Mit meiner Zwillingsschwester in Auschwitz

von Àgnes Havas, Heimo Halbrainer

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Übersetzung: Lukas Markl
Verlag: CLIO Verein f. Geschichts- & Bildungsarbeit
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Geschichte/Biographien, Autobiographien
Umfang: 196 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.12.2018

Rezension aus FALTER 4/2019

Als Zwilling bei Doktor Mengele

Ágnes und Judit „Juci“ Havas sind 17, als sie gemeinsam mit anderen ungarischen Juden nach Auschwitz deportiert werden. Sie kommen aus einer gebildeten Budapester Familie. Bei ihrer Ankunft werden ihr Vater und ihre Großmutter in die Reihe der Alten gestellt, die Schwestern aber kommen als Zwillinge in eine andere Reihe. Sie werden der Station von SS-Arzt Josef Mengele zugeteilt, der Untersuchungen an Zwillingen durchführt. Schon am nächsten Morgen sagen ältere Häftlinge den Mädchen, sie sollten nicht hoffen, Vater und Oma wiederzusehen, „weil sie gleich von der Rampe, dem Ort unserer Ankunft, weg ins Krematorium geführt worden waren. (…) Sie haben sich bereits in Asche und Rauch verwandelt.“ Die erfahrenen Frauen hätten dies nicht „aus Gemeinheit“ so gesagt, sondern „aus Prinzip: Hier musste jeder von der ersten Sekunde an begreifen, wo er war“.

Havas erzählt die Fakten detailreich und gleichzeitig kühl, distanziert; das macht ihre Schilderung umso wirkungsvoller. Sie berichtet, wie sie sich, nackt, von Mengele vermessen lassen mussten: die Form des Kopfes, Größe, Zähne, Augen. Schlimmere Experimente, wie Mengele sie auch durchführte, blieben den Mädchen erspart: Mengele infizierte Häftlinge mit Typhus. Wenn einer von den Zwillingen starb, ließ er auch den zweiten töten, damit er bei der Autopsie die Organe miteinander vergleichen konnte.

Die Arbeit der Schwestern bestand darin, die Schuhe der Häftlinge zu sortieren. Im November 1944 wurden sie in ein kleines Lager nach Mährisch-Weißwasser überstellt, wo sie im Außenlager des KZ Groß-Rosen für Telefunken arbeiten mussten.

Schon kurz nach ihrer Befreiung, im Sommer 1945, maturierten die Mädchen, im Herbst begannen sie mit dem Studium. „Resilienz“, dieses Wort kommt einem bei der Lektüre dieses Buches immer wieder in den Sinn.

„Juci“ ist 2005 verstorben. Àgnes Havas kommt am Donnerstag zu Lesung und Gespräch mit Heimo Halbrainer ins Grazer Literaturhaus (19 Uhr, Lesung auf Deutsch: Ninja Reichert).

Gerlinde Pölsler in FALTER 4/2019 vom 25.01.2019 (S. 22)


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