Die Reise nach Samosch

von Michael Zeller

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: ars vivendi
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 256 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.10.2004

Rezension aus FALTER 22/2003

Der Künstler gilt im Allgemeinen als überdurchschnittlich sensibel, es heißt, er lebt intensiver Demgemäß verwundert es nicht, dass Schriftsteller, wollen sie Lebenslinien nachzeichnen, die für eine ganze Generation gültig sind, einen Künstler als Hauptfigur wählen. Ulrike Kolbs Objekt-Artist Zott liegt im Koma, als sie ihm eine langjährige Freundin ans Krankenbett setzt. "Diese eine Nacht" hält die zeitweise Geliebte einen Monolog, in dem sie ihr und sein halbes Jahrhundert Leben rapportiert. Vera und Zott spiegeln jene Generation, der Ulrike Kolb, Jahrgang 1942, selbst angehört: geboren während des Krieges, Kindheit in der Trümmerlandschaft der Stunde null. Die Rückschau setzt in den Fünfzigerjahren ein, als sich beide erstmals begegnen. Seine Unangepasstheit gegen Moden jeder Couleur ist das Kapital seiner Kreativität. Er mag in weit weniger gesellschaftspolitische Fettnäpfchen getreten sein als sie in ihrer 68er-Phase, muss sich dafür aber gefallen lassen, im Nachhinein wie ein Patriarch alter Schule zu wirken.Bei Michael Zeller führt "Die Reise nach Samosch" in einzelnen Etappen zeitlich von 1940 bis in die Gegenwart und räumlich vom NS-Deutschland in ein EU-Europa, dessen Zentrum das in Bälde integrierte Polen bildet. Anhand einer ganzen künstlerisch hoch begabten Familiensippe entwirft der wenig bekannte Autor ein monströses historisches Panorama, das in Stil und Gewicht an die großen Werke der Gruppe 47 erinnert. Wozu dieser Aufwand, wenn Zeller - wie Kolb - zwar Zeitgeschichte als eine never ending story begreift, die Frage: Was wird morgen sein? aufwirft, die Antwort aber vorsätzlich schuldig bleibt? Um jene Sichtweisen zu korrigieren, die den Blick, den sie 1968 vielleicht noch fokussierten, heute nur noch verengen. Mehr noch als Kolb bricht Zeller ein lieb gewonnenes linkes Tabu nach dem anderen - mit seiner multikulturellen, sprich: seiner auch deutschen Wiederbelebung Schlesiens.

Martin Droschke in FALTER 22/2003 vom 30.05.2003 (S. 61)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Diese eine Nacht (Ulrike Kolb)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb