Arbeiter der Feder
Die Journalistinnen und Journalisten des KPÖ-Zentralorgans „Österreichische Volksstimme“ 1945–1956

von Maria Bianca Fanta

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Verlag: CLIO Verein f. Geschichts- & Bildungsarbeit
Format: Taschenbuch
Genre: Medien, Kommunikation/Medienwissenschaft
Umfang: 216 Seiten
Erscheinungsdatum: 03.05.2016

Wer waren die Redakteurinnen und Redakteure der „Österreichischen Volksstimme“? – Die Lebensgeschichten jener österreichischen Journalistinnen und Journalisten, die die nationalsozialistische Herrschaft im Exil, im Widerstand oder in Gefangenschaft überlebt hatten und zurückkehrten um beim Aufbau der kommunistischen Presse mitzuarbeiten, sind bisher wenig bekannt. Die vorliegende Publikation erfasst und analysiert erstmals die vielfältigen Biographien jener Redaktionsmitglieder, die in der Phase zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der ersten Phase des Kalten Krieges beim Zentralorgan der Kommunistischen Partei Österreichs tätig gewesen sind. Die gruppenbiographische Studie untersucht sowohl qualitativ als auch quantitativ, welche Wendepunkte und Zäsuren das Leben der Redaktionsmitglieder beeinflussten und leistet damit einen zentralen Beitrag zur österreichischen Mediengeschichte.

Rezension aus FALTER 6/2017

Die roten Propagandisten

1959 bricht die kommunistische Schriftstellerin Susanne Wantoch zu einer Bergwanderung in das Gebiet der Raxalpe auf. Die Redakteurin der Österreichischen Volksstimme – dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei – hatte davor die Partei vor Kollegen kritisiert. Zu viel war vorgefallen: Der Volksaufstand in Ungarn 1956, den die Sowjets blutig niedergeschlagen hatten. Die Enthüllungen über die grausamen Verbrechen Stalins, dem Millionen zum Opfer fielen, darunter viele Genossen. Wantoch wurde nach ihrer Kritik gekündigt. Von ihrer Bergwanderung kehrte sie nicht mehr heim. Die Polizei vermutete, sie habe sich das Leben genommen.
54 Kurzbiografien aus den Anfangsjahren der Volksstimme recherchierte die Journalistin Maria Fanta für ihre Dissertation „Arbeiter der Feder“, die seit kurzem als Buch vorliegt. Sie zeichnet darin das Bild des ersten Redaktionskollektivs nach, das von 1945 bis 1956 jene Zeitung machte, die der langjährige KPÖ-Vorsitzende Johann Koplenig „an der Spitze des Kampfes für die Ausmerzung der Überreste des Faschismus und für die Demokratisierung aller Einrichtungen des Staates“ sah. Tatsächlich aber verteidigte das Blatt die sowjetische Diktatur und betrieb kommunistische Propaganda (siehe Seite 20).
Da waren Journalisten wie die Widerstandskämpferin Antonie Lehr, die im KZ Auschwitz die Hölle sah. Die Nazis hatten ihre Hinrichtung bereits geplant, sie überlebte, weil ihr eine inhaftierte Chirurgin schnell die KZ-Nummer wegoperiert hatte und sie eine andere bekam. Oder der überzeugte Kommunist Franz Kunert, der während des stalinistischen Terrors verhaftet, verhört und schwer gefoltert wurde, dem Kommunismus dennoch treu blieb.
Eine typische Volksstimmen-Biografie gab es nicht, resümiert Fanta. Aber Auffälligkeiten: So hatte der überwiegende Teil der Redakteure im Widerstand gegen die Nazis gekämpft und im Vergleich zu anderen Zeitungen arbeiteten in der Volksstimme deutlich mehr Juden und Frauen.

Benedikt Narodoslawsky in FALTER 6/2017 vom 10.02.2017 (S. 17)


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