Trügerische Vertrautheit. Filme von Michael Haneke

von Fatima Naqvi

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Vorwort: Elfriede Jelinek
Verlag: SYNEMA Gesellschaft für Film und Medien
Genre: Kunst/Fotografie, Film, Video, TV
Umfang: 208 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.12.2010


Rezension aus FALTER 48/2011

Übung macht den Haneke!

Es geht um Verhältnisse. Denn auch "die Verhältnisse sind irgendwann einmal hergestellt worden, das erkennt man ja sofort. Hergestellt in der Traumfabrik, wie man früher sagte, die Schaum erzeugt. Beim Filmemacher, von dem die Rede ist, erstarrt dieser Schaum an der Luft. Der Schaum, der hält."
Der Filmemacher, von dem hier die Rede ist, heißt Michael Haneke, und über ihn schreibt keine Geringere als Elfriede Jelinek. Mit der ihr eigenen Präzision erklärt sie im Vorwort die oft konstatierte Erstarrung in Hanekes Filmen, die nach wie vor mit Begriffen wie "Kälte" oder "Distanz" assoziiert wird. Diese Erstarrung, so Jelinek, hänge jedoch mit einer Gleichberechtigung von Gezeigtem und Betrachter zusammen: Erst der Zuschauer, der die Figuren nicht anders sehen könne, als Haneke sie zeige, würde seine Filme komplettieren.
Die Philologin Fatima Naqvi analysiert die Filme Hanekes auf dieses Spannungsverhältnis mit dem Zuschauer hin, indem sie auf formaler und inhaltlicher Ebene diesem Konfrontationskurs nachspürt.
Doch bevor die Bilder ihre intendierte Wirkung entfalten können, benötigen sie jene Resonanzfläche, die die Autorin interdisziplinär kenntlich zu machen versucht: "Lemminge" mit Sloterdijks Blasen-Theorie, "Die Klavierspielerin" mit Psychoanalyse und Schlüssellochsymbolik, "Die Rebellion" über das historische Trauma Österreich-Ungarns.
Dass dabei Fernseh- und Kinofilme in Kapitel zusammengefasst werden und die chronologische Ordnung immer wieder aufgebrochen wird, ist nur konsequent. Der Vorteil ist, dass bestimmte Motive veranschaulicht werden, der Nachteil, dass einzelne Filme eine untergeordnete Rolle spielen (müssen).
In sachlich-akademischem Stil
verfasst, verlangt "Trügerische Vertrautheit" die konzentrierte Aufmerksamkeit des Lesers. Schon dadurch ist das Buch ein Gegenentwurf zu dem 2008 erschienenen Gesprächsband von Thomas Assheuer, in dem Haneke meinte: "Das Filmemachen kann man nicht lernen; man kann es nur üben." Fatima Naqvi zeigt, wie Übung den Meister macht.

Präsentation: 30.11., 19 Uhr, Literaturhaus

Michael Pekler in FALTER 48/2011 vom 02.12.2011 (S. 36)


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