Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936 - 1939

von Hans Landauer, Erich Hackl

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Verlag: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 44/2003

Lexikon der Gescheiterten

65 Jahre nach Ende des spanischen Bürgerkrieges erhalten Österreichs Spanienkämpfer endlich ein Denkmal - wenn auch nur ein Papierenes.

Wien ist mit Denkmälern reich gesegnet, die große Männer und Frauen der Geschichte ehren, an epochale Ereignisse erinnern oder das Wissen um Gräueltaten wach halten, damit sich diese nie wiederholen werden. Ausreichend ist ihre Anzahl bei weitem nicht. So gibt es erst seit wenigen Wochen ein Monument, das an die rund 1.400 Österreicher erinnert, die im Spanischen Bürgerkrieg gegen Francos Faschisten gekämpft haben. Passanten wird die zentrale Erinnerungsstätte nicht aufgefallen sein, handelt es sich bei ihr um ein Buch, das nur in spezialisierten Läden präsent gehalten wird, nämlich das "Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936 - 1939". Hans Landauer, einer der Autoren, forscht seit zwanzig Jahren über die historischen und persönlichen Hintergründe, die die Freiwilligen ab 1936 zur illegalen Reise nach Spanien bewogen haben.

Landauer selbst war gerade einmal 16 Jahre alt, als er sich 1937 der XI. Internationalen Brigade anschloss. Er teilte das Schicksal zahlreicher Mitstreiter, wurde nach dem Waffenstillstand 1939 und der damit verbundenen Ausweisung der internationalen Freiwilligen in Lagern in Südfrankreich interniert, folgte dem fatalen Aufruf der KPÖ an ihre Mitglieder, in das von Hitler annektierte Österreich zurückzukehren und überlebte fast vier Jahre Haft im Konzentrationslager Dachau. Als Opfer des NS-Regimes wurde seine Bewerbung zum Kriminalbeamten bevorzugt - eine nur halbherzige Entschädigung für das erlittene Unrecht, wie er stellvertretend für alle nach der Befreiung in Österreich verbliebenen Spanien-Veteranen meint. Denn als zweite Gruppierung wurden NS-Täter bei der Suche nach Mitarbeitern für den öffentlichen Dienst bevorzugt. Der zweite Autor, Erich Hackl, hat in mehreren Romanen die Lebensläufe einzelner Spanienkämpfer verarbeitet, zuletzt in "Die Hochzeit von Auschwitz" den des Wiener Automechanikers Rudolf Friemel, der wie Hans Landauer in der XI. Internationalen Brigade kämpfte.

Dem den rund 1.400 Utopisten gewidmeten Ehrenteil, dem lexikalischen Verzeichnis aller 1936 bis 1939 auf der Seite der Republik in Spanien aktiven Österreicher, ist ein gut fünfzig Seiten dicker Aufsatz vorangestellt, der den Verlauf des Kriegs und die Konsequenz der Niederlage aus der Perspektive der Österreicher schildert. Jeder Eintrag im Lexikon enthält, soweit bekannt, Geburtsdatum, Beruf und Todesdatum sowie in Stichpunkten die wichtigsten Stationen in Spanien und den darauf folgenden Jahren der Verfolgung.

Schon allein weil der Spanische Bürgerkrieg auch eine Metapher für das tragische Scheitern der Linken im 20. Jahrhundert ist, wäre es angebracht, dass dem papierenen Denkmal Landauers und Hackls bald eines aus Stein folgt. Es würde an 1400 Österreicher erinnern, die bereit waren, für den Traum von der internationalen Solidarität der kleinen Leute ihr Leben zu geben. Blutige Grabenkämpfe hinter der Front machten der Solidarität' den Garaus. Den Rest erledigten Hitler - und auch Stalin, in dessen Regierungszeit Exekutionen von in die UdSSR emigrierten österreichischen Kämpfern fallen.

Es war ein zu schöner Traum, von dem sich die Linke 1939 unter großen Schmerzen verabschieden musste. Zu schön, als dass ihn das Jahrhundert der Barbarei hätte ertragen können.

Martin Droschke in FALTER 44/2003 vom 31.10.2003 (S. 14)


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