Ich bin dann mal weg
Streifzüge durch die Pop-Kultur

von Frank Schäfer

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 12/2002

Die Popkultur ist bekanntlich längst so fragementiert, dass kein Mensch mehr ernsthaft den Anspruch stellen kann, dieses weite Feld in einem Buch nur einigermaßen vollständig zu beackern. Folglich verlegt man sich darauf, einzelne Phänomene und Szenen abzuhandeln. Gerade der sträflicherweise immer noch eher unbekannte Berliner Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf hat sich hier in den letzten Jahren mit einem breiten Programm, das von Techno-Lexika bis zu umfassenden Chroniken obskurer DDR-Bands reicht, sehr verdient um den Pop gemacht.
Jüngste Veröffentlichung des Hauses ist Frank Schäfers Reader "Ich bin dann mal weg. Streifzüge durch die Pop-Kultur". Und siehe da, ausgerechnet ein notorischer Vielschreiber, der regelmäßig Rolling Stone, taz und Titanic beliefert und in den letzten beiden Jahren fünf (!) Bücher zwischen gelungen ("Kultbücher. Von ,Schatzinsel' bis ,Pooh's Corner'") und grauenvoll ("Heavy Metal. Geschichten, Bands und Platten") produziert hat, wagt sich an einen Überblick über die dominierende Kultur der letzten drei Jahrzehnte.
Wobei das Wort "Streifzüge" im Titel schon die Richtung vorgibt: Schäfer mäandert eher durch die Welt der Schallplatten, Filme und Beat-Poeten, als dass er sie in eine Form zu bringen versucht. Er greift nur auf, was ihm Spaß macht – von AC/DC bis ZZ Top, von "Conan der Barbar" bis "Dallas" und von Bob Dylans "Tarantula" bis Rolf Dieter Brinkmanns zwar durchaus im Stil eines Fans, aber keineswegs verblendet. Ausgehend von den Neunzigerjahren arbeitet er sich so in umgekehrter Chronologie bis tief in die Siebziger zurück.
Dabei gelingt Schäfer durchaus, was er im Nachwort programmatisch anstrebt: "Ich hätte es gern, wenn sich diese sehr unterschiedlichen und verstreut publizierten Texte zu einem Bild zusammenfügten, das die drei Dekaden populärer Kultur, die hier verhandelt werden, konturiert und vielleicht sogar an ein paar Stellen richtig lebensecht darstellt."
Eines aber trübt die Lektüre empfindlich: Als vor gut 25 Jahren HipHop aufkam, hatte der Autor seine musikalische Sozialisation anscheinend längst abgeschlossen. Bei ihm regiert musikalisch die Gitarre, alles andere wird nicht einmal ignoriert. Das ist besonders merkwürdig, da der Autor gerade einmal 36 Lenze zählt. Hier ist einer früh alt geworden – oder möglicherweise schon so geboren. Zwar ist positiv zu vermerken, dass sich Schäfer nicht verstellt und Gebiete in sein Buch aufnimmt, die ihm nichts bedeuten und von denen er nichts versteht. Nur hätte er es der Siebzigerjahre belassen sollen.
Damit steht der Autor für eine ganze Generation von Pop-Hörern, deren Laufbahn als Musikfan mit den besseren Zeiten der Rolling Stones endete. Sie werden sich in diesem Buch, das nur sattsam Bekanntes thematisiert, durchaus wiederfinden. Ein jeder, der in den letzten Jahren nur ein wenig mit aktueller Popkultur in Berührung kam, wird "Ich bin dann mal weg" zunächst kurzweilig, mit fortlaufender Lektüre aber seltsam veraltet und auch ein wenig ärgerlich finden.

Sebastian Fasthuber in FALTER 12/2002 vom 22.03.2002 (S. 24)


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