Neapel oder die Reise nach Stuttgart
Erzählung

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Verlag: Jung u. Jung
Genre: Belletristik
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 33/2001

Der Theaterregisseur Hans Neuenfels hat sein zweites Buch geschrieben.

Hans Neuenfels ist einer jener deutschen Regisseure, für die in den Siebzigerjahren der Begriff "Regietheater" geprägt wurde. Gemeint ist damit ein Theater, in dem sich der Regisseur selbst als eigentlicher Autor des Abends begreift. Der 60-jährige Neuenfels, der bei den Salzburger Festspielen gerade "Die Fledermaus" inszeniert, gehört bis heute zu den interessantesten, weil persönlichsten Regisseuren seiner Generation. Zudem ist er einer der wenigen, die sich nicht nur auf der Bühne als Autoren begreifen: Zehn Jahre nach dem Roman "Isaakaros" (1991) legt er nun sein zweites Buch, die Erzählung "Neapel oder die Reise nach Stuttgart", vor. Anders als bei seinem mythologisierend-autobiografischen Debüt steht diesmal allerdings nicht der Autor selbst im Zentrum der Handlung, sondern eine 47-jährige Frau namens Katharina Studer.

Katharina lebt mit dem Versicherungskaufmann Herbert und ihren zwei beinahe erwachsenen Söhnen Frank und Ferdinand in Stuttgart und fühlt sich in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter pudelwohl - bis sie im Turnzeug des 17-jährigen Ferdinand ein Schwulenpornoheft entdeckt und das schwäbische Familienidyll ebenso in Scherben zerbricht wie das Panoramafenster im Wohnzimmer, in das der verzweifelte Sohn einen Pflasterstein geworfen hat. Kurz nach Ferdinand outet sich auch sein älterer Bruder Frank, und Vater Herbert verfällt in eine tiefe Apathie, aus der ihn seine Frau erst mühsam - wie einen Komapatienten - zurückholen muss. Auf einer Reise nach Neapel versuchen die Eheleute einen Neubeginn.



Das ganze Buch ist ein langer Brief, den Katharina an ihre Jugendfreundin Charlotte (die sie allerdings schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat) geschrieben hat. Die Geschichte wird also in der Sprache einer Frau erzählt, die ihre Gedanken zuletzt vermutlich als Mädchen in einem Poesiehandbuch verewigt hat.

Der entsprechend naiv-blumige Tonfall ist recht gut getroffen und teilweise auch leidlich unterhaltsam, aber weil Plattitüden nicht interessanter werden, nur weil es sich dabei um Rollenprosa handelt, geht einem die Erzählerin - und mit ihr die Erzählung - irgendwann ziemlich auf die Nerven. Vielleicht sollte Hans Neuenfels beim nächsten Mal lieber wieder mehr von sich selbst erzählen.

Wolfgang Kralicek in FALTER 33/2001 vom 17.08.2001 (S. 53)


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