Manfred Neuwirth - Bilder der flüchtigen Welt
Buch mit DVD

von Brigitte Mayr, Michael Omasta, Manfred Neuwirth, Stefan Grissemann, Karin Berger, Nico de Klerk, Olaf Möller

€ 25,00
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Vorwort: Brigitte Mayr
Vorwort: Michael Omasta
Verlag: SYNEMA Gesellschaft für Film und Medien
Genre: Kunst/Fotografie, Film, Video, TV
Umfang: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 14.03.2014

Rezension aus FALTER 12/2015

Kritzendorf im Dreiminutentakt: Manfred Neuwirths Doku-Essay "Aus einem nahen Land"

Einige Jahre bevor Nikolaus Geyrhalter für „Allentsteig” (2010) ins Waldviertel aufbrach, besuchte ein anderer österreichischer Filmemacher den seinerzeit von der deutschen Wehrmacht errichteten Truppenübungsplatz. In „Erinnerungen an ein verlorenes Land” sprach Manfred Neuwirth 1988 mit Zeitzeugen, die 50 Jahre zuvor nach dem Entsiedlungsbefehl gezwungen worden waren, ihre im nunmehrigen Militärgebiet gelegenen Dörfer zu verlassen. Es ist sein bekanntester und erfolgreichster Dokumentarfilm, wenngleich für das bisherige Gesamtwerk ein eher untypischer.
Neuwirth, Gründungsmitglied der Medienwerkstatt Wien, arbeitet als freier, experimenteller Dokumentarfilmer, der seit vielen Jahren die Gestaltungsmittel, mit denen er der sogenannten Wirklichkeit begegnet, stets weiterentwickelt. Wenn ihm etwas Interessantes auffalle, so Neuwirth anlässlich der Uraufführung seines Films „Aus einem nahen Land” im Österreichischen Filmmuseum, dann spiele es keine Rolle, ob er eine Kamera dabeihabe oder nicht – seine Reaktion auf das Gesehene sei dann bloß eine andere Form der Aufnahme.

Den dokumentarischen Essay „Aus einem nahen Land” hat Manfred Neuwirth in seinem Heimatort Kritzendorf an der Donau gedreht. In 24 Einstellungen zu jeweils drei Minuten durchkämmt Neuwirth die Landschaft, begleitet eine benachbarte Weinbauernfamilie durchs Jahr bei der Arbeit oder beobachtet Details und Nebensächlichkeiten in Wald und Wiese. Da blickt die Kamera dann schon einmal in Großaufnahme auf einen Holzstoß, auf eine Sonntagsmesse auf einer Lichtung oder starrt auf einen winterlichen Forstweg.
In Wahrheit ist hier alles in Bewegung, denn Neuwirth konzipiert seine Bilder nach einem ausgeklügelten System: Die auf Schienen montierte Kamera unternimmt – zunächst kaum merklich – jeweils eine Fahrt von rechts nach links und wieder zurück. Sozusagen eine Reise im Dreiminutentakt.
Zusammen mit dem von Christian Fennesz komponierten Sounddesign werden diese Bilder zu einer ungewohnten und hochspannenden Seherfahrung: Es ist eine Verfremdung des Alltäglichen, die es einem erlaubt, das Vertraute wiederzuerkennen und dennoch vollkommen anders wahrzunehmen.

Michael Pekler in FALTER 12/2015 vom 20.03.2015 (S. 33)


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