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Verlag: Haus der Architektur Graz
Genre: Kunst/Architektur
Umfang: ca. 416 Seiten
Erscheinungsdatum: 15.12.2008

Rezension aus FALTER 50/2008

"Architektur_Graz": Gut gebaut, mit Haut

Seit den wilden Sechzigerjahren positioniert sich Graz international als Architekturstadt. In den Neunzigern wandte man sich vom architektonischen Experimentieren ab, von da an galt es, Ideen und Planungsszenarien baulich umzusetzen. "Lesbar" hat diesen Wendepunkt der im Jahr 2003 – da waren Architektur und Stadtraumgestaltung gerade in aller Munde, nicht allein wegen der vielen Baustellen – im Verlag Haus der Architektur Graz erschienene Stadtraumbegleiter "Architektur_Graz" gemacht. Über 500 ab 1990 entstandene Bauwerke im gesamten Stadtgebiet wurden recherchiert, an die 120 fanden Eingang in das dokumentarische Werk. Unter Herausgeberschaft von Michael Szyszkowitz und Renate Ilsinger versuchte man, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen anhand von baulichen Interventionen sichtbar zu machen, die gebaute Umwelt als die dritte Haut des Menschen zu fassen.
2008 war nun die zweite Auflage dieser Publikation sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache ausverkauft. Um auf aktuellem Stand zu bleiben, entschied sich das HDA für eine inhaltliche Überarbeitung und Erweiterung. Dem grundsätzlichen Konzept der Publikation blieb man treu: Ein auf das Wesentliche reduziertes grafisches Konzept zieht sich durch das gesamte Werk. Die einzelnen Projekte sind in elf Rundgänge gefasst, jedem Rundgang ist ein Thema gewidmet. Die Objekte werden mittels Text, Plan und Bild dargestellt. Die planliche Darstellung überfordert den Laien, ist für Architekten jedoch aufschlussreich. Die analytisch aufgebaute Publikation wendet sich an alle Architekturinteressierten, Touristen wie auch die Grazer Bevölkerung selbst, da sie, vor allem mittels verführerischer Luftbildaufnahmen am Beginn, einlädt, über Bezirksgrenzen und allenfalls bestehende -dünkel hinwegzuschauen.
Die Recherche nach den seit 2003 entstandenen Projekten zeigte, dass innerhalb der angelegten Rundgänge Verdichtungen stattgefunden haben, in den vergangenen fünf Jahren haben architektonische Interventionen vor allem im Innenraum stattgefunden. Die Zeit ist geprägt von Umbauten, Augenmerk auf Interieurs, aber auch auf die Fassadengestaltung. Eine Vielzahl attraktiver Restaurants ist in der Zeit entstanden, öffenliche Plätze sind als vielseitig nutzbare Begegnungsräume baulich ins Zentrum gerückt. Auch private Investoren konnten überzeugt werden, an der architektonischen Gestaltung des Stadtraumes mitzuwirken, wie das Projekt der Steiermärkischen Sparkasse und des dazugehörigen Sparkassenplatzes (Szyszkowitz & Kowalski; 2006) veranschaulicht. Neuzugänge, wie das Zentrum für molekulare Biowissenschaften der Uni (Seidel, Thoma, Kummer; 2007), der Umbau der Reiterkaserne der Kunstuni (Hohensinn; 2007) oder das Chemieersatzgebäude der TU (Zinterl; Fertigstellung 2010), verdichteten die von den Universitäten geprägten Rundgänge.

Wirkliche Spannung liegt im Grazer Westen – ein Gebiet, das städtebaulich gesehen erst vor kurzer Zeit aus seinem Dornröschenschlaf geküsst wurde, hat sich mit Hilfe der Fachhochschulbauten (Byrne, Zinterl; 2005 bzw. Zinganel; 2006) und der damit einhergehenden Infrastruktur zu einem pulsierenden Stadtteil entwickelt, dessen Dynamik mittlerweile von großen privaten Unternehmen aufgenommen worden ist. Anzunehmen ist, dass der 2006 entstandene Nahverkehrsknoten Puntigam nachhaltig auch die südliche Peripherie aufwerten wird.

"Architektur_Graz" nimmt in der 3. Auflage seine geschichtsschreibende Aufgabe ernst, wirkt vielschichtig bewusstseinsbildend und identitätsstiftend. Schade ist, dass man verabsäumt hat, in dieser Neuauflage die grafische Darstellung der einzelnen Rundgänge im Stadtraum an den Beginn des Buches zu setzen, um die in den Luftaufnahmen verorteten Objekte leichter zuordnen zu können. In den Händen liegt die gewichtige, dabei praktisch kleinformatige Publikation gut und rutschfest – dank bedruckter PVC-Schutzhülle.

Petra Kohlenprath in FALTER 50/2008 vom 12.12.2008 (S. 57)


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