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Vorwort: Michael Omasta
Übersetzung: Christa Rothmeier
Verlag: SYNEMA Gesellschaft für Film und Medien
Format: Taschenbuch
Genre: Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien
Umfang: 240 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.03.2002

Das Kino im Allgemeinen, die Avantgarde und der Dokumentarfilm im Besonderen, verdanken ihm viel: Seinen ersten eigenen Film SPAZIERGANG INS BLAUE - BEZÚCELNÁ PROCHÁZKA, ein kleines Meisterwerk, drehte er 1930 als Alexander Hackenschmied in der Tschechoslowakei, seinen letzten 1986 als Alexander Hammid in Amerika. Dazwischen liegt eine bemerkenswerte Karriere als Fotograf, Filmkritiker,Ausstatter, Kameramann, Editor, Regisseur und Pionier des IMAX-Kinos. Als Hackenschmied mit CRISIS - A FILM OF THE "NAZI WAY" Stellung gegen den Faschismus bezieht, muss er 1939 in die USA emigrieren, wo er nach dokumentaristischen Propaganda-Aufträgen für das Office of War Information, mit Maya Deren, die Hammid, wie er sich nun nennt, 1942 auch heiratet, als Kameramann an jenen Filmen zusammenarbeitet, die wie MESHES OF THE AFTERNOON die Avantgardebewegung nachhaltig prägen werden.
"Tribute to Sasha" zeichnet Leben und Werk von Alexander "Sasha" Hammid (1907-2004) nach. Mit Beiträgen und Tributes von Miriam Arsham, James Benning, Michal Bregant, Loren Cocking, Stefan Grissemann, Eva Hohenberger, Michael Loebenstein, Brigitte Mayr, Michael Omasta, D.A. Pennebaker, Bayley Silleck, Douglas Slocombe und Amos Vogel sowie Schriften zum Film von Alexander Hackenschmied, einem Gespräch mit Alexander Hammid und einer kommentierten Biblio- und Filmografie. (Texte deutsch und englisch)

Rezension aus FALTER 41/2002

Ein von Michael Omasta herausgegebener Sammelband würdigt das Schaffen des bald 95-jährigen, von den Nazis vertriebenen Foto- und Filmavantgardisten Alexander "Sasha" Hammid, vormals Hackenschmied.

Eine Aufgabe der Filmgeschichtsschreibung ist es, historische Lücken zu schließen, und das gilt ganz besonders da, wo die exilierten Filmschaffenden betroffen sind - jene Verfolgten des Naziregimes, deren Karrieren durch die erzwungene Flucht unvorhergesehene Verläufe und Wendungen nahmen. Alexander Hammid, ursprünglich Hackenschmied, geboren 1907 in Linz, aufgewachsen im tschechischen Chrudim, gehört fraglos zu ihnen. Er ist indes, wenn überhaupt, eher als Fotograf denn als Filmemacher bekannt geworden - und in beiden Gebieten vor allem als Avantgardist, was einen Künstler in der Regel nicht populärer macht.

Gegen das Vergessen richtet sich der Sammelband "Tribute to Sasha", der sich dem weniger bekannten Teil des Gesamtwerks, nämlich der Filmarbeit von Alexander Hammid, widmet und vom Falter-Filmredakteur und Filmhistoriker Michael Omasta herausgegeben wurde: Den liebevollen Respekt, mit dem der Autor sich seinem inzwischen bald 95-jährigen Gesprächspartner zuwendet, verrät bereits der Titel des sorgfältig edierten Bandes.

Die gleiche Haltung prägt auch das lange Interview, das Omasta per E-Mail geführt und im englischsprachigen Original belassen hat. Mal mehr, mal weniger systematisch zeichnet es Hammids Karriere nach, die um 1930 im Umfeld der Prager Avantgarde begann und ihn über London in die USA führte. Dort wurde er am ehesten noch als Arbeits- und Lebenspartner von Maya Deren bekannt, obwohl der größte Teil seines Werks aus Dokumentarfilmen besteht, die er für verschiedene staatliche Institutionen inszeniert, fotografiert oder geschnitten hat.

Eine ausführliche Filmographie am Ende des Buches verzeichnet eine erstaunlich große Anzahl von Filmen, an denen Hammid in einer oder mehreren dieser Funktionen beteiligt war. Auch eine kleine Sammlung mit Texten aus der Feder des Filmemachers enthält das Buch. Interessant sind dabei besonders die Filmkritiken aus dem Jahr 1930, die Hammid für eine tschechische Tageszeitung schrieb: Sie wirken, zusammengenommen, wie ein kleines Kompendium empfehlenswerter ästhetischer Strategien. Und sie erhellen den dezidiert aufklärerischen Standpunkt Hammids.

Die Autoren des Hammid-Buches beschäftigen sich mit verschiedenen Aspekten und Perioden seiner Filmarbeit: Besonders aufschlussreich sind vor allem die Texte von Eva Hohenberger und Brigitte Mayr, die en passant allerlei Wissenswertes über den Kontext der Zeit vermitteln: So beschäftigt sich Hohenberger mit dem Dokumentarfilm der Dreißigerjahre und Mayr mit der Propagandaarbeit des berühmten Office of War Information (OWI). Beide Aufsätze betonen allerdings die kollektive Arbeitsweise, die sowohl unter den "häufig in Gruppen organisierten politischen Dokumentaristen der 30er- und 40er-Jahre" üblich war als auch bei den film units des OWI. Welche Motive auf Hammids ästhetische Vorstellungen zurückgehen, ist retrospektiv nicht auszumachen. Auch er selbst weiß es häufig nicht mehr.

Stefan Grissemanns Beitrag über die Zusammenarbeit zwischen Hammid und Maya Deren führt in eine ähnliche Richtung: Wer seine frühen Filme und sein fotografisches Werk genau kennt, mag den "Hammid-Stil" in den gemeinsamen Filmen entdecken. Aber sie sind vielleicht doch eher im Kontext filmhistorischer Strömungen interessant denn als individuelle künstlerische Aussagen im Sinne von Personalisierungsstrategien. So mag man auch diesen Band vielleicht weniger als Monographie lesen denn als Streifzug durch mehrere Dekaden der Filmgeschichte, bei dem man interessante Entdeckungen machen kann.

Daniela Sannwald in FALTER 41/2002 vom 11.10.2002 (S. 37)


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