Nicht jede kalte Säge schafft es nach New York
2 CDs

von Max Goldt

€ 22,40
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Gelesen von: Max Goldt
Verlag: Hörbuch Hamburg
Format: Audio CD
Genre: Belletristik/Comic, Cartoon, Humor, Satire
Umfang: 159 Minuten
Erscheinungsdatum: 18.05.2009

Rezension aus FALTER 19/2009

In Woody Allens "Annie Hall" wird Alvy Singer mit den Niederungen der Kulturindustrie konfrontiert, als er einen alten Freund besucht und dieser gerade Lacher vom Band unter wenig witzige Szenen seiner TV-Show legt. Die wenigsten Sitcoms kommen ohne diese Spaßmarker aus, die uns anzeigen, wann es lustig sein könnte. Ganz anders verhält es sich mit den Lachern auf Max Goldts neuer CD, denn sie sind echt. Und doch sind sie mitunter ähnlich störend wie die im Fernsehen. Das Doppelalbum "Nicht jede kalte Säge kommt nach New York" mit Singlehits aus dem Kolumnenwerk dokumentiert eine Lesung Max Goldts. Wer schon einmal eine solche besucht hat, kennt das Phänomen: Die mit subtilen Sprachspielen das Absurde des Alltags einfangenden Texte werden live zu wahren Schenkelklopferhits: Wie Husten beim Klavierabend ansteckend ist, so ist hier das Lachen hochinfektiös. Das macht Spaß, wenn man mit im Saale sitzt. Hört man Goldts feingearbeitete, mit onkelhaftem Gestus vorgetragene Texte aber auf dem heimischen Sofa an, möchte man nicht von den auf Band verewigten Fans zum Mitlachen genötigt werden.
Trotz Hintergrundheiterkeit kann man aber auch hier all das schätzen, was Goldt seit je ausmacht: seine sich um eine imaginäre Achse des Banalen windenden Sprachzaubereien, die ziemlich genau den Widersprüchen unseres Daseins auf dem ­schmalen Grat zwischen Anpassung und kleiner Rebellion entspricht. Es gibt eben ein nicht geringes Bedürfnis, das Grauen des Alltags schön erklärt und die kleinen Unsinnigkeiten der Welt gerügt zu bekommen. Goldt übernimmt für uns diesen Job und lässt sich mit ganz leichter Übertreibung in die Tradition von Karl Kraus, Daniil Charms oder auch Robert Walser stellen. Seine Komik entsteht durch unangemessene Sprünge, durch sprachliche Verknüpfungen und Manierismen, durch wilde Abschweifungen. Bei Monthy Python wird eine neue Wendung mit dem Satz "And now for something completely different" angekündigt. Bei Max Goldt aber hängt immer alles mit allem anderen irgendwie zusammen, selbst die kalte Säge und das alte New York.

Ulrich Rüdenauer in FALTER 19/2009 vom 08.05.2009 (S. 19)


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