Geständnisse eines Küchenchefs
Was Sie über Restaurants nie wissen wollten

von Anthony Bourdain, Dinka Mrkowatschki

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Blessing
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 41/2001

Man nehme Sex, Drogen und böse Jungs, gebe dazu praktische Lebenshilfe für Restaurantgänger (man meide Muscheln, billiges Sushi, Eintöpfe, Brunch) und spare vor allem nicht an Zynismus. Das Rezept klingt einfach, wird dem abgekochten Anthony Bourdain aber so schnell nicht nachgemacht werden. Als Zehnjähriger schockte der US-Amerikaner seine Familie, als er bei einem Bootsausflug eine dreckverkrustete Auster genüsslich vor aller Augen schlürfte. Statt zu studieren, jobbte der Frühbegabte als Küchenjunge. Irgendwie musste er seine Heroinsucht ja finanzieren. Dabei erlebte er die Schürzenjagd der besonderen Art, nämlich durch Kellnerinnen und weibliche Gäste. Er lernte die Freuden von Sex in der Kühlkammer kennen und wusste, wo fortan sein Platz war: in der Küche.

Bourdain ging zum CIA (Culinary Institute of America), verblüffte seine Ausbildner mit dem heimlichen Einsatz von Zellophanwürze, die er aus dem Ärmel schüttelte, und brachte es bald zum Küchenchef. Es ist der schönste Job der Welt, Abend für Abend ein paar hundert Gäste glücklich zu machen. Es ist der härteste Job der Welt mit seinen 18-Stunden-Tagen, stehend und fluchend am heißen Herd. Der Luxus draußen an den Tischen steht im krassen Gegensatz zu dem Schmuddel und Sudel an dem Ort, wo er produziert wird. Romantik Fehlanzeige, dafür jede Menge Machokram.

Mittlerweile moderiert der 45-jährige Punk-Koch freilich eine aufwendige Gastroshow, die Zutaten besorgt er in allen Teilen der Welt. Am Erstverkaufstag der deutschsprachigen Ausgabe "Geständnisse eines Küchenchefs" druckte der Spiegel ein fünfseitiges Porträt. Binnen zwei Wochen waren die ersten beiden Auflagen vergriffen. Mittlerweile geht es in der Bestsellerliste schon wieder abwärts. Wer sein Geld im Zweifel lieber ins Restaurant trägt, braucht also nicht lange aufs Taschenbuch zu warten.

Hollywood wolle sein Buch verfilmen, sagte Bourdain im Interview. Statt sich still auf die Tantiemen zu freuen, vermerkte er angewidert, wer für die Hauptrolle im Gespräch sei: ausgerechnet der softe Schönling Brad Pitt. Ein gravierenderes Problem stellt sich bei der Umsetzung in ein Drehbuch: Nach rasantem Beginn hat Bourdain sein Erzähltempo nicht halten können.

Stefan Löffler in FALTER 41/2001 vom 12.10.2001 (S. 38)


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