Flackernde Kerzen
Erzählungen

von Toyin Adewale

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Verlag: Schmetterling Verlag
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 21/1999

Berger fährt nicht nach Zimbabwe, um sich mit der Reise einen Jugendtraum zu erfüllen. Der Schweizer Untersuchungsrichter sucht den ehemaligen Lehrer Hartmeier, der wegen Verführung einer Minderjährigen angeklagt ist. Einer Schülerin. Hartmeier hat sich vor der Verhandlung abgesetzt und im Busch eine neue Existenz aufgebaut. Während er in der afrikanischen Gleichgültigkeit seine Lebenserfüllung findet, wirkt sie auf Berger verstörend. Der spießige Held in Franco Supinos leisem Krimi "Der Gesang der Blinden" braucht das enge Lebensgefühl der Schweiz, um seine Gefühle unter Kontrolle zu wissen. Afrika, das ist eine Versuchung. Er selbst weiß am besten, daß auch in seinen Träumen appetitliche Mädchenschenkel eine Rolle spielen. Der Verlockung Zimbabwes nachzugeben, das hieße zu versuchen, die Verwirklichung dieser Träume zu erlangen.

Wie sehr solche Träume auch die afrikanischen Männer beherrschen, davon erzählt die Nigerianerin Toyin Adewale in ihrem Erzählband "Flackernde Kerzen". Bei ihr hat das Mädchen mit den appetitlichen Schenkeln einen Namen: Yelma. Gerade zwölf Jahre alt, wird sie verheiratet, und der Gatte, ganz der traditionellen Gesellschaftsordnung verpflichtet, ist nicht bereit, auf die Entjungferung noch in der Hochzeitsnacht zu verzichten. Egal, wie groß Yelmas Angst vor dem Ehebett ist. Afrika, Kontinent der Pädophilie? Toyin Adewales Geschichten zufolge überhaupt ein Kontinent der Brutalität. Beinhart realistisch berichtet die Vorsitzende des Schriftstellerinnenverbandes WRITA über Armut, Korruption und politische Willkür. Für Schöngeistigkeit und umschweifige Metaphorik ist da kein Platz. Ein Glück für Supinos treuen Familienvater Berger, auf seiner Reise wenig von Zimbabwe gesehen zu haben, das zwar geografisch weit von Nigeria entfernt sein mag, im Inneren aber viel mit dem Land an der ehemaligen Sklavenküste gemeinsam hat.

Martin Droschke in FALTER 21/1999 vom 28.05.1999 (S. 70)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Der Gesang der Blinden (Franco Supino)

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