Heute könnte ein glücklicher Tag sein

von Xaver Bayer

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Jung und Jung
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 36/2001

Ein Jungautor hat es heute sicher nicht leicht. Er möchte nicht allzu glatt und flott erzählen und am Ende zum Liebkind der Illustrierten werden, er möchte aber natürlich auch nicht altväterisch rüberkommen. Die Suche nach einer eigenen Stimme mag mühsam sein, doch sollte sie auf keinen Fall in Apathie und Wurstigkeit ertrinken. Im Falle des 24-jährigen Wieners Xaver Bayer scheint das freilich der Fall zu sein. Sein Debüt "Heute könnte ein glücklicher Tag sein" hinterlässt jedenfalls nicht wirklich den Eindruck, dass sich hier jemand Mühe gegeben hat.

Da ist einmal der Stil: eine Mischung aus Tagebuch und einsilbigem Erlebnisaufsatz, die eine Kurzgeschichte lang vielleicht ganz amüsant sein könnte, bei einem Buch von fast 200 Seiten aber jeden noch so gutmütigen Leser in die Knie zwingen muss: "Ein weiterer Tag, an dem ich nichts zu tun habe. Ich wache gegen halb zehn auf, bleibe aber bis zwei Uhr im Bett liegen, dösend und lesend. Dann esse ich ein Stück Brot mit einer schon älteren Salami, die ich im Kühlschrank gefunden habe, und ziehe mich an, um hinauszugehen."

Ebenso spannend wie die Form gestaltet sich der Inhalt des Buches: Der Protagonist schläft lang, verlässt seine Wohnung in Richtung Universität, um, dort angekommen, festzustellen, dass er keine Lust auf Vorlesungen hat. Daraufhin steigt er in einen Zug nach irgendwo, um in einem Hotelzimmer ein wenig zu lesen oder sich Kokain reinzuziehen, so er seine Antriebslosigkeit nicht schon zuvor mit viel Alkohol bekämpft hat. Dabei darf man der Hauptfigur ein ganzes Buchjahr lang zusehen. Nur selten versucht der Namenlose sein Leben zu ändern. Einen Monat lang arbeitet er bei einer Zeitung. Für ein paar Tage geht es ihm besser, doch bald schon stellt sich der alte Ennui wieder ein: Genie, das der Protagonist nun mal ist, hat er seine Artikel schon nach kurzer Zeit fertig und langweilt sich für den Rest des Tages.

Dem Leser geht es ähnlich: Die Trostlosigkeit von "Heute könnte ein glücklicher Tag sein" mag ihre Entsprechung im Lebensgefühl von so manchem Twentysomething haben - allein nach fünfzig Seiten hat sich das Thema erschöpft, und es bleibt nichts als grenzenlose Langeweile.

Sebastian Fasthuber in FALTER 36/2001 vom 07.09.2001 (S. 20)


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