel sei Dank, fast vollständig ausgefüllt mit Arbeit und Liebe. Die Arbeit war nicht immer einfach, die Liebe auch nicht, wie ich hinzufügen möchte." Detailliert gibt McCullers Auskunft über ihre Arbeit, spricht ausgiebig von der "blitzartigen Erleuchtung" für ihre Romane, Kurzgeschichten und Dramen. An ihr kompliziertes Liebesleben dürfte sich die Autobiografin aber nicht besonders gern erinnert haben. Über ihre katastrophale Ehe mit dem depressiven Alkoholiker James Reeves McCullers erfährt man wenig, ihre Dreiecksbeziehung mit dem Komponisten David Diamond wird kaum erwähnt, auch ihre lesbischen Neigungen bleiben ausgeblendet.

Das Buch vermittelt eher den Eindruck, dass die mit so illustren Künstlern wie Tennessee Williams, W. H. Auden, Karen Blixen oder Marilyn Monroe befreundete Autorin im Grunde ihres Herzens ein braves, gottesfürchtiges Girl aus den Südstaaten geblieben ist. Mögen rundum ihre Freunde auch an Alkohol und Heroin zugrunde gegangen sein oder sogar - besonders gefährlich in jenen Tagen - Kommunisten gewesen sein, McCullers tut, als wäre das alles spurlos an ihr vorübergegangen. Eigentlich, so wird sie nicht müde zu wiederholen, habe sie sich im gutbürgerlichen Elternhaus am wohlsten gefühlt. Wenn sie sich von einer ihrer zahlreichen Krankheiten erholen musste - sie litt zeitlebens unter rheumatischem Fieber -, suchte sie die elterliche Südstaaten-Villa als Zufluchtsort auf.

Die Südstaaten waren für McCullers aber nicht nur Ort der Erholung, sondern auch Quelle der Inspiration. In den Kleinstädten ringen ihre übersensiblen Figuren vergeblich um Liebe und Selbstverwirklichung. Ihre Texte umkreisen die tragischen Schicksale von Außenseitern, denen es nicht gelingt, ihre Isolation zu durchbrechen. 1940 erschien ihr erster Roman "Das Herz ist ein einsamer Jäger", ihr bekanntestes Buch, "Das Mädchen Frankie", folgte sechs Jahre später und wurde 1950 erfolgreich am Broadway aufgeführt. Der Roman über Pubertätskrisen und Erwachsenwerden wurde oft mit J. D. Salingers fünf Jahre später veröffentlichtem "Fänger im Roggen" verglichen. 1967 verfilmte John Huston die Novelle "Spiegelbild im goldnen Auge" mit Marlon Brando und Liz Taylor - ein Melodram über einen schwulen Offizier.

McCullers war in den Vierziger- und Fünfzigerjahren viel beachtet, ihre späteren Texte fanden weniger Anklang. Heute wird McCullers vor allem als Autorin etwas bizarrer gothic tales aus den Südstaaten wahrgenommen. Eine Einschätzung, die die verspätete, etwas verstaubt anmutende Autobiografie eigentlich nur bestätigt: McCullers porträtiert sich lieber antiquiert als zeitgenössisch.

Petra Rathmanner in FALTER 50/2002 vom 13.12.2002 (S. 73)


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